Sie genießt den Ruf, die am besten geschützte Minderheit in Europa, ja sogar weltweit zu sein, die Deutschsprachige Gemeinschaft im Osten Belgiens, konzentriert um die Städte Eupen und St. Vith. Seit nunmehr 25 Jahren verfügt sie sogar über ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung.
Die deutschsprachigen Belgier verdanken ihre Autonomie dem ewigen Streit zwischen Flamen und Wallonen über Zuständigkeiten in dem sehr pluralistisch anmutenden Staat. Es gibt drei offizielle Landesprachen. Was wo offiziell gesprochen wird und somit auch die Sprache der Verwaltung ist, bestimmen die Sprachgrenzen. Sie teilen das Land in die flämische Nordregion, in die wallonische Südregion und schaffen auch einen Sprachraum im Osten des Landes für die Deutschsprachigen. Nur Brüssel blieb offiziell zweisprachig. Das alles trug nach dem Krieg im Laufe der Jahre und ausgehend von einem eigentlich unitaristischen Charakter Belgiens immer mehr zu Spannungen zwischen den sogenannten Sprachgemeinschaften bei.
1984 war es dann soweit, dass eine föderale Verfassung eingeführt wurde, die nicht nur den Regionen, sondern auch den Sprachengemeinschaften ein Mitspracherecht in allen Angelegenheiten des Gesamtstaates gab. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft bedeutete dies einen ersten Schritt hin zur Autonomie in der Region Wallonien, zu der sie gehört. Und diese Autonomie ist von allen Verantwortlichen in allen politischen Parteien der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterstützt und gepflegt worden mit dem Ziel, noch mehr Selbstständigkeit auf allen Gebieten zu erhalten – von der Raumordnung bis zur Arbeitsmarktpolitik und noch mehr.
Lautstarke Diskussion
Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz hat es bei der lautstarken Diskussion zwischen Walen und Flamen nicht leicht, sich Gehör für die Belange der etwas mehr als 70.000 Deutschsprachigen Belgier zu verschaffen. Sein von ihm gern zitierter Vergleich mit dem Triangelspieler im großen belgischen Orchester ist mehr als überzeugend. Wenn der nicht zur richtigen Zeit sein „Ping“ macht, dann war das ganze Musikstück fehlerhaft konzertiert.
Bis zum nächsten „Ping“ muss der Eupener MP allerdings noch warten. Das wird nicht vor den anstehenden Regionalwahlen (und Europawahlen am 7. Juni) erwartet, sondern vielleicht erst gegen Ende dieses Jahres, wie Lambertz dem Luxemburger Wort in einem Interview sagte. Erst dann gibt es wieder Zeit, sich um mehr regionale Befugnisse in Nord und Süd, sprich um die Staatsreform, zu kümmern. Dann ist auch Eupen wieder mit dabei.