Mercedes Benz
06. Januar 2009
Terminkalender


Frisch frittiert

Der belgische Waffenhandel gleicht sich der Weltwirtschaft an: es gibt keine Zuwachsraten mehr, im Gegenteil. 2008 wurden außerdem von der Regierung zwei Exportanträge zugunsten der israelischen Armee abgelehnt. Es gibt sie also noch, die guten Meldungen.

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Bierbrüder nach Terminplan

Bei den Trappisten in Westvleteren

Von Kay Wagner

Endlich nicht mehr besetzt. Irgendwo im fernen Kloster klingelt jetzt das Telefon. Viermal, fünfmal, sechsmal. Keiner geht ran. Ist es unanständig, es um zwei Minuten vor zwölf noch so lange zu versuchen? Der wird doch nicht schon zum Mittagessen gegangen sein. Sieben, acht, neu… Da! Jemand nimmt ab.

 

Ein paar flämische Worte. „Do you speak English?“ Ja, am Samstag möchte ich kommen. Autokennzeichen? Ich gebe es durch. Am anderen Ende wiederholt die Stimme die Buchstaben und Zahlen. „At 15.45.“ Okay, also Viertel vor vier. Nach meiner Meinung werde ich nicht gefragt. Auch nicht nach der Anzahl der Kisten, die ich haben will. Es werden sowieso nur höchstens drei abgegeben.

 

Diskutieren lässt sich das nicht. Denn beim Prozedere rund um ihr Bier sind die Trappistenmönche alles andere als flexibel. Nur in ihrer Abtei selbst, in Sint Sixtus im kleinen westflämischen Ort Westvleteren, ist das von ihnen gebraute Gesöff zu kaufen. Damit sticht das Westvleteren-Bier unter den sowieso schon als besonders geltenden Trappisten-Bieren Belgiens noch mal eigens hervor. Achel, Orval, Chimay, Rochefort und Westmalle in ihren unterschiedlichen Prozentprägungen kann man nämlich überall im Land erstehen. Nur eben das Westvleteren nicht.

 

Ankündigung im Internet

 

Dabei ist der Exklusiv-Verkauf am Brauort keineswegs die einzige Besonderheit. Nicht immer gibt es jede Sorte. Ob das helle Blonde mit 5,8 Prozent Alkohol, das dunkle achtprozentige oder das ebenfalls dunkle 10,2-prozentige Bier zu bekommen ist wird im Internet angekündigt. Die Verkaufszeit beschränkt sich auf ein paar Tage. Und einfach hinfahren ist nicht drin. Man muss sich vorher anmelden. Beim so genannten Biertelefon anrufen, zwischen 9 und 12 Uhr. Möglich ist das auch nur an drei bestimmten Tagen.

 

„Leichtes Spiel“, hatte ich gedacht und mir zwei lange Vormittage die Finger wund getippt, als man mal wieder den Achtprozenter bestellen konnte. Erfolglose Stunden. Doch jetzt sitze ich im Auto, fahre erstmal in einen Stau, und als es wieder zügig vorangeht, ist der eingeplante halbstündige Zeitpuffer bis 15.45 Uhr bereits verbraucht. Jetzt bloß nicht verfahren in der westflämischen Pampa! Aber natürlich passiert es doch, ich verpasse die Abfahrt auf die N8 kurz nach Iper, lande in Poperinge, muss nach dem Weg fragen.

 

Die kleine Warteschlange

 

Aber zum Glück liegt in Belgien ja nichts wirklich weit entfernt. Mit nur wenigen Minuten Verspätung gelange ich vor die Abtei. Rechts geht es zu den Gebäuden, links zum Bierverkauf. Drei Autos stehen als kleine Schlange wartend an der Ausgabe. Ein Mann – der Bierverkaufsbruder – rollt eine Stapelkarre mit drei aufeinander getürmten Kisten an den Kofferraum des ersten Wagens. Leergut wird aus, die neuen Kisten eingeladen, dann geht es zum Bezahlen. Türen zu, Abfahrt. Und schon kommen die nächsten drei Kisten hinaus.

 

„Just one?“, fragt der Mönch erstaunt, als ich an der Reihe bin. Ja, nur eine Kiste. Denn erstens ist der Spaß nicht ganz billig – 30 Euro kosten die 24 Flasche à 0,33 Liter Inhalt – und zweitens weiß ich ja noch gar nicht, wie das Gebräu schmeckt. Auf einer Liste gleicht der Bruder das Nummernschild meines Wagens ab, schnappt sich dann eine der Holzkisten, die noch mal zwölf Euro Pfand ausmacht, stellt sie mir ins Auto. Die Flaschen tragen kein Etikett, nur auf dem Deckel stehen Name und Sorte des seltenen Safts. 

 

Gerade will ich mich wieder auf den Weg nach Brüssel machen, als ich noch die Abtei-Gaststätte entdecke. Dort werden alle Sorten des Westvleteren-Biers gereicht, auch einen Geschenkkarton mit den drei Varianten plus Glas gibt es zu kaufen. Und das alles – fast wäre es ja selbstverständlich – ohne vorherige Vorbestellung.

 

Postscriptum: Lohnt sich die Fahrerei eigentlich? Das ist natürlich Geschmackssache. Und eine Frage des Benzinpreises, denn in öffentlichen Verkehrsmitteln kann man nur schlecht mit drei hölzernen Bierkästen reisen.  Wer Experte in belgischen Bieren werden will, kommt an Westvleteren bestimmt nicht vorbei.

 

(Der Verfasser empfiehlt allen Freunden des Trappistenbieres aus Westvleteren dringend , sich auf der Internetseite des Klosters mit dem Bestellsystem vertraut zu machen. Der Link steht im folgenden Kästchen.)

Erstellt oder aktualisiert am 26. Oktober 2008.

 
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