Im Saal ist man sich nicht einig. Sind sie schon zum zehnten, oder doch schon zum 15. Mal hier? War Premiere 1991 oder ein Jahr später? Kurz nach der Wende auf jeden Fall, und seitdem gehört das Berliner „Theater im Palais“ (tip) zum festen Bestandteil des deutschen Kulturkalenders in Brüssel. Jedes Jahr kommt das Ensemble mit einer Auswahl seiner Stücke in Belgiens Hauptstadt, und jetzt ist es wieder soweit. Gastgeber für die erste Aufführung 2008 ist die Landesvertretung von Berlin. Auf dem Programm steht, ganz passend zum Ort: Berliner Geschichten – Preußens Luise.
Das Saallicht geht aus, Gabriele Streichhahn und Franziska Troegner betreten die kleine Bühne. Am Klavier sitzt derweil bereits Ute Falkenau und hat die ersten Töne schon gespielt. Tschaikowsky und Grieg. Immer als Ein- oder Überleitung der verschiedenen Abschnitte der szenischen Lesung, die die beiden Schauspielerinnen auf der Bühne in den folgenden knapp zwei Stunden vortragen.
Im Mittelpunkt steht dabei Luise, Königin von Preußen. Ihr Gemälde hängt als einziger Schmuck an der schwarzen Wand, die den Bühnenhintergrund bildet. Links und rechts jeweils ein Stehtisch, in der Mitte, unter dem Bild, ein Stuhl. Manchmal setzen sich Streichhahn und Troegner gemeinsam auf diesen. Dann wieder steht jede für sich an einem der Tische. Und erzählen. Beziehungsweise lesen vor. Texte über die und von der Frau, die an der Seite ihres Gemahls, des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III., an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert so etwas wie die Königin der Herzen ihrer Untertanen wurde. Deren Ruhm weit über ihren frühen Tod 1810, mit gerade mal 34 Jahren, hinausreichte. Sie zum Mythos werden ließ, dem die moderne Forschung der vergangenen Jahre vielleicht etwas von seiner Märchenhaftigkeit, jedoch nichts von seinem Glanz hat nehmen können.
Eine lebensfrohe und kluge Frau
Davon überzeugen Streichhahn und Troegner in ihrem Spiel. Anhand von Briefen der Königin selbst und anderer Zeitzeugen aus ihrem Umfeld sowie Zusammenfassungen von historischen Tatsachen zeichnen sie das Porträt einer lebensfrohen und klugen Frau, die zwar Gefühl vor Verstand setzte, dabei dennoch einen klaren Kopf bewahrte und auf diese Weise bei staatstragenden Angelegenheiten zur wichtigen Stütze ihres oft wenig entscheidungsfreudigen und eher zögerlichen Mannes wurde. Ein Porträt einer Frau, die von allen geliebt wurde. Ein Porträt voll von Sympathie.
Körperlich passiert dabei wenig auf der Bühne, und dennoch lauscht man gebannt der Geschichte. Wenig Mimik reicht aus. Hier eine Nuance, dort die Andeutung einer zweiten Ebene des Gesagten. Ein Zögern der Stimme. Fast fühlt man sich selbst traurig, als Luise stirbt, der angenehme Theaterabend zu Ende ist. Ein wenig verharrt man noch in der Welt der historischen Epoche. Dann taucht Brüssel 2008 wieder auf. Und die Vorfreude auf weitere Aufführungen des Theater im Palais.
Das Theater im Palais führt in seinem diesjährigen Brüsseler Gastspiel noch auf:
„Heinrich Heine – Traumbilder“ am 9. Oktober, 20 Uhr, im Atelier Marcel Hastir, Rue du Commerce 51, 1000 Brüssel;
„Mit Musike! Berlins freche Gesänge: Gassenhauer, Bänkellieder, Moritaten“ am 10. Oktober, 20 Uhr, in der Deutschen Schule Brüssel, Lange Eikstraat 71, Wezembeek;
„Der eingebildete Kranke“ von Molière am 11. Oktober, 20 Uhr, in der British School, Leuvensesteenweg 19, 3080 Tervuren.
Infos und Vorbestellungen unter Tel.:02-675.42.51, E-Mail: 5walker7(at)versateladsl.be












