18. März 2010

Frisch frittiert

Steuern, Arbeitsrecht, die belgischen Sprachprobleme können deutsche oder österreichische Investoren durchaus abschrecken, in Belgien Geld einzusetzen. Einem unsere Leser scheinen diese Themen zweitrangig zu erscheinen. „Könnten Sie mich bitte informieren, wie hoch die Telefongebühren von Belgien nach Deutschland zur normalen Geschäftszeit sind, da ich - wenn auch bisher noch vage - die Idee habe, mich in Belgien niederzulassen?“ fragt er. Wer schlägt einen Pfad durch den Anbieter-Dschungel? Was für ein Glück, dass es Skype gibt, guter Mann.

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Staub, Glück und Gewusel

Alles für Kinder: das Spielzeugmuseum in Brüssel

Von Silke Grammatikos

Man muss schon genau wissen, wo man hin möchte, wenn man sich auf den Weg zum Spielzeugmuseum macht. Denn besonders kinderfreundlich sieht die Umgebung hier nicht aus: Kaum verlässt man die Metrostation Madou, lärmt der Verkehr des vierspurigen „Kleinen Rings“, dem man ein paar hundert Meter folgen muss.

 

Dann geht es links zu einem kleinen schäbigen Platz, dem Place des Barricades. Viele Häuser stehen leer, die Fenster und Türen sind tatsächlich verbarrikadiert, die Strassen verdreckt. Hat man den Platz überquert und ist der absteigenden Strasse gefolgt, liegt rechts die Rue de l’Association. Und dort befindet sich, allen Erwartungen zum Trotz und von außen unscheinbar, ein Paradies für Kinder und Spielzeugfans jeden Alters.

 

Eine ungeheure Aufhäufung

Ist die schwere Tür einmal aufgestemmt, befindet man sich in einer ungeheuren Anhäufung der unglaublichsten Spielsachen aller erdenklichen Arten. Inmitten des Gewirrs entdeckt man die Kasse, und während der überwältigte Erwachsene noch nach einem Führer, einem Wegweiser oder einem roten Faden sucht, fühlen sich die Kinder in dem staubigen Wirrwarr aus alten Puppen, Teddybären, unzähligen Spielzeugautos und unvorstellbarem Krimskrams aller Art pudelwohl und entdecken in jeder Ecke neue Schätze.

Ziemlich bald erkennt man, dass es keinen roten Faden gibt. Das ist aber auch nicht so wichtig, jeder einzelne Raum eröffnet neue Welten bisher nicht gesehener oder aber längst vergessener, oft aber auch alt bekannter Spielsachen: Die Sammlung umfasst Spielzeug vom Jahre 1860 bis heute. In einem der vielen Räume auf mehreren Etagen des alten Herrenhauses wimmelt es von Puppen, ein anderer quillt über vor altem Blechkram, auf einem riesigen Tisch fährt manchmal eine Eisenbahn durch die verstaubte Landschaft, in einem Raum ist ein mindestens hundert Jahre altes Klassenzimmer aufgebaut, wieder ein Raum beherbergt Marionetten- und Puppentheater; dort finden im Winter regelmäßig kleine Vorführungen statt.

 

Zum Ausprobieren

 

Und immer gibt es Sachen, die man in die Hand nehmen und ausprobieren kann – was nicht nur in den Räumen mit fahrbaren Geräten für einen erheblichen Lärmpegel sorgt.

Der gute Geist und große Sammler, der hinter der ganzen Sache steht, lässt sich davon nicht stören. Im Gegenteil, als wahrer Homo ludens scheint er sich über das Gewusel zu freuen und werkelt selber immer wieder an irgendeinem Teil herum (ein Blick in die Werkstatt lohnt sich allemal). Auch ist er sehr kommunikativ – und das in vielen Sprachen, unter anderem auch auf Deutsch - und erklärt bereitwillig seine Errungenschaften. Gerne stellt er seine Sammlung aufziehbarer Blechspielzeuge einem kleinen Publikum vor und begeistert sich dabei auch selbst offensichtlich immer wieder.

Dass man am Ende, nach etwa 30 überfüllten Spielzimmern, am Ausgang Kleinigkeiten erwerben kann, freut die Kinder sehr, die dort ganz sicher ein Lieblingsteil aus der Ausstellung wiederentdecken.

Musée du Jouet
Rue de l’Association 24
1000 Bruxelles
Täglich von 10.00 - 12.00 und 14.00 – 18.00 Uhr

Erstellt oder aktualisiert am 25. November 2009.

 
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