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Von  Margaretha Mazura

"Quasti" ist einen Ausflug wert

Das "lebende Fossil" im Afrika-Museum

Wer durch die Räume des Afrika-Museums geht, glaubt sich in einer längst vergangenen Zeit, wo ausgestopfte Tiere noch die Massen anlockten und Kinder vor dem Elefanten in Angriffsposition Reissaus nahmen. In der Abteilung "Fische & Amphibien" verweilt der duchschnittliche Besucher nur kurz: konservierte Fische haben nur geringe Attraktivität, und auch Schlangen verursachen, in Formaldhyd ausgestellt, nur wenig Sensation. 

Eine einzige Vitrine ist es, die mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie ist groß, und das Tier in ihr erschreckt durch sein Aussehen: 1.50 Meter lang, hat dieser Fisch ein drachenartiges Maul und, so scheint es, mehr Flossen als ein "normaler" Fisch. Kleiner als ein Hai oder gar ein Wal, erinnert er an Barsche, was aber wohl nur einem Ichthyologen auffallen wird. Was macht diesen Fisch nun so besonders? 

300 Millionen Jahre

Die Tatsache, dass er eigentlich ausgestorben sein sollte. Er ist ein "Quastenflosser". Das erinnert irgendwie an Schulzeiten, an Schachtelhalme – und zu Recht: beide sind nämlich ungefähr gleich alt: über 300 Millionen Jahre!

Bis 1938 glaubte die Welt der Fischexperten, das der Coelacanth (so der wissenschaftliche Name des Urfisches) ausgestorben sei. Bis die junge Museumskuratorin Marjorie Courtenay-Latimer vom Kapitän eines Fischerbootes vor der südafrikanischen Küste, der mit ihr befreundet war, angerufen wurde; er wusste um ihr Interesse an aussergewöhnlichen Fischen, und an diesem 23. Dezember 1938 war ihm tatsächlich etwas Seltenes ins Netz gegangen. Marjorie selbst war von der Schöhnheit des majestätischen Fisches hingerissen: elegantes Nachtblau mit verstreuten weissen Flecken. Sie berichtete über ihre Entdeckung einem Freund an der Rhodes Universität, James Smith, der sich später über die Entdeckung so äußerte: "Es war, als würde einem auf der Straße ein Dinosaurier begegnen". 

Bis zu diesem "Weihnachtswunder" glaubten die Wissenschaftler, der Fisch sei seit 65 Millionen Jahren ausgestorben. Er erhielt den Namen Latimeria Chalumnae, nach seiner Entdeckerin und dem Fluss, an dessen Mündung er gefischt worden war. Aber der Coelacanth machte sich rar, erst 1952 wurde ein zweites Exemplar gesichtet. Seine Seltenheit hat einen Grund: er lebt in 200 bis 600 Meter Tiefe ein kontemplatives, langsames Leben, was die Ursache seines Überlebens zu sein scheint. Der deutsche Forscher Hans Fricke beobachtete seine "Quastis" vor der Kormorenküste und vor Südafrika, aber der Fisch behält immer noch Geheimnisse für sich, zum Beispiel das seiner Fortpflanzung. 

Der "belgische" Quastenflosser im Afrika-Museum hat zwar seine Farbe und Schönheit im musealen Leben eingebüsst, aber er ist dennoch einen Sonntagsausflug wert – wo sieht man schon ein lebendes Fossil, einen wahren Fisch-"Dino"? 


Nachlese:
Hans Fricke, Der Fisch, der aus der Urzeit kam – die Jagd nach dem Quastenflosser 

Link:
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.africamuseum.be/visiting/permanentexpo/amphib


Erstellt oder aktualisiert am 21. Januar 2012.
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