09. September 2010

Frisch frittiert

Bart De Wevers Partei NVA, die als größte flämische Partei bei den letzten Wahlen abgeschnitten hat und auch im föderalen Parlament die größte Fraktion stellt, leidet an Mitarbeitermangel. Unter dem Spruch „Schaffe zusammen mit der NVA ein starkes Flandern“ werden jetzt bis zu 84 Mitarbeiter per Zeitungsanzeigen gesucht. Normalerweise sind solche Jobs in Belgien sehr ertragreich. Es wird allerdings auch vorausgesetzt, dass man voll und ganz mit der Ideologie der Partei übereinstimmt.

Mitglied werden
Artikel versenden
 
 

Goethe als Mieter

Bund und Ländle verhandeln über Belliard 52

Von Kay Wagner

Sie stehen einträchtig nebeneinander mitten in Brüssels Europaviertel, regungslos und eher hässlich an der viel befahrenen Rue Belliard: das mächtige, siebenstöckige, 1958 errichtete Gebäude, in dem seit 2003 die Landesvertretung Baden-Württemberg bei der EU ihren Sitz hat, und der mit drei Stockwerken kleinere, aber über 100 Jahre ältere Bau, in dem zurzeit das Goethe-Institut deutsche Kulturarbeit in der belgischen Hauptstadt betreibt. Noch gehören die Gebäude zwei verschiedenen Herren, doch das könnte sich bald ändern. 

 

Die Bundesrepublik Deutschland, Besitzer der Heimstätte des Goethe-Instituts, möchte ihr Haus verkaufen. Der Bund scheut angeblich die hohen Renovierungskosten, die dringend notwendig wären für den Erhalt der 1832 als preußische Gesandtschaft in Brüssel eingeweihten Immobilie. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass der Nachbar aus Baden-Württemberg Erweiterungspläne hegt.

 

„Wir möchten hier, im Herzen des Brüsseler Europaviertels, einen baden-württembergischen Dreiklang aus Politik, Wirtschaft und Kultur erklingen lassen“, erklärt Wolfgang Reinhardt, Europaminister der Stuttgarter Landesregierung. Dabei ertönt der von ihm gewünschte Dreiklang schon heute. Politik ist das natürliche Tagesgeschäft der nach Brüssel entsandten Landesbeamten, zugleich haben Bosch, Würth und EnBW bereits ihre EU-Büros in einer Etage der Landesvertretung eingerichtet, und Kultur findet ab und zu auch mal statt in den großzügigen Räumlichkeiten des Erdgeschosses.

 

Begehrlichkeiten

 

Die Töne klingen wohl so harmonisch ins ferne Ländle hinein, dass dort Begehrlichkeiten geweckt wurden. Eine ganze Reihe anderer Unternehmen und Verbände, so Reinhardt, würde gerne unter das Dach der Landesvertretung ziehen. Sogar in Brüssel selbst möchten einige die Örtlichkeit wechseln, um näher an die anderen Lobbyisten aus der Heimat zu rücken. „Ein großes Haus der Begegnung mit Baden-Württemberg könnte das geben“, so der Minister euphorisch.

 

Dabei hängt der Konjunktiv wohl nur noch an den finanziellen Forderungen des Bundes. Zurzeit ermitteln zwei unabhängige Gutachter den Marktpreis der Rue Belliard Nummer 58 – dem Gebäude des Goethe-Instituts. Bis Ende des Jahres sollen Zahlen vorliegen. Um welche Summen es da geht, ist von Reinhardt nicht zu erfahren. Auch nicht, wo die Schmerzgrenze des Landes liegt. Zu den Renovierungskosten ebenfalls kein Wort. Das Magazin Focus hatte im vergangenen Sommer die Summe von 10 Millionen Euro angegeben, die das Land Baden-Württemberg für Kauf und Erneuerung wohl einrechnen muss.

 

Herausgeworfenes Geld? Reinhardt hat gegen solche Kritik gleich mehrere Gegenargumente parat: Baden-Württemberg als Export orientiertes Bundesland werde auf lange Sicht von einer starken Präsenz in zentrales Lage bei der EU profitieren; in eine Immobilie mitten im Europaviertel zu investieren zahle sich bei der stetig wachsenden Bedeutung der EU immer aus; und letztlich käme durch die Vermietung von Teilen des neuen Gebäudes ja auch wieder Geld herein.


Keine Umzugspläne

 

Das Goethe-Institut hat sich übrigens schon als erster Mieter angemeldet. Denn entgegen früher geäußerten Umzugsplänen will das Kulturinstitut jetzt wohl doch an der gewohnten Adresse bleiben. In abgespeckter Form, versteht sich. Denn sonst wäre ja kein Platz für die Baden-Württembergischen Expansionspläne.

 

Wann die Veränderungen beginnen werden, steht laut Reinhardt noch nicht fest. „Erst müssen wir schauen, ob das Land tatsächlich das Gebäude kaufen wird“, sagt er. Danach werde man sich in Stuttgart in Ruhe zusammensetzen und planen, wie die nächsten Schritte angegangen werden können.

Erstellt oder aktualisiert am 15. November 2008.

 
zurück Top