Im Brüsseler Justizpalast wurde am Mittwoch (27.1.) die Wanderausstellung der Bundesrechtsanwaltskammer „Anwälte ohne Recht“ eröffnet. Sie wurde durch die Initiative der Flämischen Anwaltskammer nach Brüssel gebracht und wird danach auch noch in Gent zu sehen sein.
Diese Ausstellung zeigt anhand der Darstellung vieler Einzelschicksale betroffener jüdischer Rechtsanwälte sehr anschaulich und eindringlich, wie nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten die Voraussetzungen für ihre Berufsausübung verringert und schließlich zunichte gemacht wurden, wie die jüdischen Anwälte vertrieben, deportiert und schließlich ermordet wurden. Etliche der Lebensläufe enden mit einem Hinweis auf den Tod in einem Konzentrationslager, andere von einem anderen Leben mit angepasstem Namen im Exil und anderen, wenigen, die zurückkehrten und ihren Beruf wieder ausübten.
Bereits am 31. März 1933 wurden an vielen Orten Deutschlands von der SA Gerichtsgebäude gestürmt und es wurde die Entlassung von jüdischen Richtern, Staatsanwälten und Anwälten gefordert. In den Folgemonaten wurden die jüdischen Rechtsanwälte aus den Anwaltskammern ausgeschlossen. Als sie innerhalb jüdischer Vereinigungen weiter Rechtsrat erteilten, wurde im Jahr 1935 das sogenannte Rechtsberatungsmissbrauchsgesetz erlassen, das die Rechtsberatung nur den zugelassenen Anwälten zuwies und damit die Beratung innerhalb eines Vereins strafbar machte.
Dieses Gesetz hatte übrigens zum größeren Teil Bestand bis zum Jahr 2008 und wurde erst jetzt durch das Rechtsdienstleistungsgesetz abgelöst, das im Hinblick auf die Berufsfreiheit innerhalb Europas das Beratungsmonopol der Rechtsanwälte weitgehend aufhob.
Das Besondere an dieser Ausstellung in Belgien ist, dass nicht einfach die deutsche Wanderausstellung übernommen wurde, sondern dass diese Anlass für belgische Anwälte war, dem Schicksal der eigenen jüdischen Kollegen zur Zeit der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen von 1940 bis 1942 nachzugehen. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten wurden anhand der betreffenden Lebensläufe von Antwerpener und Brüsseler Rechtsanwälten in die Ausstellung eingefügt, die damit auch diese für die Belgier traumatische Zeit beleuchtet, einer Zeit zwischen Widerstand gegen und Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht.
Die Ausstellung ist in der monumentalen Eingangshalle des Justizpalasts aufgebaut und läuft leider nur etwas mehr als zwei Wochen, bis zum 16. Februar; sie ist zu den Öffnungszeiten des Justizpalasts montags bis freitags von 8.30 bis 17 Uhr zu sehen.
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Otto Dix: Rechtsanwalt Dr. Fritz Glaser mit Familie, 1932 - Fotoquelle: Sächsische Landesbibliothek/ Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Abt. Deutsche Fotothek - Sign.LD: 196 291 a Dix, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2001
