Vergeistigt, sinnlich, langgestreckt

El Greco – ein europäischer Maler im Bozar

Von Hortense Hörburger

Das Bozar ist stolz: vierzig Bilder von El Greco sind seit dem 4. Februar bis Anfang Mai im Bozar zu sehen. Die Ausstellung ist keine Gesamtschau seiner Werke, sondern versucht thematisch vorzugehen. Am Anfang steht die Wiederentdeckung des Künstlers, im Mittelpunkt seine künstlerische Entwicklung und am Ende sein malerisches Testament: die zwölf Apostel mit Jesus Christus.

Spanien hat zur Zeit die Präsidentschaft der Europäischen Union inne und wollte – angesichts der langen historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen mit Belgien – dies auch in der Hauptstadt Europas zeigen. Die hier ausgestellten Bilder reisen selten.

El Greco - „der Grieche“ - erblickte 1541 auf Kreta das Licht der Welt und hieß damals Domenikos Theotokopoulos. Man weiß wenig von seinen Anfängen als Architekt und Maler. Sicher ist nur, dass er sein Handwerk beim Anfertigen von Ikonen gelernt hat, von denen eine einzige erhalten ist.

 

Wanderschaft

Ikonen bleiben immer gleich. Aber El Greco lernte auf seiner künstlerischen Wanderschaft andere Einflüsse kennen. Nachdem Kreta der Republik Venedig zugeschlagen wurde, ging er – wie viele andere griechische Künstler auch - dorthin, um sein Glück zu probieren. Kurz darauf setzte er sich in Rom nieder, arbeitete für den Kardinal Alessandro Farnese und gründete seine erste eigene Werkstatt. Die großen Maler Michelangelo und Raphael waren schon tot und an ihrem Kunstverständnis führte eigentlich kein Weg vorbei. Aber El Greco hatte eigene Ideen, eine eigene Vision und einen eigenen Stil. All das konnte er ab 1577 in Toledo entwickeln und gut verkaufen.

Nach seinem Tod im Jahr 1614 setzte die Kritik an seinen psychologisch genauen Bildern an. Sie wurden als extravagant, lächerlich und verrückt bezeichnet. Und es dauerte gut drei Jahrhunderte, bis der Grieche wieder entdeckt wurde: einerseits von deutschen Kunstwissenschaftlern wie Steinbart und Dvorak, anderseits vom Blauen Reiter, den Malern um Kandinsky und Marc. Last not least: von Picasso.

Die Renaissance von El Greco, der heute als Gründer der „spanischen Malschule“ gilt, verdanken wir aber vor allem Manuel Bartolomé Cossio, Autor einer Biographie des Malers, und dessen Freund, dem Marquis de la Vega Inclán, einem Kunsthändler und Mäzen. Sie sorgten 1902 für die erste Retrospektive im Prado in Madrid. Und Vega Inclán sei Dank gibt es seit 1910 ein Greco-Museum in Toledo.

Erstellt oder aktualisiert am 07. Februar 2010.