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Von  Ulrich M. Alexander

Die Katze im Schaufenster

Diest ist klein, beschaulich und überraschend

Von Diest hat jeder schon mal gehört, aber niemand war je da. Dass das ein Fehler ist, offenbart sich an der prächtigen St. Sulpitiuskirche, an einem der größten Beginenhöfe, einem richtig grünen Festungsgürtel und einem charmanten Kleinstadtflair, das zum Schlendern einlädt.

 

Das Diest dieses Flair zu bieten hat, liegt an seiner Geschichte als alte Stadt des Hauses Oranien-Nassau, die hier 300 Jahre regierten. So trägt die niederländische Königin Beatrix noch heute den Titel Baronin von Diest – ebenso wie sie Markgräfin von Antwerpen ist. Diese Verbindung und die Grenzlage zwischen Flämisch-Brabant und Lüttich hatten aber auch zur Folge, dass die Stadt über die Jahrhunderte hinweg immer wieder belagert und besetzt wurde.


„Neuer“ Festungsgürtel


Deswegen steht man begeistert am noch alten bestehenden Festungstor „Schaffensepoort“, eigentlich zwei Tore in zwei Mauern, zwischen denen die Demer fließt - nur um herauszufinden, dass dies alles aus dem 19. Jahrhundert stammt. Nach der belgischen Unabhängigkeit war die Angst einer niederländischen Invasion derart groß, dass Diest wahrhaft eingemauert wurde. Der noch bestehende Teil der Anlage lädt heute als wunderschöne grüne Lunge zusammen mit dem Warande-Stadtpark zum Verweilen ein.


Wem das zu grün ist, kann von dem Mauerbereich hinunter in den Beginenhof aus dem 13. Jahrhundert gehen, wie überall in Belgien eine Oase der Ruhe im Herzen der Stadt. Durch seine romantischen Gassen und den vielen Wohnhäusern hat der verschlafene Beginenhof viele Künstler angelockt, die auch in einem hier gelegenen Kulturzentrum ausstellen. Eines der Häuser – die meisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert - ist als Museum öffentlich zugänglich.


Im Zentrum


Mit einem Eis in der Hand kann man dann Richtung Stadtzentrum ohne die Eile der Großstadt Schaufenster-Shopping betreiben. Hier entdeckt man eine Karikatur unseres Belgieninfo-Karikaturisten Quirit und dort liegt eine Katze in der Etalage. Die Zeichnungen, die ihr Herrchen in seinem Gemäldeladen verkaufen will, interessieren sie nur wenig – oder gar nicht, wenn man ihren geruhsamen Schlaf interpretiert. Diest wurde durch seinen Tuchhandel reich, deutlich zu sehen an der im gotischen Stil gebauten Tuchhalle, die im 19. Jahrhundert eine neue Fassade, die mehr „in“ war, erhielt.


Nicht zu vergessen ist die große St. Sulpitiuskirche am kleinen Marktplatz, die durch ihren starken Kontrast zwischen weißer Westfassade und rotem Rest der gotischen Kirche besticht. Der kleine Vierungsturm wird von den Einwohnern liebevoll Senftopf genannt und beinhaltet ein Glockenspiel, dessen Großteil an Glocken von den berühmten Hemony-Brüdern aus Amsterdam gegossen wurde. Im Innern besticht die Kirche durch ihre Helligkeit und Kunstschätze, auffallend vor allem die Apostelreihe an den Säulen des Mittelschiffs und die barocke Kanzel aus der berühmten Bildhauerfamilie Kerrickx. Der noch heute in Belgien sehr beliebte Heilige Jan Berchmans wurde in Diest geboren und im uralten Taufbecken der Kirche zum frommen Katholiken.


Erstellt oder aktualisiert am 09. Mai 2012.
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