09. September 2010

Frisch frittiert

Bart De Wevers Partei NVA, die als größte flämische Partei bei den letzten Wahlen abgeschnitten hat und auch im föderalen Parlament die größte Fraktion stellt, leidet an Mitarbeitermangel. Unter dem Spruch „Schaffe zusammen mit der NVA ein starkes Flandern“ werden jetzt bis zu 84 Mitarbeiter per Zeitungsanzeigen gesucht. Normalerweise sind solche Jobs in Belgien sehr ertragreich. Es wird allerdings auch vorausgesetzt, dass man voll und ganz mit der Ideologie der Partei übereinstimmt.

Mitglied werden

ZUM ARTIKEL

Bald sind Sommerferien. Bevor die internationale Deutsche Schule Brüssel ihre Tore schließt, die Lehrer ihre Abschlusskonferenzen abgehalten und die Schüler ihre Bücher zugeklappt haben, zieht der Präsident des Schulvereins der internationalen Deutschen Schule Brüssel, Dr. Jörg-Thomas Dierks, eine Zwischenbilanz. In einem Interview spricht er über die Qualitäten der iDSB, über deutsche Kultur, die Rolle der Eltern und ein besonderes Problem: die Fluktuation bei Lehrern und Schülern.

Artikel versenden
 
 

"Leistung ist für mich nicht nur Lernen"

Dr. Jörg-Thomas Dierks im Gespräch mit Tanya Wittal-Düerkop und Rudolf Wagner

 

Bald sind Sommerferien. Bevor die internationale Deutsche Schule Brüssel ihre Tore schließt, die Lehrer ihre Abschlusskonferenzen abgehalten und die Schüler ihre Bücher zugeklappt haben, zieht der Präsident des Deutschen Schulvereins, Dr. Jörg-Thomas Dierks, eine Zwischenbilanz. In einem Interview spricht er über die Qualitäten der iDSB, über deutsche Kultur, die Rolle der Eltern und ein besonderes Problem: die Fluktuation bei Lehrern und Schülern.

Frage:
Was schätzen Sie an der internationalen Deutschen Schule Brüssel?

Dr. Jörg-Thomas Dierks:
Die iDSB ist eine der besten deutschen Auslandsschulen weltweit. Ich finde, sie stellt sehr attraktive Lernräume bereit. Wir haben kleine Klassen, wir haben ein hoch motiviertes Lehrerteam, wir bieten viele Extras. Deshalb tragen wir ja auch seit letztem Jahr mit Stolz den Titel „Exzellente deutsche Auslandsschule“. Während meiner zweijährigen Präsidentschaft möchte ich mich dafür einsetzen, diesen hohen Standard weiterhin zu sichern, aber auch weiter auszubauen und zu optimieren.

Unsere Schule bietet auch ein sicheres Lernumfeld. Unsere Lage am Rande der europäischen Hauptstadt ist grün und staubfrei, und wir sind frei von harten Drogen und Gewalt. In heutiger Zeit ein nicht zu vernachlässigender Punkt!

Frage:
Welche Bedeutung hat die iDSB für die deutschen und deutschsprachigen Familien, die in Brüssel wohnen?

Dierks:
Wir sind ein wichtiger Pol im Leben der deutschen Community, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für deren Familien. Unsere sozialintegrative Funktion ist bedeutsam. Wir sind ein kultureller und kommunikativer Orientierungspunkt für mehr als 600 Familien.

Die Schule bietet aber auch über die schuleigenen Events hinaus stets hochkarätigen Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten ein Forum: Theateraufführungen bekannter Truppen, Lesungen bekannter Schriftsteller, Besuche von international anerkannten Persönlichkeiten, oft in Kooperation mit wichtigen deutschen und internationalen Institutionen, der deutschen Vertretung bei der EU und der Deutschen Botschaft. Wir sind also zugleich auch ein bedeutendes deutsches Kulturzentrum in Belgien für alle Generationen. Wir werden unserer Aufgabe, Deutschland im Ausland zu repräsentieren, gerecht.

Wir sind außerdem ein wichtiges Kommunikationszentrum. Bei uns treffen sich die Leute gerne und kommen miteinander ins Gespräch, sei es beim Abholen ihrer Kinder, beim beliebten Schulflohmarkt, sei es bei Festen und Veranstaltungen.

Frage:
An der Schule geht es zunächst um die Kinder…

Dierks:
Ich bin hier immer wieder von den besonderen Fähigkeiten der Kinder beeindruckt: sie sind weltoffen, tolerant, sprachgewandt, flexibel und verfügen über interkulturelle Kompetenzen, von denen andere nur träumen können. Ich freue mich jeden Tag, dass hier an der iDSB der Traum vom Kant’schen „Weltbürger“ doch ein bisschen wahr wird.

Und das gilt nicht nur für die muttersprachlich deutschen Kinder. Wir werden immer attraktiver für Kinder aus binationalen Ehen und auch für Kinder aus belgischen oder osteuropäischen Familien, die das deutsche Schulsystem schätzen. Für diese Kinder bieten wir spezielle sprachliche Integrationskurse an, damit sie sich schnell bei uns wohl und sicher fühlen.

Frage:
Ein besonderes Problem aller Auslandsschulen besteht in der Fluktuation. Ein Viertel der Schüler und übrigens auch ein Viertel der Lehrer verlassen in jedem Jahr die Schule, neue kommen wieder dazu. Wer kann unter diesen Bedingungen Freundschaften schließen?

Dierks:
Das Schöne ist bei uns die familiäre Atmosphäre, die es uns erlaubt, jeden neuen Schüler, jede neue Familie schnell in die Schulgemeinschaft zu integrieren. Und diese Aufgabe stellt sich uns immer wieder neu, nicht nur zu Beginn, sondern auch während des laufenden Schuljahres. Unser Ziel ist es, jeden neuen Schüler in unsere Gemeinschaft aufzunehmen und ich stelle immer wieder erstaunt fest, wie toll die Kinder neue Kinder auf- und annehmen. Meistens klingelt schon am zweiten Schultag jemand an der Haustür eines „Neuen“ und fragt, ob denn der „Neue“ zum Spielen mitkomme.

Diese positive Integrationsfähigkeit unserer Schule hat sich auch schon herumgesprochen. Ich weiß zum Beispiel, dass die deutsche Industrie ihre Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern besonders gerne nach Brüssel schickt, denn ein gutes Umfeld für die Mitarbeiter und deren Familien ist ihnen wichtig.

Frage:
Die Eltern sehen also die IDSB ebenfalls positiv?

Dierks:
Im Gespräch mit Eltern stelle ich immer wieder fest, dass sie es sehr schätzen, dass die iDSB individuelles Lernen für ihr Kind ermöglicht sowie zugleich eine behutsame und weitsichtige Orientierung fürs Erwachsenwerden und zugleich für Beruf und Studium gibt. Wir koppeln eine hochstehende Ausbildung mit individueller Förderung von einzelnen Begabungen. Individuelle Schwächen gleichen wir soweit möglich mit einfühlsamem Förderunterricht aus.

Frage:
Leistung in schulischen Fächern und Familiengefühl kann aber doch nicht alles sein, was wichtig ist?

Dierks:
Unsere internationale Verortung nimmt uns in die Pflicht, Verantwortung für die Welt zu übernehmen. Von daher werde ich mich sehr darum bemühen, soziales Lernen fest zu verankern und das oft eindrucksvolle Engagement unserer Schülerinnen und Schüler für verschiedene Sozialprojekte weiterhin unterstützen. Leistung heißt für mich nicht nur lernen und gute Noten haben, sondern auch, soziale Leistungen anerkennen und soziale Verantwortung schon in jungen Jahren übernehmen. Ich hoffe, dass uns auch die Vertreter der Deutschen Wirtschaft in Brüssel und die politischen Institutionen weiterhin und noch viel mehr bei diesen Zielen unterstützen.

Erstellt oder aktualisiert am 21. Juni 2009.

 
zurück Top