Das Kulturzentrum von Hamois in der Provinz Namur bot einen ungewöhnlichen Rahmen für einen Vortrag des Grafen Rodolphe de Looz-Corswarem, Vizepräsident der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft, über den Ursprung des Hauses Bayern und seine Beziehungen zu Belgien. Es war zugleich Schauplatz einer Ausstellung zum Gedenken an den 125. Todestag des Königs Ludwig II von Bayern. Den Hintergrund des Saales schmückte ein Wandbehang von Jean-Marc Danzin, auf dem König Ludwig, seine Schlösser, Richard Wagner und der Schwan aus "Lohengrin" mit Bierseideln und blau-weißen Farben eine bildliche Symphonie eingingen.
Jules Delfosse, ein Bürger der Gemeinde Hamois, sammelt seit langem bayerische Memorabilien. Zahllose Objekte - von Modellen der Schlösser wie Neuschwanstein und Hohenschwangau und Schloss-Puzzles über Bilder und Kupferstiche, über Opernlibrettos Wagners und Illustrierte mit Königin Elisabeth von Belgien auf dem Titelblatt bis hin zum König Ludwig Dunkel-Bier aus der Brauerei des Prinzen Luitpold von Bayern füllten den Saal. Nicht zu vergessen die zahllosen Publikationen, meist auf Deutsch oder Französisch, über Bayern und seinen unglücklichen Märchenkönig. Er ertrank vor 125 Jahren im Starnberger See, nachdem er entmündigt worden war. Viele seiner Anhänger glauben noch heute, dass er ermordet wurde.
Stammmutter aus dem heutigen Belgien
Die Geschichte des Herrscherhauses Wittelsbach begann mit einem treuen Gefolgsmann des Kaisers Friedrich Barbarossa und seiner Frau von karolingischem Adel aus dem heutigen belgischen Limburg: Otto I von Scheyern-Wittelsbach erhielt im Jahre des Herrn 1180 aus der Hand des Kaisers das Herzogtum Bayern. Der Kaiser hatte es gerade dem sächsischen Herzog Heinrich dem Löwen entzogen. Die Gattin Ottos, Agnes Gräfin von Looz und Rieneck, stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Looz, zu dem auch der Referent gehört.
Bayern an der Nordsee, Lütticher Fürstbischöfe und ein spanischer Gouverneur aus Bayern
Auf die erste Episode folgte eine neue Verbindung der beiden Regionen im 14. und 15. Jahrhundert: Kaiser Ludwig von Bayern erwarb durch Heirat die Grafschaften Hennegau (Hainaut), Seeland und Holland sowie Friesland und hatte dort mehrere Nachfolger. Im Fürstbistum Lüttich, das zum Heiligen Römischen Reiche gehörte, regierten vom 14. bis zum 18. Jahrhundert insgesamt sieben Fürstbischöfe aus dem Hause Wittelsbach. Der bedeutendste von ihnen war Ernst von Bayern, Fürstbischof von Lüttich, Erzbischof und Kurfürst von Köln, Bischof von Freising und Hildesheim. Er ist in Belgien in guter Erinnerung, und an seinen Tod vor 400 Jahren erinnern zwei Ausstellungen in Lüttich.

In der Zeit der spanischen Herrschaft in den südlichen Niederlanden war Max Emanuel, Kurfürst und Herzog von Bayern, Generalstatthalter der spanischen (südlichen) Niederlande. Er baute mit Unterstützung Bayerns den Brüsseler Grand'Place wieder auf, den die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV zerstört hatten. Als prüder Herrscher ließ er übrigens dem nackten "Manneken-Pis" in Brüssel seinen ersten Anzug anmessen. Der Referent des Abends ersetzte das längst verschwundene Kostüm 2001 durch eine Kopie, wie er selbst berichtet.
Königin Elisabeth von Belgien
1900 heiratete König Albert I von Belgien Elisabeth von Wittelsbach, Herzogin in Bayern. Sie gewann die Herzen der belgischen Nation im Ersten Weltkrieg: Nach der deutschen Invasion setzte sie sich unermüdlich für die Opfer des Krieges ein und leistete den Verwundeten tatkräftige Hilfe. Der Musikwettbewerb für Violine, Klavier und Gesang "Concours Reine Elisabeth", der ihren Namen trägt, ist heute in der ganzen Welt ein Begriff.
Rodolphe de Looz musste sich in der bayerisch-belgischen Geschichte beschränken. Nur am Rande konnte er erwähnen, dass Wallonen die bayerische Maxhütte gegründet haben. Eine Gemeinsamkeit sprach er noch an: Die gemeinsame Lust am Biertrinken. Doch hier sind die Bayern mit 220 Liter pro Person und Jahr unbestrittene Weltmeister. Vertreter des Adels, angeführt von der Erzherzogin Gabrielle d'Autriche, verfolgten aufmerksam die Erzählung der gemeinsamen bayerisch-belgischen Geschichte.
Wiederholung des Vortrages und Fortsetzung der Ausstellung
Graf de Looz-Corswarem hält seinen Vortrag noch einmal am 16. Dezember 2011 um 20 Uhr in Rochefort. Dort wird auch die fantastische Ausstellung des Sammlers Jules Delfosse zum Thema Ludwig II vom 11. bis 30. Dezember weiter zu sehen sein.
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