03. September 2010

Frisch frittiert

Bart De Wevers Partei NVA, die als größte flämische Partei bei den letzten Wahlen abgeschnitten hat und auch im föderalen Parlament die größte Fraktion stellt, leidet an Mitarbeitermangel. Unter dem Spruch „Schaffe zusammen mit der NVA ein starkes Flandern“ werden jetzt bis zu 84 Mitarbeiter per Zeitungsanzeigen gesucht. Normalerweise sind solche Jobs in Belgien sehr ertragreich. Es wird allerdings auch vorausgesetzt, dass man voll und ganz mit der Ideologie der Partei übereinstimmt.

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Am 30. Juni ist es soweit. Dann sind 50 Jahre seit jenem Tag vergangen, an dem Belgien "seinen" Kongo aufgeben musste. In all diesen Jahren haben sich die Belgier mit ihrem Verhältnis zu der Ex-Kolonie schwer getan. Da hilft auch kein Afrika-Museum in Tervuren, obwohl man sich dort wiederholt mühte, auch die Schattenseiten des Kolonialregimes zu beleuchten. Für die Belgier bleibt der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit ein umstrittenes Thema, wie Heribert Korfmacher meint.

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Belgiens gespaltenes Verhältnis zum Kongo

Von Heribert Korfmacher

 

Am 30. Juni ist es soweit. Dann sind 50 Jahre seit jenem Tag vergangen, an dem Belgien "seinen" Kongo aufgeben musste. In all diesen Jahren haben sich die Belgier mit ihrem Verhältnis zu der Ex-Kolonie schwer getan. Da hilft auch kein Afrika-Museum in Tervuren, obwohl man sich dort wiederholt mühte, auch die Schattenseiten des Kolonialregimes zu beleuchten. Für die Belgier bleibt der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit ein umstrittenes Thema.

Ob Belgiens König Albert II. in Kinshasa an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongos teilnehmen wird, hängt jetzt von den Kongolesen selbst ab. Die föderale Regierung Belgiens hat soeben grünes Licht gegeben. Allerdings wartet man in Brüssel ab, ob denn überhaupt eine formelle Einladung aus Kinshasa erfolgt. Und es bleibt abzuwarten, ob die Kongelesen irgendwelche Bedingungen an die Einladung knüpfen oder ein Programm vorsehen, was Brüssel nicht gefallen könnte.

 

Karel De Gucht, jetzt EU-Kommissar und vordem Außenminister Belgiens, hat in seinen Amtsjahren und sogar schon als EU-Kommissar für die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern kräftig Porzellan zerschlagen, vor allem was Kinshasa betrifft. Kongo sei ein Misthaufen, alles in diesem Lande müsse neu angepackt werden, so eine seiner Aussagen, die ihn zur persona non grata in der ehemaligen Kolonie machten. Woran De Gucht wohl nie gedacht hat: Ohne die rücksichtslose Ausbeutung der kongolesischen Bodenschätze wäre Belgien nie zu einem Land geworden, das sich Jahrzehnte lang die Taschen füllen und ausruhen konnte. Noch heute kann man vor allem im Brüsseler Raum die Resultate des kolonial erworbenen Wohlstands in Form von hochherrschaftlichen Villen und anderen Gebäuden bewundern.

Ob solche Einsichten bei der Bewältigung der kolonialen Vergangenheit helfen, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass über Jahrzehnte so getan wurde, als ginge es nur schlecht mit dem Kongo, weil die Belgier es verlassen hätten. In diesem Trend liegen auch die Bemerkungen von De Gucht. Und man muss den Kongolesen Recht geben, wenn sie solche Leute nicht gerne bei sich zu Gast haben.

 

Mit De Guchts Nachfolger im Amt des Außenministers, Steven Vanackere, scheint das anders zu werden. Der trank sogar mit Präsident Kabila ein Bier und kam auch sonst wohl gut mit ihm aus. Und das wiederum ließ De Gucht vor Wut kochen. Es ist allerdings anzunehmen, dass er als künftiger EU-Kommissar für Handel keinen Raum mehr für solche Eskapaden hat.

Die belgische Politik könnte sich aus Anlass von 50 Jahren kongolesischer Unabhängigkeit ja vielleicht auch einmal darauf besinnen, dass ihr Land Verantwortung gegenüber seiner ehemaligen Kolonie hat. Erste Versuche, diese Vergangenheit auch selbstkritisch zu beleuchten, wurden vor gut zwei Jahren im Tervurener Afrika-Museum unternommen. Da konnten Besucher erstmals Beweisstücke über das Massensterben von Eingeborenen bei der Ausbeutung der Bodenschätze sehen.

 

Aber dennoch herrscht in allen Parteischattierungen der politischen Klasse Belgiens immer noch keine Klarheit, wie man mit der kolonialen Vergangenheit umgehen sollte. Das Verhältnis zum Kongo bleibt gespalten. Die Elefantenherde aus Holz im Park von Tervuren sollte einen doch nur an eine schöne Vergangenheit erinnern, oder?

Erstellt oder aktualisiert am 07. Februar 2010.

 
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