Im gelb geklinkerten ehemaligen Rundfunkgebäude am Flagey-Platz ist immer etwas los. Nicht nur im Café Belga oder im Konzertsaal mit seiner großartigen Akustik, sondern öfters auch mal um die Ecke bei den Architekten, in der Espace Architecture.

Freunde des guten Fotos und ästhetisch umbauten Raums finden hier derzeit, wenn sie sich in den wuseligen Gängen nicht gerade verlaufen und zufällig in eine Architekturvorlesung hineinplatzen, eine Aufmerksamkeit heischende Ausstellung. Ausrichter ist das ISACF, das im Haus ansässige Institut Spérieur d’Architecture de la Communauté Française. Unter dem Motto „Corps de Ville“ haben die Architekten 21 sehr unterschiedliche Bildkünstler zur 2. Biennale geladen.
Mit dem kühlen Blick des Architekten
Idylle fehlt in diesen Fotos. Es regiert der sachliche Blick auf konstruierte Körper, umbauten Raum - eben eher die Perspektive von Planern und Architekten. Eine spannende Anregung für Augenmenschen.

Kleinformatig oder riesig auf Aluminiumplatten aufgezogen, in pastosen Farben oder sachlich schwarzweiß, sind die Sujets so unterschiedlich wie ihre Autoren. Die Ansichten zeigen Fassaden im ägyptischen Alexandria, fast sakral wirkende Betonbauten in Tschechien oder bestürzende Ausblicke aus zerbombten Behausungen während des letzten Libanon-Kriegs.

Wie oft hatten wir uns nicht selbst vorgenommen, die unsäglich tristen U-Bahn-Gänge, die dunklen Parkhaus-Fluchten im Bauch von Brüssel einmal optisch festzuhalten, die entkernten Fassaden, die von gelben Stahlgerüsten umklammert die eilig hochgezogenen Beton-Inlays historisierend verkleiden sollen, die neue Sachlichkeit des 21. Jahrhunderts neben den verspielten Ranken von Horta und Hankar.
Beton in Brüssel und Beijing
In „Corps de Ville“ findet jeder, was er nicht sucht. Bis zum 17. Mai im Espace Architecture, 19bis Place Flagey, 1050 Bruxelles.






