Nach Ablauf des 31. Spieltages steht Standard Lüttich zum neunten Mal in der Vereinsgeschichte als belgischer Fußballmeister fest. Mit einem 2-0 lösten die Rouches den amtierenden Meister Anderlecht ab und feierten zusammen mit 27.500 Fans bis tief in die Nacht.
Als Frank de Bleeckere gestern Abend den Schlusspfiff beim Stande von 2-0 für Standard ertönen ließ, gab es im Stadion von Sclessin kein Halten mehr. Nach 25 Jahren holte die Mannschaft von Trainer und Torwartlegende Michel Preud'homme erstmals wieder den Titel in den Hexenkessel.
In einer ruppigen und teils mit vielen Fouls gespickten Partie, in der es insgesamt sechs gelbe Karten gab, sahen die Zuschauer viel Rasse und teils auch ein bisschen Klasse. Zählbares gab es allerdings erst in der zweiten Halbzeit zu sehen als der Kongolese Mbokani in der 54. Minute mit einem Tauchkopfball den Führungstreffer für die Lütticher markierte. Derselbe Mbokani war es, der 20. Minuten später den Vorsprung verdoppelte und Standard damit in Siegesgewissheit wog.
Die Hölle von Sclessin
Das Stadion bebte bis in die Grundfesten als klar wurde, dass Standard dieser Sieg und der Titel nicht mehr entgleiten konnte. Die Stimmung im Stadion erinnerte an die gute Zeit der 80er Jahre, als Barcelona und andere Fußballgrößen Dauergast in Lüttich waren. Dass der Meistertitel ausgerechnet mit einem Sieg gegen den Erzrivalen und amtierenden Meister RSC Anderlecht unter Dach und Fach gebracht werden konnte, freute die Anhänger umso mehr.
Dabei schien einigen ein interessantes und höchst bemerkenswertes Detail fast entgangen oder zur nebensache geworden zu sein: Standard schaffte das Kunststück, ungeschlagen die Saison zu überstehen und sozusagen mit einer weißen Weste Meister zu werden. Und auch die schmerzliche Niederlage in der Vorrunde des UEFA-Cups gegen Zenit Sankt-Petersburg schien gestern eben vergessen.
Einer der Großen Drei
Standard ist wieder da, Standard ist wieder vollwertiges Mitglied der Großen Drei in Belgien. Eigentlich müsste nach dem kometenhaften Aufstieg von Racing Genk von Top Vier gesprochen werden, aber die Limburger hielten in dieser Saison denm Druck der Erwartungen nicht stand.
Ganz anders das Team von Michel Preud'homme, dem Trainer aus dem Nachbarort Ougrée, der sich wohl zu Recht Vater des Erfolgs nennen darf. Obwohl Standard die Saison ohne Niederlage beendete und nach 31 Spieltagen die Tabelle mit zehn Punkten Vorsprung anführt, war es zur Winterpause noch lange nicht klar, ob es mit dem neunten Titel klappen würde. Denn nach der Hinrunde führte Club Brügge mit drei Zählern die Rangliste an.
Und eigentlich müssten die Standard-Fans sich gestern und heute ein bisschen bei allen Brügger Gegnern und vor allem bei AA Gent bedanken. Die Ostflamen hielten Club Brügge im ersten Sonntagsspiel nämlich mit 0-0 in Schach und sicherten Lüttich somit indirekt und vorzeitig den Titel.
Bei soviel Freude und Siegestaumel, sei trotzdem die Frage erlaubt, wie es denn nun weitergeht mit Standard. Denn auch der Meistertitel reicht in Belgien nicht für die direkte Qualifikation zur Champions League. Standard wird in der Qualifikation ziemlich sicher nicht gesetzt werden und darf sich auf einen harten Brocken einstellen. Wenn die Mannschaft sich nicht verstärken kann oder - schlimmer - wenn Leistungsträger wie Steven Defour oder Mbokani Lüttich des Geldes wegen verlassen sollten, dann kann so schön schnell wieder so schade sein.






