Ein lesenswertes, in leicht verständlichem Niederländisch geschriebenes Buch über die Geschichte Ostbelgiens hat der junge Antwerpener Historiker Selm Wenselaers in diesen Tagen vorgelegt. Für die offizielle Präsentation war er zu Gast im Haus der DG in Brüssel.
Wenselaers’ Werk umspannt die Periode vom Wiener Kongress, als die Kreise Eupen-Malmedy zu Preußen kamen, über die tragischen Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs, die Staatenwechsel und die damit einhergehende Zerrissenheit der ostbelgischen Bevölkerung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Schaffung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und ihrer politischen Autonomie bis zu markanten politischen Ereignissen der letzten Monate.
Mit dem Titel „De laatste Belgen“ („Die letzten Belgier“) bedient Wenselaers gewiss ein Klischee, das man im Osten Belgiens und der Deutschsprachigen Gemeinschaft nicht mehr unbedingt hören mag. Verkaufsträchtig dürfte der Titel aber durchaus sein. Und wohl in Anlehnung an Roel Jacobs’ großes Brüssel-Buch („Een geschiedenes van Brussel“, Lannoo) hat er seinem Werk den Untertitel gegeben: „Een geschiedenis van de Oostkantons“. Der Leser weiß von Beginn an, dass er nicht die Geschichte der Kantone Eupen-Malmedy-St. Vith in Händen hält, sondern dass der Autor Schwerpunkte setzt und persönliche Sichtweisen wiedergibt, sei es seine eigene oder die von Zeitzeugen.
Atmosphäre vermitteln
Das Werk ist angenehm zu lesen; es ist weder die Arbeit eines knochentrockenen Chronisten noch die eines poetischen Schwadroneurs. Dem Autor gelingt es ausgezeichnet, Atmosphäre zu vermitteln, amüsante und unterhaltsame Anekdoten einzuflechten und narrativ den schwierigen, teils steinigen Weg der deutschsprachigen Belgier bis in die Gegenwart nachzuzeichnen.
Das Buch erscheint zur rechten Zeit. Denn erst vor Kurzem hat der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Karl-Heinz Lambertz, seine Arbeit als einer der königlichen Vermittler zur Vorbereitung der Verhandlungen zwischen Flamen und Frankophonen beendet und damit den Bekanntheitsgrad der Deutschsprachigen in Belgien erhöht. Das Geschichtswerk als Beitrag, um die teils großen Wissenslücken über Ostbelgien aufzufüllen, die es nun mal allenthalben gibt? Gewiss, und dem deutschsprachigen Ministerpräsidenten würde es gefallen, wenn es ins Französische und Deutsche übersetzt würde.
"De laatste Belgen", Selm Wenselaers, Meulenhoff/Manteau, Antwerpen 2008, 197 Seiten.













