Das Antwerpener Hafenviertel "Eilandje" wird seit Jahren umgestaltet, wobei man sich nun mit einigen der größten Projekte in der Start- oder entscheidenden Phase befindet. Dazu gehört die Fertigstellung des neuen Schifffahrtmuseums MAS, "Museum aan de Stroom", das mehrere Sammlungen unter einem Dach vereinen wird und viele alte Schiffe und historische Kräne in seinem Besitz hat.
Der Rohbau des neuen Museums wird dieses Jahr mit dem 10. und letzten Stockwerk seinen höchsten Punkt erreichen. Durch seine auffallende Lage, auf einem freien Platz zwischen den beiden ältesten Docks von Antwerpen, wird das Museum zu einem Leuchtturm für das Viertel. Das verfallene Eilandje stellt heute nur das Übergangsgebiet zwischen Stadt und Hafen dar, aber wird nun bald zu einem hochwertigen Stadtteil mit Wohngebieten, Museen und Büros direkt an Docks und Schelde.
Der Mensch im Mittelpunkt
Das MAS wird nächstes Jahr fertig sein, die Eröffnung soll allerdings erst im Frühjahr 2010 stattfinden - so umfangreich sind die Umzugsarbeiten, um die Kollektionen des Schifffahrtmuseums, des Ethnographischen Museums, des Volkskundemuseums und Teile des Museums Vleeshuis unter einem Dach zu vereinen.
Diese Museen stellen sich in den Dienst eines Themas: der Mensch. Raffaëlle Lelièvre vom MAS erklärt, dass der "menschliche Aspekt wichtig ist, die Geschichte und der Mensch hinter dem Kunstwerk." Das spiegelt sich auch im MAS-Gebäude wieder. Es soll Begegnungsplatz sein, kein abstraktes Museum. Vor dem Gebäude wird ein vertiefter Vorplatz mit einem Mosaik von Luc Tuymans entstehen. Ohne Eintritt zu bezahlen, ist es auch möglich, bis in den 10. Stock zum Aussichtssaal und Restaurant zu gelangen. Dies geschieht über Rolltreppen, die im Kreis um die Ausstellungssäle herum nach oben führen.
Hochmodernes Museum
Sicherheit wird auf allen Ebenen groß geschrieben, und sogar für neu eingelieferte oder ausgeliehene Kunstwerke wurde an Sicherheit gedacht. Das Museum besitzt eine eigene LKW-Einfahrt, so dass wertvolle Transporte direkt im Gebäude ankommen und nicht im Freien ausgeladen werden müssen. "In einem ersten Raum werden die Gemälde 24 Stunden gelagert, um zur Ruhe zu kommen, in einem zweiten Raum werden sie ausgepackt, und falls nötig in einem dritten Raum restauriert", so Lelièvre.
Das ganze Eilandje ist ein Museum
Das Museum begrenzt sich nicht nur auf das Gebäude. Das Bonapartedock, eines der beiden Docks zwischen denen das MAS steht, wird zum Museumsdock umfunktioniert. Dort werden historische Schiffe zu besuchen sein. Nur 5 Fußminuten vom Museum entfernt, am Rijnkaai an der Schelde, stehen auch einige der 17 alten Hafenkräne im Besitz des MAS.
Diese 17 Kräne sind von 14 Konstrukteuren zwischen 1884 und 1963 gebaut worden, darunter auch deutsche Betriebe wie Stückenholz, Kampnagel oder Demag. Die ältesten von ihnen arbeiteten mit Wasserdruck. Über Pumphäuser wurde Wasser durch unterirdische Leitungen in die Kräne gepumpt. "Als es in Belgien noch härtere Winter gab, hatte das zur Folge, dass 1890 der Hafen drei Monate still lag, da die Leitungen gefroren waren", erzählt Paul Van Schoors von der Denkmalpflege.
Zu den interessantesten Ausstellungsstücken gehört ein englischer Kran aus der Zeit des 2. Weltkriegs. "Die Engländer bauten 350 Kräne, die innerhalb von 48 Stunden in Betrieb genommen werden konnten, um Häfen in ganz Europa wieder verladefähig zu machen", so Van Schoors. Die Evolution eines industriellen Hafens lässt sich sehr gut an der Anzahl der Kräne ablesen. 1880 gab es 17 Kräne, 30 Jahre später bereits mehr als 300. Heute haben viele Betriebe ihre eigenen Kräne, der Hafen tritt aber auch als Dienstleister auf und vermietet Kräne.
Baumaßnahmen aller Orten
Das MAS ist nicht das einzig spektakuläre Neubauprojekt auf dem Eilandje. Am Kattendijkdock entstehen sechs 60 Meter hohe Wohnhäuser und am nördlichen Ende des Leien-Boulevards das ebenfalls 60 Meter hohe Bürogebäude Northgate, das Gegenstück zum am südlichen Leien-Ende gelegenen neuen Justizpalast. In den historischen Montevideo-Gebäuden entsteht mit dem Red Star Line-Museum ein Museum über Migration. Die Red Star Line hatte zwischen 1873 und 1935 drei Millionen Emigranten in die USA gebracht.













