14. März 2010

Frisch frittiert

Es war zu erwarten, aber es ist bitter: Belgien hat keine einzige Medaille bei den Olympischen Spielen ergattern können. Der Eisschnellläufer Bart Veldkamp, Bronze über 5000 Meter in Nagano 1998, ist der letzte belgische Edelmetallträger. Seppe Smits, Snowboarder, konnte diesmal nicht antreten – auf ihm liegen nun alle Hoffnungen, dass Belgien in Sotschi besser abschneidet als in Vancouver.

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Geniestreich in der Kathedrale

Altargemälde-Ausstellung „Reunion“ in Antwerpen

Von Marion Schmitz-Reiners

Rubensrot. Das Wort ergreift unweigerlich Besitz von einem, wenn man dieser Tage die Antwerpener Liebfrauenkathedrale betritt. Das ganze Kirchenschiff ist in den Widerschein langer, tiefroter Stoffbahnen getaucht, die hinter 16 monumentalen Altargemälden aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgespannt sind. Acht davon kehrten für die Ausstellung „Reunion“ ausnahmsweise an den Ort zurück, für den sie gemalt wurden. Eine Spitzen-Expo dieses Sommers.

Acht der Altarstücke gehören der Kathedrale, die übrigen kommen aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen (KMSKA). Aber auch letztere waren eigentlich für die Kathedrale gemalt worden – von Meistern wie Quinten Metsijs, Frans Floris oder Peter Paul Rubens. Mit der Eroberung Antwerpens durch Napoleon wurden sie nach Paris gebracht. 1815 kehrten sie zurück – allerdings nicht mehr in die Kathedrale, sondern ins Museum.

Denn die rund 40 Altäre der Gilden, Zünfte und Bruderschaften, die einst am Fuß der Säulen des größten gotischen Gotteshaus der Niederlande und Belgiens standen, waren Anfang des 19. Jahrhunderts schon lange verschwunden. Sie hatten der Schreiner- oder der Gärtnerzunft, der Gilde der Weinhändler oder der der Fischhändler gehört. Die Gewerbe hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, um ihre Macht und ihren Einfluss zu demonstrieren. Bei vielen der Altarstücke handelte es sich dann auch um dreiflügelige Gemälde, um Triptychen.

Spitzenausstellung des Sommers


Dass die monumentalen Werke nun in die Kathedrale zurückgekehrt sind, das liegt einerseits am 450. Gründungsjubiläum des Bistums Antwerpen und andererseits an der bevorstehenden Schließung des KMSKA, das ab 2010 gründlich renoviert werden soll. Es lag für das Museum auf der Hand, die großen Altargemälde der Kathedrale auszuleihen. Dass eine der schönsten Ausstellungen dieses Sommers in Belgien dabei herausgekommen ist, das ist ein extra Geschenk für alle Besucher Antwerpens.

Schon beim Betreten der Kathedrale stockt einem beinahe der Atem vor so viel Schönheit. Die Gemälde sind rechts und links des Mittelschiffs an riesigen, einer Staffelei nachempfundenen Gestellen befestigt, von denen rote Stoffbahnen bis zum Boden fließen. Die Gemälde sind, wie früher, den Besuchern zugewandt, die sich vom Hauptportal aus dem Hochaltar nähern. Am Fuß jeder stählernen „Staffelei“ befindet sich eine rechteckige, schlichte Umzäunung. Sie erinnern an die ehemaligen Altarschranken und verleihen den festlich angestrahlten Gemälden eine zusätzliche vornehme Note. Dem Ausstellungsarchitekten Koen Van Synghel ist zweifellos ein Geniestreich gelungen.

Demut und Pracht

Selbst die Menschen des 16. und 17. Jahrhunderts kamen nur selten in den Genuss einer solchen Pracht. Denn nur an hohen Feiertagen wurden die Triptychen aufgeklappt; ansonsten sah man die schwarzweißen und ockerfarbenen Rückseiten der Flügel. Immer wieder eröffnen sich den Menschen, die heute durch das Gotteshaus wandern, verblüffende Perspektiven. So erscheint unter gotischen Spitzbögen direkt hinter einer Kreuzabnahme von Quinten Metsijs (Beginn 16. Jahrhundert) eine Kreuzabnahme von Rubens, die 100 Jahre später entstand: so vergeistigt und inbrünstig die erste, so schwung- und prachtvoll die zweite. Die mittelalterliche Demut war in der Zwischenzeit auf der Strecke geblieben.

Sehr gelungen auch der Audioführer (den es auf Deutsch gibt), in dem die Stifter der Gemälde und die Künstler selbst zu Wort kommen. Und vergessen Sie nicht, einen Abstecher zum nahen Rockoxhaus zu machen! Dort beleuchtet die kleine, aber feine Ausstellung „Gottesgeschenk“ die Rolle der privaten Mäzene der Kathedrale.

 

Fotos: Ulrich Alexander

Bis 15. November in der Liebfrauenkathedrale Antwerpen.

Mo. - Fr. 10-17 Uhr, Sa. 10-15 Uhr, So. und an Feiertagen 13-16 Uhr.

Eintritt 5 Euro. Für Führungen (auch auf Deutsch): 03-232.01.03.

Erstellt oder aktualisiert am 11. Juni 2009.

 
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