Am 13. November findet auf dem deutschen Soldatenfriedhof Lommel im belgischen Limburg die jährliche Gedenkfeier des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Auf der riesigen Gräberstätte ruhen fast vierzigtausend Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Aber nicht nur ihrer wird am Totensonntag gedacht, sondern aller Opfer von Krieg und Gewalt in der ganzen Welt. Eine immer wieder tief berührende Feierstunde.
Am Rande Städtchens Lommel in der Provinz Limburg, dahingestreckt zwischen Heideflächen und Kiefernwäldern, liegt einer der beiden deutschen Soldatenfriedhöfe in Belgien aus dem Zweiten Weltkrieg. Der zweite befindet sich in Bastogne. Außerdem gibt es in Belgien vier Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg: Menen, Hooglede, Langemark und Vladslo. Zusammen ruhen auf diesen Gräberstätten 175.000 Gefallene der beiden Weltkriege.
Zwanzigtausend Kreuze
In Lommel stehen zwanzigtausend Kreuze in langen Reihen auf Heidekrautbeeten. Unter jedem Kreuz ruhen zwei Tote. Die meisten starben beim Einmarsch der Deutschen in Belgien im Jahr 1940, während der Kämpfe um Aachen und im Hürtgenwald 1944 und während der Ardennenschlacht 1945. Lommel ist der größte deutsche Soldatenfriedhof des Zweiten Weltkriegs im Ausland.
Die Gefallenen wurden damals von ihren Kameraden an Ort und Stelle begraben. Die Gräber verteilten sich über 800 Gemeinden. Unmittelbar dem Krieg wurden die Toten vom amerikanischen Gräberdienst in fünf Sammelfriedhöfen beigesetzt. 1946 übertrugen die Amerikaner die provisorischen Friedhöfe der belgischen Regierung, die alle auf ihrem Hoheitsgebiet gefallenen Deutschen – bis auf achttausend, die in Bastogne blieben – nach Lommel überführte. 1952 beauftragte Belgien den Volksbund mit der Pflege des Friedhofs.
„Prediger des Friedens“
Für viele Deutsche und Belgier ist die alljährliche Gedenkfeier in Lommel ein wichtiger Augenblick der Besinnung, bevor der Winter über das heute so friedliche Europa hereinbricht. Und zum Besinnen lädt der Friedhof auch ein. Durchschreitet man das Tor neben der riesigen Kreuzigungsgruppe aus Basaltgestein, erblickt man eine unendlich scheinende Zahl niedriger Steinkreuze. Dazwischen nur vereinzelte Bäume, deren letzte, bunte Blätter auf die Gräber segeln. Auf manchen liegen Blumengebinde. Am Horizont Kiefernwälder. Aber am meisten beeindruckt die Stille an dieser Stätte. Hier wird spürbar, was einst Albert Schweizer sagte: „Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens“.
Gedenkfeier
An der jährlichen Gedenkfeier nehmen nicht nur belgische und deutsche Würdenträger und Gäste, sondern auch hohe Vertreter anderer Staaten teil, die sich im Krieg feindlich gegenüberstanden. Zu den Gästen gehören die letzten Angehörigen der meist jungen Gefallenen. Aber ihre Zahl wird kleiner – auch die Geschwister der Gefallenen, von denen viele keine zwanzig wurden, sterben nun weg.
Ab 11.45 Uhr findet in der Kapelle der Jugendbegegnungsstätte ein ökumenischer Gottesdienst statt, der diesmal von Pfarrer Wolfgang Severin und Pfarrer Reinhard Weißer aus Brüssel geleitet wird. Um 13 Uhr beginnt die eigentliche Feierstunde auf der Ehrenwiese. Nach Ansprachen von Vertretern des Volksbundes und von Pfarrer Weißer spricht Botschafter Dr. Eckhart Cuntz die traditionellen Worte des Totengedenkens für die Opfer von Krieg und Gewalt in der ganzen Welt. Es folgt die Kranzniederlegung. Musikalisch begleitet wird die Feierstunde von Schülerinnen und Schülern der Internationalen Deutschen Schule in Brüssel und von der Königlichen Musikkapelle der belgischen Marine. Junge belgische und deutsche Soldaten bilden die Ehrenformation und den Kranzträgerzug.
Gegen das Vergessen
Vor knapp sechs Jahrzehnten haben Deutsche und Belgier sich noch bekämpft. Heute stehen sie Seite an Seite an deutschen Gräbern. Dass es in Europa seit mehr als einem halben Jahrhundert keinen Krieg mehr gegeben hat, ist für uns selbstverständlich. Dass man dafür aber auch dankbar sein sollte, daran erinnert der Soldatenfriedhof Lommel. Die Gedenkfeier ist ein Signal gegen das Vergessen. Ein Grund, einmal dorthin zu fahren.
Info:
Der Friedhof liegt an der N746 zwischen Leopoldsburg und Lommel. Die Adresse: Deutscher Soldatenfriedhof, Dodenveldstraat 30, 3920 Lommel. Das detaillierte Programm der diesjährigen Gedenkfeier finden Sie hier:
http://www.ijlommel.org/deutsch/Volkstrauertag.html.
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