Mercedes Benz
06. Januar 2009
Terminkalender


Frisch frittiert

Der belgische Waffenhandel gleicht sich der Weltwirtschaft an: es gibt keine Zuwachsraten mehr, im Gegenteil. 2008 wurden außerdem von der Regierung zwei Exportanträge zugunsten der israelischen Armee abgelehnt. Es gibt sie also noch, die guten Meldungen.

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Unser Kay macht den Genießerlauf

Eindrücke vom 5. Brüssel Marathon

Von Kay Wagner

Der Sprecher am Start nimmt es mit Humor. „Heute findet gleichzeitig der Marathon der Provence statt“, erzählt er wenige Minuten vor dem Lauf. „Die haben wahrscheinlich besseres Wetter, aber wir sind nun mal in Belgien, da regnet es halt.“ Genau so ist es. Doch es könnte schlimmer sein. Es prasselt nicht gnadenlos auf uns runter, die wir in kurzer oder langer Sportkleidung leicht frierend und erwartungsvoll in der Startgasse stehen, um uns gleich auf die Königsdistanz eines jeden Langstreckenläufers zu begeben.

 

Es ist der fünfte Brüssel Marathon, für mich der zehnte Lauf über die 42,195 Kilometer. Zwei kleine Jubiläen also, die ich damit feiere, heute keinen Rekordlauf zu versuchen. Immer schön bei den gelben Ballons bleiben, deren Träger die Strecke in exakt drei Stunden 30 Minuten bewältigen wollen. Ein Genießerlauf müsste auf diese Weise klappen.

 

 

Den Startschuss habe ich nicht gehört, doch plötzlich geht es los. Aus dem Lautsprecher begleiten mich die „Besten Wünsche zu einem erfolgreichen Lauf“, gesprochen in vielen verschiedenen Sprachen, als ich unter dem Triumphbogen im Jubelpark die Herausforderung beginne. Zunächst langsam trottet der Tross, noch sind wir alle dicht beieinander. Durch den Park geht es runter der Innenstadt entgegen. Ein paar Zuschauer stehen am Rande der Strecke, schießen Fotos, klatschen in die Hände. Doch ab dem Europaviertel machen sich solche Fans rar. Das schlechte Wetter fordert seinen Tribut.

 

An die gelben Ballons habe ich mich auf Höhe des Brüssel-Parks bis auf 20, 30 Meter Abstand herangearbeitet. Der Laufrhythmus ist angenehm, wir traben durch die Stadt. Auf den Justizpalast zu, durch die Tunnel und über den Asphalt der Avenue Louise hinein in den Bois de la Cambre. Am Eingang steht dort eine überdachte Bühne, eine Handvoll Musiker muntert uns mit stimulierenden Sambarhythmen auf.

 

Solche Musik-Animation ist selten, die nächste kommt erst wieder kurz nach Kilometer 14 in Boitsfort. Trommelnde Afrikaner, ohne regenschützendes Dach, dafür mit fröhlichem Lachen auf dem Gesicht. Das Laufen macht direkt wieder mehr Spaß.

 

Bald darauf ist es Zeit, einen ersten Drink zu nehmen. Die Auswahl ist nicht groß, aber genau das, was ein Marathon-Läufer braucht: Wasser und Iso-Getränke. Alle 2,5 Kilometer werden sie in Plastikflaschen gereicht, so dass man sich die Portionen einteilen kann. Was allerdings nur wenige tun. Die meisten meiner Mitläufer schmeißen die Flaschen nach ein, zwei Schlucken an die Seite.

 

Kilometer 18, Kreuzung des Boulevard du Souverain mit der Avenue de Tervuren. Hier könnte Armand stehen, unser Fotograf. (Er saß ein paar hundert Meter entfernt in seinem Auto, eingekeilt im Verkehrschaos, und kam nicht voran.) Ich finde ihn nicht, laufe jetzt weiter den gelben Ballons die lange Allee hoch und entlang bis in den Park von Tervuren.

 

Zwischendurch, mitten im Wald, ist dann die halbe Strecke geschafft. Eine Stunde, 43 Minuten, 52 Sekunden zeigt die große, digitale Uhr neben dem Tor, das ich passiere. Die Läufer mit den Ballons, die so genannten Pacemaker, machen ihre Sache sehr gut, liegen fast genau in der angestrebten Zeit. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite kündigen mehrere Autos die Spitzengruppe an. Drei Läufer hetzen nahe beieinander die Allee Richtung Brüssel hinunter. Danach erstmal lange Zeit nichts.

 

Der Mann mit dem Hammer meldet sich nicht

 

Als ich etwa eine Stunde später hinter den gelben Ballons und mit gut zwei Dutzend anderer Läufer um sie herum dieselbe Stelle erreiche, fühle ich mich weiter gut. Der gefürchtete Mann mit dem Hammer, der einem den Marathon um diese Zeit regelmäßig zur Qual werden lässt, meldet sich heute nicht bei mir. Deshalb fange ich an zu kalkulieren: An Kilometer 36, wieder die Kreuzung Boulevard du Souverain/Avenue de Tervuren, wartet jetzt sicher Armand auf mich. Danach die Steigung, und ab Montgomery, ja, ab da könnte ich etwas Tempo machen. So eine Art Schlussspurt hinlegen.

 

Doch unerwartet nehme ich schon bei Kilometer 35 Geschwindigkeit auf, als die Gruppe um die gelben Ballons etwas abbremst, um noch mal Getränke aufzunehmen. Schnell lasse ich sie hinter mir. An besagter Kreuzung kommen von links die Halbmarathon-Läufer dazu. Armand finde ich wieder nicht. Also weiter die letzten Kilometer. So gut habe ich mich noch nie am Ende eines Marathons gefühlt – ein überaus angenehmes Rennen nähert sich dem Ende. Gut organisiert, schöne Strecke, nur leider bei schlechtem Wetter.

 

Kurz vor der Grand Place stehen sogar wieder Zuschauer am Streckenrand und schauen sich den Zieleinlauf an. Sieger Rik Ceulemans ist längst durch, aber auch ich habe es geschafft. Als Belohnung bekomme ich eine Medaille umgehängt, mineralhaltige Iso-Drinks werden gereicht, ich lasse mir eine Wärmefolie um die Schultern legen. Währenddessen regnet es noch immer. Doch zu einem Marathon in Belgien, das habe ich heute gelernt, gehört das genau so dazu, wie die Sonne bei einem Königslauf in der Provence. Weshalb sich also beklagen?

 

Fotos: Nadia Verhoft

Erstellt oder aktualisiert am 05. Oktober 2008.

 
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