Der Königin-Elisabeth-Wettbewerb in der Kategorie Geige geht in die nächste Runde. In diesem Jahr hatten sich 145 Kandidaten und Kandidatinnen angemeldet, die ihr Können zunächst mit einer DVD vor der wie immer hochrangig besetzten Jury – darunter Igor Oistrakh – unter Beweis stellen mussten. 83 Kandidaten aus 26 Ländern bekamen schließlich eine Einladung zum ersten Vorspielen, das seit Anfang der letzten Woche im Konservatorium stattfand. 76 waren gekommen. Übrigens: die Hälfte ist weiblich – ohne Quote.
Auf dem Programm der ersten Woche standen Pflichtstücke, die jeder absolvieren musste: eine Sonate von Bach, das 1. Violinkonzert von Béla Bartok, drei Capricci von Paganini. Bach und Paganini sind Solostücke, Bartok wird am Klavier begleitet (übrigens exzellent, vor allem von Thomas Hoppe und Tobias Koch, beide deutsche Pianisten). Pro Tag gab es zwei Seancen mit jeweils fünf Kandidaten, eine am Nachtmittag, die andere am Abend. Es ist für Laien einerseits faszinierend, die unterschiedlichen Interpretationen vergleichen zu können und andrerseits ermüdend, die immer gleichen Stücke zu hören.
Am Samstagabend wurde verkündet, wer in der nächsten Woche weiterspielen darf. Mit von der Partie ist die deutsche Geigerin Yuki Manuela Janke. Die Konzerte der 24 Halbfinalisten werden auch wieder nachmittags und abends im Konservatorium stattfinden, diesmal begleitet vom Königlich Wallonischen Kammerorchester unter der Leitung von Paul Goodwin. Vorgeschrieben sind ein Konzert von Mozart, ein Stück von Eugene Isaye – dem Urvater des Wettbewerbs, vier Werke unterschiedlicher Komponisten, darunter eines Romantikers und eines Stückes, das nach 1950 entstanden ist.
Das Pflichtstück
Es wird auch ein Pflichtstück geben: komponiert von dem 1960 geborenen Belgier Claude Ledoux. Das Stück heißt „V…“, und das verheißungsvolle V lässt sich in alle Programmheftsprachen, also Französisch, Niederländisch und Englisch gut übertragen. (Violin, Virtuosity, Voloptuousness, Vibrations, Variations).
Am 16. Mai wird feststehen, wer für eine Woche in die Chapelle Elisabeth einziehen und sich auf das Finale und die Interpretation eines noch völlig unbekannten Werkes, das eigens für den Wettbewerb international ausgeschrieben wurde, konzentrieren kann. Solo versteht sich; Handy-Verbot, kein Kontakt zum Lehrer oder der Lehrerin.
Apropos Lehrer: einige, nicht wenige der Kandidaten haben irgendwie bei den Jury-Mitgliedern Unterricht genommen. Was natürlich – notabene – bei der Schlussbeurteilung der Jury auch immer zu gewissen Unstimmigkeiten führt. Das große Finale mit Orchesterbegleitung findet in der letzten Maiwoche statt. Und am 30. Mai steht dann auch fest, wer der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs ist.
Übertragungen
Es gibt noch Karten und im Konservatorium (also diese und nächste Woche) erhalten unter 26-jährige freien Zutritt, falls genug Plätze frei bleiben. Ansonsten kann man den Wettbewerb über podcast bei Klara oder Musiq3 hören. Musiq3 überträgt das Halbfinale und das Finale direkt, ebenso die Webseite des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs. Bei Klara gibt es während des Halbfinales jeden Abend um 19.10 Uhr eine Zusammenfassung. Das Finale und einige Konzerte der Preisträger, die im Anschluss des Wettbewerbs stattfinden, werden direkt übertragen.
Keine Entschuldigung also, dem großen Musikereignis fernzubleiben.












