11. März 2010

Frisch frittiert

Es war zu erwarten, aber es ist bitter: Belgien hat keine einzige Medaille bei den Olympischen Spielen ergattern können. Der Eisschnellläufer Bart Veldkamp, Bronze über 5000 Meter in Nagano 1998, ist der letzte belgische Edelmetallträger. Seppe Smits, Snowboarder, konnte diesmal nicht antreten – auf ihm liegen nun alle Hoffnungen, dass Belgien in Sotschi besser abschneidet als in Vancouver.

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Ein Wunder der Restaurierung

Vier Wandteppiche nach 350 Jahren wieder in Belgien

Von Egon C. Heinrich

„Kriegerische Tumulte an der marokkanischen Küste“ ist der Titel einer ganz besonderen Ausstellung im Musée du Cinquantenaire. Bis zum 14. März können die Kunstfreunde dort vier historisch und kunstgeschichtlich äußerst wertvolle Wandteppiche bewundern. Sie werden aus Anlass der spanischen EU-Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 2010 gezeigt. Die je 4 mal 11 Meter großen Stücke stammen aus dem Kirchlichen Museum des spanischen Städtchens Pastrana, eine Autostunde von Madrid entfernt.

Diese einmaligen Wandteppiche zeigen die Belagerung und Eroberung der marokkanischen Küstenstädte Arzila (Asilah) und Tanger durch den portugiesischen König Alfons V. (1432-1481) zwischen dem 20. und 28. August 1471. Portugal zählte in dieser Epoche neben Spanien und England zu den größten See- und Weltmächten. Alfons V. benötigte einen Stützpunkt am südlichen Mittelmeer für seine Expeditionen entlang der afrikanischen Küste. Mit 400 Schiffen und rund 30 000 Soldaten war er an der nordafrikanischen Küste gelandet. Stürmische See fügte den Portugiesen allerdings große Verluste zu, hinderte sie aber nicht an der Eroberung der beiden Städte.

 

Ein guter Kunde

Die aus Wolle und Seide gefertigten Teppiche sind eine Art bildliche Darstellung des Schlachtverlaufs. Wahrscheinlich wurden sie von Alfons V. selbst oder von seinem Hof in Auftrag gegeben. Auch der Herstellungsort steht nicht mit Sicherheit fest. Alles deutet jedoch darauf hin, dass sie Ende des 15. Jahrhundert in dem für diese Arbeiten führenden Atelier der Weber Passchier Grenier in Tournai gefertigt wurden. Denn die Tante von Alfons V., Isabella von Portugal, war mit dem Herzog von Burgund, Philippe le Bon, verheiratet. Der Hof von Burgund war ein guter Kunde der Weber in Tournai.

Nach verschiedenen Umwegen wurden die Teppiche 1667 der Kirche von Pastrana vermacht. Dort wurden sie bis 1939 zur Dekoration des Ortes bei den österlichen Prozessionen öffentlich ausgestellt. Das Schattendasein von rund 350 Jahren in den Mauern des Kirchlichen Museums hat den Teppichen naturgemäß nicht gut getan. Sie waren zuletzt völlig von Motten zerfressen und wiesen viele Löcher auf.

Die spanische Stiftung Carlos de Amberes hat sich die Förderung des kulturellen Austausches zwischen Spanien und seinen früheren 17 Provinzen in den Niederlanden zur Aufgabe gemacht. Sie hat die Initiative zur Restaurierung und Konservierung der vier Teppiche ergriffen. Mit dieser diffizilen Arbeit wurde die Königliche Manufaktur De Wit in Malines betraut. Dort arbeiteten acht Spezialistenwährend des ganzen Jahres 2009 an dieser Aufgabe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Firmenchef De Wit konnte bei der feierlichen Ausstellungseröffnung viel Lob erfahren. Es wurde immer wieder von einem „Wunder der Restaurierung“ gesprochen.

 

Brüssel, Toledo, Madrid

Finanziert wurde die Restaurierung von dem belgischen Fonds InBev-Baillet Latour (früherer Eigentümer von Stella Artois), von der Bank Caja de Madrid und von der spanischen Provinz Guadalajara. Von Brüssel aus gehen die Teppiche zu Ausstellungen nach Toledo und Madrid.

Unter kunsthistorischen Aspekten ist auffällig, dass die Teppiche fast völlig ausgefüllt sind mit der Darstellung von Gebäuden, Schiffen, des Königs und seiner Soldateska; Himmel und Landschaft sind kaum zu sehen. Die Gebäude zeigen europäische Architektur. Realistisch wiedergegeben sind aber die Rüstungen und Waffen der Soldaten sowie der König auf seinem Pferd und in Prunkgewändern. Insofern sind die Schaustücke eine Fundgrube für Historiker und Kunsthistoriker.

 

Foto: (c) Paul M.R. Maeyaert

Erstellt oder aktualisiert am 24. Januar 2010.

 
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