12. März 2010

Frisch frittiert

Es war zu erwarten, aber es ist bitter: Belgien hat keine einzige Medaille bei den Olympischen Spielen ergattern können. Der Eisschnellläufer Bart Veldkamp, Bronze über 5000 Meter in Nagano 1998, ist der letzte belgische Edelmetallträger. Seppe Smits, Snowboarder, konnte diesmal nicht antreten – auf ihm liegen nun alle Hoffnungen, dass Belgien in Sotschi besser abschneidet als in Vancouver.

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„Klimakriege“ sind unausweichlich

Ein neuer Blick auf aktuelle Probleme bei Goethe

Von Marion Schmitz-Reiners

Der Klimawandel erzeugt in der ganzen Welt neue Konfliktquellen. Gibt es dennoch Möglichkeiten, den Zug noch anzuhalten? Mit dieser Frage beschäftigten sich auf Einladung des Goethe-Instituts im Antwerpener Zuiderpershuis der deutsche Sozialpsychologe und Buchautor Harald Welzer und Jamie Shea, Leiter der Politischen Planungseinheit im Büro des NATO-Generalsekretärs.

Das Goethe-Institut hatte ins Antwerpener Zuiderpershuis geladen, und 250 Menschen kamen. Das Thema der Podiumsdiskussion lautete „Wird der Klimawandel zu Kriegen führen?“ Harald Welzer, Autor u.a. der Bücher „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“ und „Der Untergang der Welt, wie wir sie kennen“, und der NATO-Stratege Jamie Shea entwickelten ein dramatisches Szenario.

Neue Konfliktquellen

In den letzten Jahren seien weltweit zwei neue Quellen der Gewalt aufgetaucht, so Harald Welzer. Die eine sei die klimabedingte Verknappung von Wasser und Nahrung in großen Teilen der Welt, wodurch die Gefahr direkter Konflikte zunehme: „Wenn die Lebensumstände schwierig werden, steigt die Gewaltbereitschaft.“ Als Beispiele führte Welzer den Dafur-Konflikt im Sudan, aber auch das Wegbrechen aller sozialen Kontrollmechanismen nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans an. Eine zweite Gewaltquelle sei die weltweite Migration, die zu Konflikten in den Heimatländern der Migranten, den Durchgangsländern und den Zielländern führe, die sich zunehmend abschotten würden. UN-Organisationen prognostizierten 150 Millionen Umweltflüchtlinge in den nächsten Jahren, von denen die meisten sich nach Europa aufmachen würden.

Bewaffnete Kriege und anschwellende Flüchtlingsströme: Überraschen sie uns wirklich? Ja, meint Harald Welzer. Bereits vor 30 Jahren habe es Prognosen über einen Klimawandel und seine Folgen gegeben, „aber das Thema ist so abstrakt, dass man sich im Grunde nichts darunter vorstellen kann. Desaster werden erst wahrgenommen, wenn das Universum der Normalität kollabiert.“ Es sei nun einmal kaum möglich, über etwas zu diskutieren, was man nicht kennt. Und die Korrelation zwischen Klimawandel und Gewalt sei noch überhaupt nicht untersucht worden.

„Radikales Umdenken“

Ein radikales Umdenken sei das Gebot der Stunde. „Elektroautos sind schön und gut, aber wir müssen ganz neu über Mobilität nachdenken.“ Vor allem die Politiker seien auf den Erhalt des Status quo bedacht. „Nehmen wir nur die Kopenhagener Klimakonferenz. Solche Veranstaltungen sind völlig überflüssig. Denn sie haben etwas von einem Mikadospiel: Der erste, der sich bewegt, verliert.“

Dennoch wirkt Welzer durchaus optimistisch. Die Alternative zu „Großraumgeschichten à la Kopenhagen“ seien private, regionale, nationale und bilaterale Projekte. Als Beispiele führt er das Desertec-Konzept an, die Versorgung Europas mit Sonnenstrom aus Afrika. Die Zivilgesellschaft ist für ihn das Korrektiv der offiziellen politischen Szene. „Wenn wir auf Ebene 1 nicht effizient sind, wie können wir dann auf Ebene 2 und 3 effizient sein? Wir müssen nicht darauf warten, dass 192 Staaten sich bewegen, wir können sofort anfangen.“

Terrorismusgefahr steigt

Auch für Jamie Shea ist der Klimawechsel eine globale Sicherheitsbedrohung. In Bangladesh seien 70 Millionen Menschen, in Vietnam 22 Millionen und im Nildelta 6 Millionen Menschen vom Ansteigen des Seespiegels bedroht. Länder wie die Republik Malediven würden von der Landkarte verschwinden, „wobei sich allerdings die Frage erheben würde, ob es diese Länder dann noch gibt...“ Ein deutlicher Verweis auf Palästina. Andererseits sind Ende des Jahrhunderts vermutlich 30 Prozent der kontinentalen Weltoberfläche wegen Trockenheit unfruchtbar. „Der Klimawandel ist die Mutter aller Bedrohungen.“

Shea sieht drei strategische Konsequenzen des Klimawandels. Die erste ist ein tief greifender Strukturwandel von Öl und Gas produzierenden Ländern wie Russland, Saudi-Arabien und Venezuela, der kaum ohne Konflikte einhergehen wird. Die zweite ist eine Zunahme der Kernenergieproduktion mitsamt der Gefahr, dass die Plutoniumindustrie zu kriegerischen Zwecken missbraucht werden könne. Und die dritte, dass die Kluft zwischen Arm und Reich ins Unermessliche wächst und arme Länder ihr Heil zunehmend in terroristischen Gewaltakten suchten.

Rolle der NATO

Weniger überzeugend als beim Darlegen der Fakten ist Shea, als er die künftige Rolle der NATO vor diesem Hintergrund skizziert. Sie könne mehr als bisher Friedenstruppen stellen, wie sie es bereits in Pakistan und nach dem Tsunami in Thailand tat, sie könne eine diplomatische Rolle zwischen EU und UN spielen und sie könne selbst weniger Sprit verbrauchen: Zurzeit tanken die NATO-Flugzeuge weltweit jährlich 250 Milliarden Liter Kerosin. Das alternative Publikum im Zuiderpershuis reagiert kritisch. Die NATO als Friedenstruppe kann man sich dort nicht gut vorstellen.

Dennoch wird den Referenten lang anhaltender Beifall zuteil. Vor allem Harald Welzer hat die Herzen des Publikums erobert. „Wir wollen wieder mehr bilateral arbeiten, mehr ins Land hineingehen, mit deutscher Sprache und Kultur Freunde gewinnen“, hatte der neue Goethe-Institut-Leiter Dr. Berthold Franke gesagt. Mit Welzer hat er den richtigen Mann zum richtigen Ort eingeladen.

Die Podiumsdiskussion wurde in Zusammenarbeit der Zeitschrift MO* Mondial News organisiert. Auf der Website steht auch ein Videofilm über die Podiumsdiskussion.

Erstellt oder aktualisiert am 07. Februar 2010.

 
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