Im neuesten Programmheft lobt der Direkter der Brüsseler Oper Peter de Caluwe sein Publikum. Es gehöre zu dem neugierigsten und offensten in einer üblicherweise eher konservativen Musikwelt. Das habe sich auch schon herumgesprochen, bei den Künstlern, bei ausländischen Kritikern und anderen Operhäusern. „Das macht unseren Erfolg aus“, und dafür sei dem Publikum recht herzlich gedankt.
Auch bei der Welturaufführung der Oper „House of the Sleeping Beauties“ des belgischen Komponisten Kris Defoort nach einem Roman des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata konnte sich de Caluwe nicht beklagen. Begeisterter Befall für den Komponisten, den Librettisten und Regisseur Guy Cassiers, ebenfalls Belgier und natürlich für, die Darsteller.
Jugendliebe, Töchter, Mutter
Das Stück dauert kurze anderthalb Stunden ohne Pause und erzählt von drei Nächten, in denen sich Eguschi, die männliche Hauptfigur, in ein Haus begibt, in dem alte Männer die Nacht mit jungen Mädchen verbringen können, die unter dem Einfluss von Drogen schlafen. Jede Berührung ist untersagt. Die Nächte erwecken bei Eguschi Erinnerungen an die Jugendliebe, seine Töchter, seine letzte Liebe und natürlich an die Mutter, die erste Frau im Leben jedes Mannes. Das Bild der Mutter vermischt sich mit dem Bild seines eigenen Todes. Aber er stirbt nicht, wie es der Traum vieler Männer ist, neben einem jungen Mädchen, sondern erwacht neben einem toten.
Kris Defoort, Jahrgang 1959, ist in Brügge geboren und hat Querflöte und alte Musik am Konservatorium in Antwerpen studiert, unter anderem bei Jos van Immerseel. In Lüttich hat er sich danach der zeitgenössischen Musik, der Improvisation und dem Jazz am Klavier zugewendet. Philippe Boesmans, bekannter belgischer Komponist und immer wieder in der Monnaie/Munt zu hören, war einer seiner Lehrer.
Defoorts Musik klingt überaus harmonisch, ein Belcanto unseres Jahrhunderts. Zweiundzwanzig Musiker (Streicher, Bläser, ein Vibraphone, eine Marimba, eine Harfe und ein Klavier, an dem Defoort selber sitzt) spielen - wie es der Komponist selber sagt – zeitgenössische Kammermusik. Auf der Bühne wird nicht nur gesungen: manchmal übernimmt ein Schauspieler den sprechenden Part von Eguschi. Und das Bild der jungen Mädchen wird nicht einfach projiziert, sondern Tänzerinnen stellen sie in einer wunderschönen und hoch akrobatischen Choreographie von Sidi Larbi Cherkaoui dar.
Ein überraschender und guter Opernabend.












