20. März 2010

Frisch frittiert

Steuern, Arbeitsrecht, die belgischen Sprachprobleme können deutsche oder österreichische Investoren durchaus abschrecken, in Belgien Geld einzusetzen. Einem unsere Leser scheinen diese Themen zweitrangig zu erscheinen. „Könnten Sie mich bitte informieren, wie hoch die Telefongebühren von Belgien nach Deutschland zur normalen Geschäftszeit sind, da ich - wenn auch bisher noch vage - die Idee habe, mich in Belgien niederzulassen?“ fragt er. Wer schlägt einen Pfad durch den Anbieter-Dschungel? Was für ein Glück, dass es Skype gibt, guter Mann.

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Was von Goethe übrig bleibt

Bemerkungen über ein traditionsreiches Institut

Von Rudolf Wagner

Das Goethe-Institut Brüssel feierte am 11. März sein 50-jähriges Bestehen. Die Festredner konnten auf eine glanzvolle Vergangenheit dieses kulturellen Ortes zurückblicken, dessen Gegenwart jedoch von vielen kritisch gesehen wird: in der Rue Belliard 58 gibt es keine Bibliothek mehr und bald auch keinen großen Saal als Begegnungsstätte, dafür rühmen sich die Verantwortlichen der gewachsenen Nähe zu EU-Förderungsprogrammen.

„Welchem Konzept eines Kulturinstituts trauern Sie nach?“, fragt die Leiterin des Institutes, Margareta Hauschild, wenn man sie auf den Wandel in der Zielsetzung dieser traditionsreichen Einrichtung anspricht. Dann erläutert sie, dass es jetzt in Brüssel zwei Mitarbeiter („oder 1,5 Stellen – also genauso viele Stellen wie für die Betreuung der Deutschlehrer in Belgien") gibt, die die Goethe-Institute weltweit in Bezug auf die Beteiligung an europäischen Projekten beraten – mit oder ohne Beantragung von EU-Fördermitteln.

„Mit Verlaub“

„Mit Verlaub, die Zeiten haben sich geändert und das ist gut so“, sagt sie weiter, „auch die Rolle der europäischen Kulturinstitute hat sich dramatisch geändert. Übrigens sind auch „neue“ europäische Kulturinstitute, wie das rumänische Kulturinstitut, stolz darauf, sich an europäischen Programmen zu beteiligen – mit einer rumänischen Komponente.“

Ein Blick auf das aktuelle Programm des deutschen Instituts beweist, dass Sprachkurse, darunter auch für Kinder, wie bisher im Mittelpunkt stehen und weiter gepflegt werden. Als Auftragnehmer der europäischen Institutionen unterrichteten zudem Lehrkräfte des Goethe-Institutes Deutsch in den Räumen der EU und tun dies noch heute. Diese Dienstleistung wird zuverlässig von der EU bezahlt.

Es ist nicht verwerflich, ein Goethe-Institut nach Kosten/Nutzen-Gesichtspunkten zu führen. Als in den Nachkriegsjahren die Deutsche Bibliothek in Brüssels Rue Royale 66 eingerichtet wurde, waren solche Überlegungen allerdings unwichtig. Damals sollten belgische Erinnerungen an den Nationalsozialismus und die deutsche Besatzung vergessen gemacht werden; zugleich wollte sich das „neue“ Deutschland beim Nachbarn vorstellen. Damals war der europäische Partner Belgien besonders wertvoll für die deutsche Politik, die heute pauschal von besten Beziehungen zwischen beiden Ländern ausgeht und sich darüber anderen Staaten und Aufgaben zuwendet.

Goldene Jahre

Die goldenen Jahre für das Goethe-Institut brachen 1966 mit dem Einzug ins neue Haus in der Rue Belliard 58 an. Theateraufführungen, Konzerte, Filmvorführungen; die Vortrags-Programme waren immer prominent und gelegentlich auch kontrovers besetzt mit dem Plakatmacher Staeck, mit Günter Grass oder einem Polarisierer in Turnschuhen, der bald  Außenminister wurde. Doch dieser Joschka Fischer, kaum im Amt, verordnete dem Goethe-Institut Brüssel einen harten Sparkurs.

 

„Die Sparmaßnahmen von 2004 bis 2006 habe ich als Niederlage empfunden“, sagt Hauschild heute. Sie wurde getröstet. Zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 wollte die Bundesregierung mit hohem finanziellen Einsatz kulturell auftrumpfen .Das Goethe-Institut war mitten drin dabei. Danach kam wieder Schwarzbrot auf den Tisch.

Bibliothek weg, Saal weg, Haus weg

Mit oder ohne Geld: die Paradigmenwechsel bezogen sich nicht allein auf die finanzielle Ausstattung des Hauses, sondern waren tief greifend und oft schmerzhaft. Die Auflösung der Goethe-Bibliothek vertrieb viele belgische und deutsche Bildungsbeflissene, die heute nirgendwo mehr den öffentlichen Zugang zu einer deutschen Bibliothek besitzen. Der lebhafte Protest, der seinerzeit auch in Leserbriefen an Belgieninfo seinen Niederschlag fand, führte zu keinem Umdenken.

Noch in diesem Jahr soll das Gebäude Belliard 58 verkauft werden, dann gibt es auch keinen großen Saal mehr für große Veranstaltungen. Als Käufer verhandelt das Land Baden-Württemberg, das bereits die Nachbarimmobilie besitzt und den überwiegenden Teil des Kaufobjektes der EU-Landesvertretung zuschlagen wird. Nach der Transaktion und einer notwendigen Generalrenovierung mietet das Goethe-Institut dann Büroräume zurück. Das hat Symbolkraft.

Kooperation und Eigenständigkeit

Das Institut beruft sich auf seine Kooperationen. Im Bozar, bei Flagey, oder in der Cinematek finden schon jetzt Goethe-initiierte Veranstaltungen statt, und diese Adressen sind es auch, die dann auf den einschlägigen Internetseiten mit Veranstaltungstipps für Belgier zu finden sind, nicht aber das Goethe-Institut selbst. Das ist nicht ungewöhnlich. „Die europäischen Kulturinstitute veranstalten ihre Programme überwiegend nicht im eigenen Haus, sondern in Kooperation mit den Partnern des Gastlandes“, betont Hauschild.
 
Sollte sich das Goethe-Institut Brüssel wirklich mit dem Querschnitt anderer europäischer Institute vergleichen müssen? Tatsächlich stellt sich das kulturelle Deutschland in der belgischen Hauptstadt unkoordiniert, verschwenderisch und chaotisch dar. Da gibt es die Veranstaltungen der bilateralen Deutschen Botschaft, wo der Botschafter über Geldmangel klagt, es gibt die Lobbyistenbüros, die in einigen Fällen mit erstaunlichem Aufwand ihre Repräsentanzen ins rechte Licht rücken dürfen, und es gibt die EU-Ländervertretungen.

 

Mit ihren Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und sonstigen Veranstaltungen samt beigestellten Büffets räubern sie längst auf einem Gebiet, das vom Goethe-Institut frugaler und ausgeglichener abgedeckt würde. Aber sie verfügen zu dieser Selbstdarstellung über mehr Geld und Personal. Doch ihnen geht es um die Eurokraten, die in den Maillisten stehen, und nicht um die belgische Öffentlichkeit.

Kulturkonkurrenz

Was soll in dieser Kulturkonkurrenz aus dem Brüsseler Goethe-Institut werden? Die schöne Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Kulturstätte geht dieser existenziellen Frage aus dem Weg. Die Flaneure auf der Häppchenmeile profitieren von solchen Unsicherheiten. Goethe nicht.

 

Auf der Website des Goethe-Institutes Brüssel gibt es ausführliche Informationen zu seinem 50-jährigen Bestehen und zum Programm des Jubiläumsjahres.

Erstellt oder aktualisiert am 06. März 2009.

 
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