Nun hat er auch in Brüssel das Büßerhemd getragen, der Vorsitzende des Vorstands der Siemens AG. „Im vergangenen Jahr sind Fehler und ein Versagen der Führungskultur unseres Unternehmens zutage getreten, die uns in eine tiefe Krise gestürzt haben“, sagte Peter Löscher. Eine Fülle von Maßnahmen sei mittlerweile ergriffen worden, um alle Bestechungsfälle im Unternehmen vollständig aufzuklären und Fehlverhalten in Zukunft so weit wie möglich auszuschließen. Als Anspruch nannte er ein „sauberes Geschäft, immer und überall ohne Grauzone und Kompromisse“.
Es war sein erster Besuch in Brüssel. Ergebnisse seiner Gespräche in der EU-Kommission wurden nicht bekannt gegeben. Aber man kann davon ausgehen, dass es dringend notwendig geworden war, den Chef im Brüsseler Siemens-Verbindungsbüro, Dr. Wilhelm Schönfelder und sein Team in schwierigen Zeiten zu stärken und ostentativ zu unterstützen. Löschers Rede im Rahmen der vom BDI/BDA organisierten Brüsseler Wirtschaftsgespräche bot allerdings keine neuen Einsichten in den Skandal, den das Unternehmen jetzt aufarbeitet. Das sorgfältig ausgewählte Vortragsthema „Siemens-Innovation aus Europa für Europa“ war klinisch rein.
Zukunftspotiential Europa
Siemens sei heute in 190 Ländern der Welt geschäftlich aktiv, berichtete Löscher, und erziele rund achtzig Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands. Diese Internationalisierung von Siemens werde weiter fortschreiten, vor allem in Ländern wie Brasilien, Russland, Indien und China, die sich durch hohe Wachstumsraten auszeichnen. So arbeiteten zwei Drittel der rund 400.000 Mitarbeiter bereits im Ausland.
Dennoch sieht Löscher in Europa ein sehr großes Zukunftspotential. Aktuell erwirtschaftet das Unternehmen mehr als 35 Milliarden Euro und 50 Prozent seines weltweiten Umsatzes in Europa.
Siemens stelle sich derzeit neu auf. Auf Details ging der Vorstandsvorsitzende dabei nicht ein. Er verriet jedoch, dass sich Siemens mit Blick auf ein verändertes Umfeld wandle. Anhand von Entwicklungen, die sich heute schon deutlich abzeichnen würden, könne man Zukunftsszenarien mit einiger Sicherheit berechnen. Dazu gehöre die globale Urbanisierung, das Wachsen der Städte, wo das größte Wachstum erzeugt werde. Die Schattenseite dieser wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sei die Zunahme der Umweltprobleme in den Städten, wo 80 Prozent der Treibhausgase ausgestoßen würde.
Kein Zweifel ließ er daran, dass die Ziele des von der Europäischen Gemeinschaft vorgelegten Energie- und Klimapakets, europäische Unternehmen vor eine besondere Aufgabe stellen würde. Dabei fragte er sich, wie es gelingen könne, die Klimaschutzvorgaben zu erfüllen und gleichzeitig die globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.






