20. März 2010

Frisch frittiert

Steuern, Arbeitsrecht, die belgischen Sprachprobleme können deutsche oder österreichische Investoren durchaus abschrecken, in Belgien Geld einzusetzen. Einem unsere Leser scheinen diese Themen zweitrangig zu erscheinen. „Könnten Sie mich bitte informieren, wie hoch die Telefongebühren von Belgien nach Deutschland zur normalen Geschäftszeit sind, da ich - wenn auch bisher noch vage - die Idee habe, mich in Belgien niederzulassen?“ fragt er. Wer schlägt einen Pfad durch den Anbieter-Dschungel? Was für ein Glück, dass es Skype gibt, guter Mann.

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Manneken Pis rettete die belagerte Stadt

Brüssel und sein Lieblingskind

Von Sibylle Schavoir

Wer kennt noch nicht Manneken Pis und seine Geschichte? Der kleine freche Junge, der so ungeniert einem menschlichen Bedürfnis nachgeht und damit die Herzen der Bewohner Brüssels eroberte, ist inzwischen zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Und er steht seit langem unter Denkmalschutz. Das war auch dringend nötig, denn sehr oft wurde er früher geraubt, verschleppt und zum Glück dann auch immer wieder reumütig zurückgetragen. Damit ist es nun endgültig vorbei und doch ranken sich weiter Geschichten und Mären um den kleinen Kerl.

1619 hat es der Bildhauer Jerôme Duquesnoy zum Leben erweckt und doch erzählt eine Mär, dass Manneken Pis schon zu jener Zeit einen Vorgänger hatte, dessen Geburtsstunde sich im Nebel der Geschichte verlor. Die Mär erzählt, dass ein kleiner Junge die belagerte Stadt Brüssel rettete, indem er eine das Munitionsdepot gefährdende Fackel auf die natürlichste Weise löschte.

Zuchthaus und Pranger

 

Kein Wunder, dass die alten Brüsseler harte Strafen erwarteten, wenn einer es wagte, ihrem Lieblingskind etwas anzutun. So wurde der Anstreicher André Licas, der 1817 die Bronzestatue nicht nur stahl, sondern auch beschädigte, zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er musste eine Stunde an den Pranger und wurde an der linken Schulter gebrandmarkt.

Als Soldaten von König Ludwig XV. ihn stahlen und in einer Kneipe stehen ließen, entschuldigte sich der Nachfolger des Sonnenkönigs mit einem königlichen Präsent: eine Kinderkleidung aus Goldbrokat. Heute besitzt Manneken Pis eine Garderobe wie eine Diva.

 

Weltweiter Ruhm


Kopien der kleinen Statue in Rio de Janeiro, in Japan und in Wien zeugen von seiner weltweiten Berühmtheit und Beliebtheit. In der Bundesrepublik gibt es ihn in fünf Städten: Düsseldorf, München, Hamburg, Ludwigshafen und Koblenz. Hongkong produziert laufend Porzellan Mannekens, die von Touristen aus aller Welt in den Souvenirläden der Grand' Place gekauft werden. Sollten die Anhänger vom Manneken nicht auch wissen, dass der kleine Junge, oder sein Vorgänger, die Stadt Brüssel vor einem großen Brand gerettet hat? Zu dieser Mär werden sicher noch andere hinzukommen, denn wer weiß, was der kleine Kerl sonst noch auf dem Kerbholz hat?

Erstellt oder aktualisiert am 28. Juni 2009.

 
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