Der Untergang der belgischen Dexia-Bank hat für den weiteren Verlauf der Schuldenkrise weitreichende Folgen. Das franco-belgische Kreditinstitut ist zwar nicht groß genug, um das europäische Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Die Pleite der Dexia wirft aber ein gespenstisches Schlaglicht auf das europäische Krisenmanagement.
Erst im Juli hatte die Dexia den europäischen Bankenstresstest mit Bravour bestanden. Sie gehörte weder zu den acht Banken, die sich bis zum 15. Oktober frisches Kapital besorgen sollen, noch zu den 16 Instituten, denen mehr Zeit dafür eingeräumt wurde. Bei der Dexia war nach Ansicht der Europäischen Bankenaufsicht einfach alles in Ordnung. Wenn man davon ausgeht, dass alle anderen Banken mit der gleichen Seriosität geprüft wurden, dann können wir wahrscheinlich nur beten.
In der EU-Kommission bestreitet man, dass die Bankenaufsicht ahnungslos war. Jeder wisse schließlich, dass die Dexia nicht über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfüge. Beruhigend ist das keineswegs. Bedeutet es doch, dass die Behörden, die die Anleger und Kunden schützen sollen, zwar wussten, dass die Dexia-Manager das Geld verbrannten, aber nichts dagegen unternommen haben. Egal wie es wirklich war: die Bankenaufsicht hat auf der ganzen Linie versagt.
Für Belgien ist damit ein weiterer Ausflug in die internationale Finanzwelt beendet. Nach der Fortis ist die Dexia das zweite Kreditinstitut, das zerschlagen wird und sich auf den belgischen Heimatmarkt zurückziehen muss. Über die Tochter der Dexia in Luxemburg wird bereits mit einem Investor aus dem Nahen Osten (Katar) verhandelt, für die türkische Filiale interssieren sich die Russen, für die spanische und italienische Dexia werden noch Interessenten gesucht. Das belgische Filialnetz wird zunächst verstaatlicht, dürfte aber am Ende auch einen Eigentümer außerhalb des Königreiches finden.
Die Einnahmen aus dem Verkauf dieser Beteiligungen reichen aber bei weitem nicht, um die Risiken zu decken, die Jean-Luc Dehaene und sein Hausmeier Pierre Mariani auf dem europäischen Finanzmarkt eingesammelt haben. Sie werden jetzt beim belgischen, französischen und dem luxemburgischen Steuerzahler abgeladen. Mit Bürgschaften über 90 Mrd. Euro müsen sie dafür gerade stehen, dass klamme Kommunen und zahlungsunfähige Eurostaaten ihre Kredite bedienen. Die Belgier müssen mit 60,5 Prozent der Bürgschaften die größte Last schultern, Frankreich 36,5 und Luxemburg 3 Prozent. Das ist weniger als der belgische Anteil an der Dexia-Finanzgruppe. Die größten Risiken waren allerdings die französischen Manager eingegangen. Sie zeichnen auch für den deutschen Ableger der Dexia verantwortlich, der von Berlin aus ein großes Rad dreht. Mit 330 Mio. Euro Eigenkapital stemmte sie bis 2009 eine Bilanzsumme von 47 Mrd. Euro. Dann wurde es der deutschen Bankenaufsicht unheimlich, die deutsche Dexia musste ihr Kapital erhöhen und die Franzosen eine Patronatserklärung über 1,2 Mrd. Euro abgeben. Was die nach dem Zusammenbruch der Dexia noch wert ist, kann aber niemand sagen.
Titelfoto: Nadia Geerts
Tom Weingärtner ist Korrespondent des Hessischen Rundfunks in Brüssel
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