Das Buch ist zerstückelt wie das Foto auf dem Cover: „Brüsseler Pralinen & Europäische Häppchen“ bietet kein einheitliches Konzept. Informationsbeiträge, Kurzgeschichten und Gedichte wechseln sich ab. Mal geht es um Belgien, mal um die EU, mal findet sich der Leser plötzlich im Rheinland wieder. Ein gewolltes Sammelsurium?
Wir entscheiden uns mal für ja. Denn Absicht will man dem Autor gerne unterstellen, der unter einem Pseudonym mit hintergründigem Sinn (in einer der Geschichten erfährt man mehr darüber) sein Werk zusammengestellt hat. Im Brüsseler Dolmetscher-Milieu ist er anzusiedeln, hat starke Verbindungen zum Rheinland, und den gesamten Raum versucht er als europäisches Kerngehäuse dem Leser nahe zu bringen. Meist mit einer gehörigen Portion Humor in seinen Zeilen. Die Geschichten, in denen er aus seinem fiktiven oder realen Alltag erzählt und Lebensgefährtin Natalya auftreten lässt, erinnern in ihrer heiteren Selbstironie an Ephraim Kishon und seine „beste Ehefrau von allen“. Überaus amüsant Europas Politsatire „Gipfelsturm im Wasserglas“, luzide treffend die „Entdeckungstouren auf der Häppchenmeile der Eurolobby“, locker souverän der Überblick „Vom märchenhaften Königreich der Belgier“.
Doch dann auch die Schwächen. Fragezeichen hinterlassen die Kurzgeschichten „Fingerabdruck à la belge“ zu einer Schramme an einem Auto, „Der Apfel, an dem etwas faul war“ über einen Besuch in Nizza nach dem EU-Gipfel, das Gedicht „Andalusische Lichtblicke“, das irgendwie von Schokolade inspiriert sein will. Was soll das? Fragt man sich und fängt an, die nächste Geschichte zu lesen.
Komisches Durcheinander
Und so bildet das Buch den Gegenstand, den es beschreibt, äußerst treffend ab. Ja, Belgien ist ein komisches Durcheinander, ein Gemisch von unterschiedlichen Dingen, deren Strukturen man nicht direkt durchschaut. Die zumindest anders sind, als man es gewohnt ist. Licht wechselt mit Schatten ab, Heiteres mit Ernstem, Verständliches mit Unverständlichem. Oft surreal, häufig liebenswert. Immer für eine Überraschung gut, dieses Belgien – und unseretwegen auch das Rheinland.
Für Deutschsprachige, die in Belgien leben oder aus der Ferne diesem Land ihre Sympathien schenken, sind diese literarischen Pralinen aufgrund ihrer übereinstimmenden Eigenschaften zumindest genauso zu empfehlen wie die cremig-süßen Produkte von Neuhaus, Galler, Corné und Co.: Meistens munden sie vorzüglich. Aber einige eben mehr als andere.
Theo Bromien, Brüsseler Pralinen & Europäische Häppchen. Köstliche Kurzgeschichten und saftige Satiren aus Europas Kerngehäuse, Norderstedt 2008 (Books on Demand), 159 Seiten, 11,90 Euro.













