03. September 2010

Frisch frittiert

Bart De Wevers Partei NVA, die als größte flämische Partei bei den letzten Wahlen abgeschnitten hat und auch im föderalen Parlament die größte Fraktion stellt, leidet an Mitarbeitermangel. Unter dem Spruch „Schaffe zusammen mit der NVA ein starkes Flandern“ werden jetzt bis zu 84 Mitarbeiter per Zeitungsanzeigen gesucht. Normalerweise sind solche Jobs in Belgien sehr ertragreich. Es wird allerdings auch vorausgesetzt, dass man voll und ganz mit der Ideologie der Partei übereinstimmt.

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Weißer Rauch über dem EGZ

Ein neuer Pfarrer für die Brüsseler Evangelische Gemeinde

Von Egon C. Heinrich

Quasi weißer Rauch ist am letzten Sonntag vom Evangelischen Gemeindezentrum (EGZ) an der Avenue Salomé in Woluwe aufgestiegen: die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Brüssel hat ihren neuen Pfarrer gewählt. Es ist der 59jährige Reinhard Weißer aus der Landeskirche Württemberg. Dort ist er seit neun Jahren geschäftsführender Pfarrer in der Kleinstadt Beilstein in der Nähe von Heilbronn, wo er zuvor längere Zeit ein Pfarramt geleitet hatte.

Pfarrer Weißer wurde in Eschborn am Rande des Schwarzwalds geboren und wuchs in einer christlichen Familie auf. In Tübingen, im nordenglischen Newcastle upon Tyne und in Göttingen studierte er Theologie und Anglistik. Zu seinem theologischen Profil sagt Weißer, dass er sich in der progressiven „Offenen Kirche“, in der Ökumene und im interreligiösen Dialog sehr stark engagiert habe. Aus seiner Predigt zum Brief des Paulus an die Kolosser bleibt in Erinnerung, dass Weißer die Christen neben den Juden als das von Gott auserwählte Volk ansieht und dass er die Liebe als das Band der Vollkommenheit bezeichnet.

Eine langwierige und zum Teil auch kontroverse Auswahlprozedur war der Wahl des neuen evangelischen Pfarrers vorausgegangen. Abstimmungen mit der EKD-Zentrale in Hannover waren zuvor nötig. Schließlich waren eine Pfarrerin aus Nordniedersachsen, ein Pfarrer aus Hessen und der Schwabe Weißer in die engere Wahl gekommen. Alle drei präsentierten sich der Brüsseler Gemeinde in getrennten Vorstellungsgottesdiensten.

 

Schwache Wahlbeteiligung, schade

Bei der Wahl setzte sich dann Pfarrer Weißer mit 148 von 236 abgegebenen Stimmen eindeutig durch. Allerdings hatte sich nur rund ein Viertel der 965 stimmberechtigten Gemeindemitglieder an der Wahl beteiligt. Bei früheren Pfarrerwahlen hatte die Beteiligung bei etwa einem Drittel gelegen.

Von den drei Kandidaten entspricht Pfarrer Weißer wohl am ehesten dem theologischen Profil, der soziologischen Struktur und den Erwartungen und Ansprüchen der Brüsseler Gemeinde. Ehefrau Ulrike, die ebenfalls evangelische Pfarrerin ist, wurde bei der Wahl als „Bonus“ wahrgenommen. Sie wird nicht die bestehende halbe Pfarrstelle übernehmen, aber ihren Mann doch mit ihrer Erfahrung unterstützen. Beide strahlen Wärme und Vertrauen aus, mögen Musik und musizieren selbst.

Sie sprechen übrigens auch ein verständliches Hochdeutsch, was für echte Schwaben durchaus nicht immer selbstverständlich ist. Bevor sie nach Brüssel kommen, werden die Weißers allerdings noch im Schnellgang ihre Sprachkenntnisse in Französisch auffrischen müssen. Wahrscheinlich wird der neue Pfarrer erst nach den Sommerferien seine Stelle in Brüssel antreten.

 



Ein Posten als Auslandspfarrer war der lang gehegte Wunsch von Pfarrer Weißer und seiner Frau. Ihre fünf erwachsenen Kinder freuen sich schon darauf, die Eltern in Brüssel besuchen zu können. Nach seiner Wahl sagte Pfarrer Weißer gegenüber Belgieninfo: "Ich freue mich über das große Vertrauen, das mir geschenkt wurde. Ich werde mich gerne nach Kräften und mit Gottes Hilfe für die ganze Gemeinde einsetzen".

Der noch amtierende evangelische Pfarrer Joachim G. Cierpka wird am 11. Juli seinen letzten Gottesdienst zelebrieren. Am 4. Juli wird er dann im EGZ feierlich verabschiedet.

Erstellt oder aktualisiert am 13. Mai 2010.

 
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