„Der Mai ist gekommen“ … na ja, fast:
… aber schon ist Ärger in und um Brüssel vorgeplant, und diesmal fast gar nicht wegen belgischer Innenpolitik! Oder doch?
Der 1. Mai, Muttertag, La Fête de l`Iris, Pfingsten – eigentlich echte Feiertage, ganz im Sinne der Familie, der Entspannung, des Feierns und der Besinnung. (Was wird eigentlich noch mal an Pfingsten gefeiert? Sollte da nicht der friedliche Geist Gottes auf die Menschen herabkommen?) Es könnte alles so schön sein: Hoffnung auf Frühlingswetter, mehr Freizeit und weniger Alltagsstress. Stattdessen … autofreier Sonntag und Bicycity….
Autofreier Sonntag
Es wird nämlich einen autofreien Sonntag am 11. Mai geben: Zwar soll diese Regelung im Gegensatz zum autofreien Sonntag im September nur im „Pentagone“ – also innerhalb des „kleinen Stadtrings“ gelten, aber sie sorgt für Unmut von allen Seiten. Die Regelung wird es sicherlich vielen Familien und Müttern im Zentrum erschweren, sich mit dem Auto zu besuchen, oder zu einem Besuch abzuholen - ärgerlich für ältere oder weniger bewegliche Menschen, für Familien mit kleinen Kindern.
Verärgerte Autofahrer drohen damit, für die autofreien Sonntage ihre Steuern zurückzufordern, da sie ja nicht fahren dürfen. Routinierte Fahrradfahrer beschweren sich über zusätzliche Gefahren durch rücksichtslose oder einfach zu unerfahrene Radfahrer. Umweltaktivisten befürchten erhöhte Luftverschmutzung im Umland, da viele zuerst mit dem Auto anreisen, um dann im Zentrum Fahrrad zu fahren. Je mehr man sich mit dem Thema befasst, desto mehr Beschwerdepunkte kann man finden.
Und dazu noch am 18. Mai Sternfahrten um/in Brüssel (www.bicycity.be) – sogar auf Autobahnen, die aber nicht geschlossen werden. Da wird sicherlich auch der ein oder andere Autofahrer langsamer ans Ziel kommen.
Das Terrorrisiko ist eingeschränkt
Wer also nicht mitmachen kann oder will und unterwegs sein muss, kann ja stattdessen einfach mit der STIB oder der Bahn fahren. Hm, die sind ja sowieso … oft eng, oft schmutzig, und gerade an solchen Tagen noch mehr. (Immerhin bieten die Metrostationen ein abwechslungsreiches Musikprogramm, und auch die meisten Mülleimer sind nach dem geringer eingestuften Terrorrisiko wieder verfügbar.) Auch beim Gare Central machen die ständigen Renovierungsarbeiten immer wieder Hoffnung, dass dieser Schandfleck des öffentlichen Verkehrs der Europahauptstadt (ja, das Wort darf in diesem Artikel nicht fehlen) irgendwann einmal einfach ein fahrgastfreundlicher Bereich wird.
Eigentlich geht es also statt um Frühlingsanfang und Feiertage schließlich doch wieder um Politik und um fehlende öffentliche Gelder.
Aber mal ganz ehrlich, Ihr Einwohner von Brüssel: In welcher Großstadt gibt es keine nervigen Staus? Oder genug Parkplätze? Oder keine verkehrsbeeinträchtigenden Sonderveranstaltungen? Haben andere Städte wirklich bessere öffentliche Transportmittel? Wie weit komme ich in Stuttgart oder Hamburg mit einem Fahrpreis von 1,10 Euro? Wo fahren Kinder bis 10 Jahren mit nachgewiesenem Wohnort in einer Brüsseler Gemeinde im ganzen Netz kostenlos? Entspannt Euch, Ihr Brüsseler und Belgier – genießt den Frühling und La Fête de l'Iris.






