An mangelnder Unterstützung aus Brüssel kann es nicht gelegen haben, dass Deutschland bei der Fußball-EM nur zweiter Sieger wurde: Rund 700 Gäste, darunter einige Spanier, kamen am Sonntagabend in die Rue Jacques de Lalaing, um gemeinsam mit der deutschen Diplomatie, dem Goethe-Institut und dem Deutschen Fußballbund das Endspiel zu verfolgen. Entsetzen bei den einen, Jubel bei den anderen.
Bratwurstduft lag in der Luft, Bier schwappte in Plastikbechern, Kinder mit Fähnchen in schwarz-rot-gold und Erwachsene mit DFB-Trikots und nationalfarbenen Girlanden passierten ab 19.45 Uhr die Einlasskontrolle im Hof der Brüsseler EU-Vertretung und Botschaft. Wo es sonst diplomatisch leise zugeht, sammelte sich am Sonntagabend ein überwiegend junges und gut gelauntes Publikum aus EU-Institutionen und Länderbüros, um das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft zu verfolgen.
Mit dabei: der spanische Gesandte
Unmittelbar nach dem deutschen Einzug ins Finale hatten Dr. Edmund Duckwitz, der Ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei der EU, der bilaterale Botschafter Dr. Reinhard Bettzuege, Dr. Hans Greimel (Goethe-Institut Brüssel) und Stefan Brobst (DFB) die Einladung zu dem Mega-Event am 29. Juni 2008 per E-mail versenden lassen. Binnen weniger Minuten verbreitete sich die Nachricht in Brüssel. Fünftausend Gäste hätten gerne teilgenommen. Siebenhundert passierten am Abend des Endspiels schließlich die strengen Einlasskontrollen, darunter auch Manuel Pérez del Arco, Ministre-Conseiller der Botschaft Spaniens beim Königreich Belgien, der mit Gattin und einer Handvoll Landsleute auf den VIP-Stühlen vor einem der Großbildschirme Platz nahm.
Neben der Leinwand: eine spanische und eine deutsche Fahne; davor stand der deutsche Ständige Vertreter Duckwitz mit einem Schal in den Nationalfarben und dankte den Mitarbeitern von Botschaft und Ständiger Vertretung, die ein paar heiße Arbeitstage damit zugebracht hatten, das Großereignis zu organisieren, und den Sponsoren, darunter RWE Treuestrom, die kleine Fußballerfigürchen aus Metall unter einem Plastiksturz als Final-Gadget verteilten.
Das Ende des Fußballmärchens
Der bilaterale Botschafter Bettzuege im weißen Deutschlandtrikot, das mit seinem eigenen Namen und dem Schriftzug „La Mannschaft“ bedruckt war, fügte hinzu, es möge an diesem Abend der Bessere gewinnen. Vor dem Anpfiff um 20.45 Uhr wurde auch im Saal das Deutschlandlied inbrünstig mitgesungen. Und in den ersten zehn Minuten sah es ganz so aus, als könnte das deutsche Fußballmärchen weitergehen. Es wurde geklatscht, angefeuert, mitgefiebert.
Nach 14 Minuten, bei der ersten großen Chance für die Spanier, riss es Pérez del Arco vom Stuhl. Während die Temperatur im Saal stieg und die Spanierinnen ihre Fächer benutzten, begann die Stimmung der deutschen Fans ganz langsam zu sinken. Dann fiel das Tor für Spanien in der 32. Minute. Dabei blieb es verdientermaßen auch in der zweiten Halbzeit. Immer wieder machten sich die deutschen Fans mit Sprechchören Mut, und so um die 60. Spielminute sah es ganz so aus, als könne sich die deutsche Mannschaft wieder mit schnellen Pässen den Gleichstand erarbeiten.
Aber die Kräfte reichten nicht aus, auch nicht bei den Zuschauern, und am Ende gewann die bessere Mannschaft. Botschafter Duckwitz gratulierte dem spanischen Gesandten. Während draußen auf der Straße schon der Autokorso der Spanier zu hören war, sagte drinnen ein kleines Mädchen mit Deutschlandfähnchen lächelnd zum Fotografen: „Es war doch nur ein Spiel.“
Jetzt werden wir eben Weltmeister.
Fotos: Johannes Wachter













