Von Brügge aus ist es nur ein Katzensprung bis ins idyllische Damme, der Stadt Till Eulenspiegels. Und wer es sich gemütlich machen will, kann das auch mit einem in Brügge geliehenen Fahrrad tun. Damme im Sommer heißt gemütlich Sitzen auf der Terrasse eines Cafés, in Büchern schmökern oder sich auf die Spuren einer großen Vergangenheit begeben. Den Überblick bewahrt man dabei von der Aussichtsplattform der Liebfrauenkirche.
Was in Damme heute hervor sticht, sind Bücher - viele Bücher! Im Juli und August verwandelt sich das Dorf in einen einzigen Büchermarkt. Ob Taschenbuch, gebunden, druckfrisch oder second hand: jeder kann hier etwas nach seinem Geschmack finden. Diese zwei Monate haben viel Vorbereitung nötig; ein Verkäufer erklärt: "Ich suche das ganze Jahr über auf anderen Büchermärkten, Antiquariaten, im Internet. Der Aufwand ist erst möglich, seit ich in Rente bin." Dafür hat der Besucher dann aber auch eine komplette Halle zum Durchstöbern. Für Bücherliebhaber das Paradies auf Erden.
Literarische Tradition
Der Ursprung Dammes als Bücherdorf ist in zwei historischen Figuren begründet. Die eine ist echt und heißt Jacob van Maerlant, dessen Statue vor dem Rathaus steht. Er gehört zu den ältesten bekannten Dichtern Flanderns und schrieb die meisten seiner Werke im 13. Jahrhundert hier in Damme, unter anderem „Reinhard der Fuchs“. Man könnte ihn in etwa mit Walther von der Vogelweide in Deutschland vergleichen.
Am Marktplatz befindet sich auch das Haus vom Großen Stern. Das vollständig renovierte Gebäude aus dem 15. Jahrhundert beherbergt heute das Tourismusbüro und das Till Eulenspiegel-Museum. Eulenspiegel wurde um 1500 durch den Braunschweiger Stadtschreiber Hermann Bote geschrieben, um den Mitmenschen einen Spiegel ihrer Bösartigkeit vorzuhalten. Die Geschichte wurde durch Charles de Coster im 19. Jahrhundert in Belgien "eingebürgert".

De Coster, übrigens in München geboren, machte aus Till Eulenspiegel einen aus Damme stammenden Freiheitskämpfer im Unabhängigkeitskampf gegen die Spanier. Das kleine Museum illustriert die Geschichte Eulenspiegels und wirft einen Blick auf die Jahrhunderte lange Entwicklung seines Charakters. Vom bösen Tunichtgut zu De Costers Freiheitskämpfer und zur kommunistischen oder nationalsozialistischen Propagandafigur zeigt Eulenspiegel viele Gesichter.
Was für Feinschmecker
Wenn man durch die Straßen spaziert, fallen immer wieder blaue Schilder ins Auge, auf denen auf poetische Weise für Feinschmecker-Restaurants in der Umgebung geworben wird. Entsprechende Reime sollen den Geschmack anregen. Auf dem Weg zur Liebfrauenkirche kann man noch das Museum des im 13. Jahrhundert gebauten St. Jans-Hospital besuchen. Es gehört zu den ältesten Hospitälern Belgiens. Hier hatte Eulenspiegel auf seine Art Kranken geheilt. Er hatte damit gedroht, denjenigen zu verbrennen, der als Letzter im Krankensaal bleiben würde, um die anderen zu heilen. Und schon waren alle weg und fühlten sich gesund.
Erreicht man die Liebfrauenkirche, fällt zuerst die Lücke in der Mitte auf. Die Hälfte des Mittelschiffs wurde im 17. Jahrhundert zerstört, als die Kirche für das verfallende Damme zu groß wurde. Die sehr helle Hallenkirche wirkt geräumig und beherbergt zwei wunderschöne Beichtstühle. Der Grabstein von Jacob van Maerlant befindet sich unter dem Turm. Diesen kann man über teils abenteuerlich steile Treppen erklimmen, um die Aussicht zu genießen. Bei schönem Wetter erkennt man die Türme Brügges ebenso wie die Kräne des Hafens von Zeebrugge. Aus 43 Metern Höhe sieht man auch sehr gut die Lage der früheren Stadtmauer. Der sternförmig angelegte Wall wurde durch Bäume ersetzt und es zeigen sich heute deutlich die Grenzen der früher prosperierenden Stadt im Gegensatz zum heutigen kleinen Dorf.
Fahrräder, um nach Damme zu kommen, kann man in Brügge direkt im Bahnhof mieten. Trotz der flachen Strecke sollte man dem teils kräftigen Wind von der Nordsee Rechnung tragen und daran denken, dass alle Sehenswürdigkeiten in Damme um die Mittagszeit zwei Stunden geschlossen sind.













