Nur tröpfchenweise sickert an die Öffentlichkeit, was schon lange beschlossene Sache scheint: Das Antwerpener Diamantenmuseum, knapp zehn Jahr jung, schließt Ende April schon wieder seine Tore. Und zwar definitiv. Es ist das sechste Museum in der Kunst- und Kulturstadt Antwerpen, das innerhalb eines Jahrzehnts für immer oder für lange Zeit dicht macht(e). Eine Entwicklung, die Fragen provoziert.
Antwerpen gilt als Stadt von Rubens, der Mode und der Diamanten. Dem Diamanten wurde 2002 ein prächtiges Museum direkt neben dem Hauptbahnhof gewidmet. Das Antwerpener Diamantenmuseum gab es schon länger, jedoch zog es vor zehn Jahre in einen aufwändig renovierten Jugendstilbau in zentraler Lage um – und wurde auch gleich das größte der Welt. Auf drei Stockwerken entfalten sich seitdem Geschichte und Gegenwart des kostbarsten aller Edelsteine und in den drei Schatzkammern funkeln atemberaubende Schmuckstücke aus fünf Jahrhunderten.
Aber nicht mehr lange. Denn der Traum ist bereits bereits wieder ausgeträumt. Das Museum muss der Erweiterung des daneben liegenden Königin-Elisabeth-Saals zum größten Kongresszentrum Antwerpens weichen. Wohin die Ausstellungsstücke umziehen, vom Diamantring aus dem frühen 16. Jahrhundert über eine wiederaufgebaute Schleiferei aus dem 19. Jahrhundert bis zu Schmuckkreationen weltberühmter Gegenwartsdesigner, das steht auch drei Monate vor der Schließung noch immer nicht fest.
Geschlossen wurden weiter das Volkskundemuseum, das Ethnographische Museum und das Schifffahrtsmuseum in der Burg Steen am Scheldeufer. Die leere Burg bietet einen trostlosen Anblick. Ein Teil der Sammlungen der drei Museen zog in das neue MAS (Museum am Strom) um. Der Rest wird im riesigen Depot des MAS bewahrt.
Das Königliche Museum für Schöne Künste Antwerpen machte im Herbst 2010 dicht. Es wird bis Ende 2017 renoviert und umgebaut; so soll in den ehrwürdigen Kunsttempel aus dem 19. Jahrhundert ein neues Museum für moderne Kunst integriert werden. Die Spitzenwerke des Kunstmuseums sind noch bis Ende dieses Jahres im MAS zu sehen, zahlreiche andere Gemälde und Skulpturen wurden über Museen im In- und Ausland verteilt.
Und im Sommer dieses Jahres schließt, ebenfalls für einige Jahre und für Umbauarbeiten, das Silbermuseum im Antwerpener Bezirk Deurne. Ebenso wie das Diamantenmuseum fällt das Silbermuseum unter die Aufsicht der Provinz Antwerpen.
Sechs Museumsschließungen in weniger als zehn Jahren: eine erstaunliche Entwicklung für die Kunst- und Kulturstadt Antwerpen. Was an Publikumsmagneten im Stadtzentrum übrigbleibt, sind das Rubenshaus und das Druckereimuseum Plantin-Moretus. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe kleinerer Museen oder von Museen, die sich an ein bestimmtes Publikum richten, wie das Gegenwartskunstmuseum MuHKA, das Mode- oder das Fotografiemuseum. Und den Prestigebau des MAS. Trotzdem: eine Kulturpolitik, für die man kaum Verständnis aufbringen kann. Schade.
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