Wie gut, dass die Mechelner 1687 nur den Mond löschen wollten und nicht das Feuer, das vermeintlich den Turm der Rumolduskathedrale von Mechelen erleuchtete ... Wäre es anders gekommen, wäre wohl ein großartiges Bauwerk verloren gewesen. 97,28 m hoch ist der Turm, und er ist voller Überraschungen.
Wie so viele Kirchtürme in Belgien sollte auch der Turm der Rumolduskathedrale von Mechelen mit 167 m der höchste Turm der Christenheit werden. Als die Baumeister 1449 mit dem Bau dieses ehrgeizigen Projektes begannen, war ihnen klar, dass dieses Unterfangen kein leichtes sein sollte. Denn zu dieser Zeit herrschte in Flandern und in Brabant Hochkonjunktur im Turmbau, die schnell an unvorhersehbaren Problemen zugrunde gehen sollte.
Die Turmriesen der Peterskirche in Leuven und der Waltrudiskirche von Mons wurden nie ausgeführt, und auch in Diest gerieten die Bauarbeiten ins Stocken. Einzig in Antwerpen wurde zumindest der Nordturm der Kathedrale fertiggestellt. Entweder scheiterten die Turmbauvorhaben an Geldmangel oder an der Tragfähigkeit des Bodens, wie es in Leuven der Fall war.
Nicht so in Mechelen. Hier wuchs der Turmriese anderthalb Meter pro Jahr, bis ... ja, bis der Bau im Jahre 1520 ins Stocken geriet. Dass der Baustopp mit Geldnöten zu tun hatte, wollte man nicht direkt zugeben und schob andere Gründe vor. Die Tragfähigkeit des Bodens sollte nicht genügen und man wollte erst einmal abwarten wie der immerhin fast 100 m hohe Torso sich auf dem unsicher geglaubten Fundament verhalten würde.
Strebebögen als Druckableiter
Das Abwarten währt bis heute fort. Computerberechnungen haben allerdings ergeben, dass die Tragfähigkeit des Bodens einen Druck bis 13 kg pro cm² ausgehalten hätte, der fertige Turm aber nur 7,5 kg pro cm² erreicht hätte. Außerdem weiß man heute, dass die Baumeister im Mittelalter den Druck des Turmes mit den ersten Strebepfeilern des Schiffes und mit einer zusätzlichen Stützwand aufgefangen haben, was im Innern der Kirche an Deformierungen erkennbar ist.
Auf diesen Fakten basierende Pläne haben bis heute nicht dazu geführt, dass der Turm seine ursprünglich berechnete Höhe erhalten sollte, denn anders als in Ulm und Köln begnügte man sich in der Zeit der Neogotistierung ausgangs des 19. Jahrhunderts mit der Tatsache, dass der Rumoldusturm auch ohne Spitze mächtig genug sei.
Und tatsächlich ist der Turm auch ohne Spitze eine Legende geworden. Napoleon bestieg den Riesen, und auch Ludwig XV erklomm die Plattform über die 514 Stufen. Diese führen den Besucher zunächst in die Krankammer, in der sich ein riesengroßes Laufrad befindet, das einem Hamsterrad gleicht. Mithilfe dessen wurden Werkzeuge und Baumaterialien auf den Turm geschafft, indem Männer im Innern des Rades durch Laufen für den Antrieb des Mechanismus sorgten.
Über der Krankammer befindet sich die Schmiedekammer, in der damals Reparaturen des Uhrwerks und des Glockenspiels ausgeführt wurden. Nach Stufe 317 gelangen die Mechelner Himmelsstürmer zum Glockenstuhl, in dem sich die schweren Läuteglocken befinden. Die hölzerne Konstruktion datiert aus dem Jahre 1658. Beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass die vordere rechte Glocke keinen Klöppel mehr besitzt. "Dies ist der Grund dafür, warum der 4,2 Tonnen schwere Rumoldus seine Stimme verloren hat", sagt unsere Turmführerin, die uns an den Glocken des alten Glockenspiels vorbei weiter aufwärts führt.
Bronzene Riesen
Das Ende der Wendeltreppe ist noch nicht erreicht. Nach der Uhrwerkskammer erreicht man den Betonboden, der 1981 für die Aufhängung des neuen Glockenspiels eingezogen wurde. Hier hängen die schweren Bassglocken aus Bronze. Jeden Sonntag zur Zeit der öffentlichen Turmbesteigung bespielt der städtische Gockenspieler, ein Vertreter von ihm oder ein Student der königlichen Glockenspielschule diese majestätischen Klangkörper. Das neue Instrument wurde am 17. September 1981 eingeweiht und erklingt nun regelmäßig hoch über der Stadt.
Damit aber noch nicht genug, denn der Turmaufstieg ist noch nicht zu Ende. Bevor sich der Blick von der Galerie auf die Stadt und auf das Umland eröffnet, folgt erst noch der Gang in den Keller. Ja genau, ein Keller hoch über der Stadt, das höchste Geschoss im Turm. Diese Kammer heißt Askelder. Die Bedeutung und Nutzung dieses Raumes ist umstritten. Es gibt Erklärungen, die den Namen von der Herstellung des Mörtels unter Verwendung von Asche ableiten und Überlegungen, ob diese Kammer nicht einfach in der Turmachse liegen könnte und demensprechend benannt wurde.
Im Askelder ändert sich der viereckige Grundriss des Turmes zu einem oktogonalen. Hier mussten die Baumeister die viereckige Form in eine achteckige überführen, damit diese die nie vollendete Spitze hätte aufnehmen können. Hätte ...











