Ein 14jähriges Mädchen kommt von einem Schülergeburtstag nach Hause. Sie ist total betrunken. «Wie schrecklich», ist man sofort geneigt zu sagen. Und doch ist so ein Ereignis nicht ungewöhnlich. Nach Umfrage der SIPES (Service d'information en promotion de la santé/ULB) trinken Kinder zwischen 9 und 14 Jahren mindestens einmal in der Woche Alkohol.
Sind es bei Mädchen 24 Prozent, die Alkohol regelmäßig konsumieren, so sind es bei den 15jährigen Jungen schon 39 Prozent und bei den 18–20jährigen 60 Prozent, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken. Die Gefahr liegt hier in der Regelmäßigkeit. Einmal pro Woche und das über längere Zeit, vielleicht sogar über Jahre, da können gesundheitliche Schäden entstehen. Auch die Suchtgefahr ist groß.
Aus diesen Gründen startet die Provinz Brabant-Wallon eine Kampagne zur Vorbeugung von übermäßigem Alkoholverbrauch. Jedoch ist man weit davon entfernt, mit erhobenem Finger auf die Jugendlichen zu zeigen, vielmehr möchte man ein Tabu brechen und miteinander reden. Denn die Jugendlichen sind sich nicht der Gefahr bewusst, die der Alkoholkonsum mit sich bringen kann.
Über Grenzen sprechen
Françoise-Florence Michel, Abgeordnete für Gesundheit der Provinz BW, fasst es so zusammen: «Anfänglich ist für die Jugendlichen alles neu, der Alkohol stimuliert, sie fühlen sich befreit, beflügelt, werden stark. Aber auf Dauer kann die Reaktion auf Alkohol ganz anders sein. Statt euphorisch zu werden, wird man traurig, depressiv oder unerwartet aggressiv. Die Jugendlichen kennen ja ihre Grenzen beim Alkoholverbrauch noch nicht. Sie wissen nicht, wie verschieden die Auswirkungen sein können.
Daher wollen wir uns mit ihnen zusammensetzen, wollen Tabus brechen und frei darüber sprechen, was für Probleme regelmäßiger Alkoholkonsum in so jungen Jahren mit sich bringen kann. Wir wollen erfahren, warum sie trinken, wie häufig und wie sie sich dabei fühlen. Und wie sie sich hinterher fühlen, wenn der Rausch vorbei ist... Und dann mit ihnen gemeinsam lernen, Grenzen zu erkennen. Wie viel Alkohol kann mein Körper ertragen?».
Die Kampagne möchte die Jugendlichen zum Sprechen ermutigen. Es gibt eine Internet Seite, die AMO Tubize, an die sich Jugendliche wenden und dabei dennoch anonym bleiben können. Bis zum 27. November und vom 4. bis zum 17. Januar soll auf den TEC Bussen und innerhalb dieser Busse Spruchbänder aufgeklebt werden mit der Botschaft «L'alcool, c'est pas interdit d'en parler» (Es ist nicht verboten, über Alkohol zu sprechen.) Und vom 1. bis 7. Dezember hängen sie auch in den Bahnhöfen aus.
Unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 99 460 können die Jugendlichen alle Fragen stellen, die sie zum Thema Alkohol haben. Allein dass sie darüber sprechen können, kann schließlich auch zum Nachdenken anregen: «Warum trinke ich eigentlich? Oder, warum trinke ich eigentlich so viel? Und wie geht es meiner Gesundheit dabei»?












