„Ich bring das Auto in die Garage.“ Garage? Werkstatt! Wer schon länger in Belgien wohnt, lebt mit zwei Erfahrungen: die Wortwahl der deutschsprachigen Belgier ist oft sehr eigenwillig. Außerdem sind belgische Übersetzungen ins Deutsche oft für Deutsche, Österreicher und Schweizer auf Anhieb erst einmal unverständlich. Was ist eine „Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht?“ Ganz einfach: ein e.V., ein eingeschriebener Verein.
In den Ansprachen des Königs kommen immer auch ein paar deutsche Sätze vor. Deutsch, die dritte Amtssprache des belgischen Föderalstaates (im deutschsprachigen Verständnis: des Bundesstaates), wird um Eupen und St. Vith herum gesprochen. Meistens nach moselfränkischer Art, rheinländisch gefärbt oder in lokal entwickelten Dialekten, die aus dem Niederländischen oder Französischen Zusätze entlehnen.
Verpönte Mundart
Über „Randdeutsch: das Beispiel der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“ referierte der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Manfred Peters in der VUB vor Mitgliedern und Gästen der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er brachte in Erinnerung, dass das Eupener Parlament einmal „Rat der deutschen (!) Kulturgemeinschaft“ hieß, und dass es früher verpönt war, in diesem Gremium mundartlich zu reden. Man sprach status- und situationsbezogen: in der Kirche hochdeutsch, auf dem Amt französisch und zu Hause moselfränkisch.
Diese Vorgeschichte ab 1920 hat die deutsche Sprache in der DG noch immer nicht überwunden. Als ehemaliges Mitglied verschiedener Sprachprüfungskommissionen berichtete Peters von oft vergeblichen Bemühungen der Lehramtskandidaten, für eine feste Anstellung in der heutigen DG gut Deutsch zu sprechen. Es gibt Übersetzer, die wegen mangelhafter juristischer Ausbildung amtliche Texte der föderalen Dienststellen falsch wiedergeben. Die Verfassung erlaubt es jedem Bürger vor Gericht, sich der eigenen Sprache zu bedienen; dass die meisten Gesetze gar nicht auf Deutsch zur Verfügung stehen und nur wenige belgische Richter die deutsche Sprache wirklich beherrschen, steht auf einem anderen Blatt.
Deutschsprachige Zugezogene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden noch lange Stolpersteine auf dem Weg zum belgischen Deutsch entdecken. Der Teufel steckt im Wortschatz. Die Volkshochschule der Ostkantone kümmert sich nicht um Erwachsenenbildung samt Häkelkursen, sondern führt Nicht-Abiturienten zum Hochschulzugang; ein Dekretentwurf ist ein Gesetzentwurf; mysteriöse amtliche „personenbezogene Angelegenheiten“ beziehen sich auf Jugend, Familie und Gesundheit; als Provinzialrat wird das Parlament einer Provinz bezeichnet, von der oft nicht einmal die Belgier wissen, wie sie sich verfassungsrechtlich von einer Sprachgemeinschaft unterscheidet; und einen Kassationshof (oberstes Gericht auf föderaler Ebene) sowie den „referierenden Richter“ gibt es wohl auch nur in Belgien.
Aber deshalb ist die deutsche Sprache in Belgien noch lange nicht foutü.












