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Von  Sibylle Schavoir

Was nicht Kunst ist, wird übermalt

Vom (aussichtslosen) Kampf gegen Graffiti in Brüssel

Schon seit zwei Jahren führt die Stadt Brüssel einen regelrechten Kampf gegen Tags und Graffiti, die dem Straßen- und Stadtbild der Hauptstadt Europas einen vernachlässigten und dreckigen Eindruck verleihen. Mit ihrem Programm «Michel-Ange» geht Brüssel massiv gegen diese Massenplage an.

Bevor mit dem Entfernen von Graffiti begonnen wird, nimmt die Stadt Brüssel Kontakt zu den Besitzern der Häuser auf. Sie teilt ihnen mit, dass die Arbeiten an den Fassaden kostenlos durchgeführt werden, was stets mit Erleichterung aufgenommen wird. Sobald das Einverständnis für die Reinigung an den Hauswänden vorliegt, kann mit den Arbeiten begonnen werden. Schon nach wenigen Tagen wird auf diese Weise ein ganzes Stadtviertel von der Graffitiplage befreit und die Bewohner können sich an sauberen Fassaden erfreuen.

Häuser, die Eigentum der Stadt Brüssel sind sowie öffentliche Schulen werden in regelmäßigen Abständen gesäubert, während Geschäftsstraßen wie die Rue Haute und die Rue Blaes, das Stadtzentrum und das UNESCO Viertel (Grand Place und Umgebung) täglich gereinigt werden.

Für diese Arbeiten hat Brüssel zwei Maler eingestellt, die sich auf die Beseitigung von Graffiti spezialisiert haben. Es sind Jules und Matthieu und beide sind froh, einen festen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Wenn Jules und Matthieu durch die Strassen der Marolles gehen oder rund um das Unesco Viertel streifen, entgeht ihren wachsamen Augen kein Schönheitsfehler, auf den sie im Auftrag des Programms «Michel-Ange» Jagd machen: hässliche Graffiti.

Das «Michel Ange» Programm

Man nennt sie auch die modernen Michelangelos, die beiden 44 und 29 Jahre alten Männer. Sie kommen aus dem Bauwesen und setzen sich in ihrem neuen Berufsfeld mit viel Engagement ein, obwohl sie wissen, dass die Arbeit von einem ganzen Monat schon innerhalb weniger Stunden wieder mutwillig zerstört werden kann. Dessen sind sich auch die Besitzer der von Graffitischmierereien betroffenen Häuser bewusst und bewundern daher, mit welchem Schwung und Freude die beiden Männer jeden Tag aufs Neue an die mühsame Arbeit gehen.

Jules, ein Engel

Jules: «Bevor das Projekt «Michel Ange» startete, fragte ich mich oft, wo zum Teufel haben zuständige Stellen ihre Augen, um nichts gegen diese hässlichen Fassaden zu unternehmen? Bis endlich die Stadt Brüssel die Initiative ergriffen hat. Ich komme aus dem Bauwesen, wohne seit 10 Jahren in den Marolles und kenne dort jedes Haus, fast jeden Stein. Ich war froh, als ich für die Reinigungsarbeit von Graffiti eingestellt wurde. Die Schäden an den Fassaden sind erheblich und da immer wieder neue Graffitis entstehen, glaube ich, einen festen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Es macht mir Spaß, auch wenn die Arbeit mühsam ist. Es macht Freude, anschließend den Erfolg zu sehen, wenn die Fassaden wieder sauber sind.»

Matthieu, auch ein Engel

Matthieu: «Ich empfinde Graffitis fast wie eine persönliche Attacke auf meinen Schönheitssinn. Ich bin von Beruf Maler und bewundere schöne Häuser. Wenn Fassaden alter herrlicher Häuser von hässlichen Graffiti entstellt werden, so tut mir der Anblick fast weh. Als Maler muss ich beim Entfernen von Graffiti schnell arbeiten. Nach deren Beseitigung muss ich rasch zum Farbtopf greifen und mehrere Farbschichten nacheinander auf die gereinigten Stellen legen. Das muss schnell gehen, damit sich die Graffiti nicht im Stein verkrusten. Mir geht es genau wie Jules. Mir macht die Arbeit Freude, auch wenn sie mühsam ist. Denn der Erfolg ist hinterher für alle sichtbar».

Eine saubere Stadt, zwei zufriedene Michelangelos und glückliche Hausbesitzer. Wenn das kein Erfolg ist. Die Männer vom Programm «Michel Ange» haben noch viel zu tun.


Erstellt oder aktualisiert am 30. Januar 2011.
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