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Von  Margaretha Mazura

Besuch beim wissenschaftlichen Eros

In Brüssels neuem Erotik-Museum

Brüssel hat alle möglichen und unmöglichen Museen zu bieten. Dieses fehlte noch: Das MEM – Museum of Erotics and Mythology hat nun seine Türen geöffnet, für jeden, der sich über den Kondomverbrauch im 19. Jahrhundert informieren will. Eine Privatsammlung ist nun für jedermann zugänglich und erlaubt einen Blick in die Kunst der und über die Erotik.


Dr. Martens entspricht dem Klischee eines älteren Belgiers: nicht zu groß, ein rundlich-freundliches Gesicht, joviales Lächeln, legere Kleidung. Was man ihm nicht ansieht, ist seine Sammelleidenschaft auf einem aussergewöhnlichen Gebiet: Erotika.

 

Seit mehr als 40 Jahren kauft der aus Hasselt stammende Mediziner, was Auktionskataloge unter der euphemistischen Rubrik „Curiosa“ anbieten. Er hat nun seine Sammlung in einem Haus aus dem 18. Jahrhundert in einer der kleinen Seitengassen des Sablons dem Publikum geöffnet. Das „MEM-Museum der Erotik und Mythologie“ enthält alles, was Erotik in der Kunst und die Kunst der Erotik zu bieten haben – in Museumsqualität.


Im Eingangbereich hängen japanische Shunga – erotische Farbholzschnitte. Das Kellergeschoss erinnert an die, noch Anfang des 20. Jahrhunderts „L’Enfer“ genannten Museums- und Bibliotheksbereiche, die der erotischen Kunst vorbehalten waren und nur unter spezieller Erlaubnis besichtigt werden durften – um die bürgerliche Moral nicht zu gefährden. Was allerdings die Buch- und Kunstdrucker förderte, die mit „Spezialdrucken“ spätestens seit dem Biedermeier ein gutes Geschäft machten.


Vorsicht! Alt


Das Museum beherbergt eine große Zahl japanischer Netsuke, kleine elfenbeinerne Figuren in allen erdenklichen und unerdenklichen Positionen des Liebesspiels. Daneben römische Öllämpchen aus Ton mit Liebesszenen, doppelbödige Tabatièren mit eindeutigen Darstellungen, ein chinesisches Kartenspiel mit erotischen Szenen auf dünnstem Elfenbein gemalt und, aufgrund des ursprünglich recht ephemären Gebrauchs, ein seltenes Präservativ aus Ziegenhaut aus dem Jahre 1830, bedruckt mit einer dem Gebrauch entsprechenden Szene und den Worten: Osons-nous (wagen wir es).


Vorsicht sei geboten: Das Museum enthält Gegenstände und Darstellungen, die jede viktorianische Frau in Ohnmacht fallen ließe und die manche Zeitgenossen wohl als pornographisch bezeichnen würden. Es ist daher nicht für prüde Geister geeignet, und nicht für Jugendliche unter 18 Jahren (und noch Jüngere etwa in Begleitung der Eltern). Wer jedoch für eine wissenschaftliche Führung durch Eros‘ ungeahnte Gänge offen ist, sollte den Besuch wagen.


Praktische Hinweise:

MEM – Museum of Erotics and Mythology

Do – Mo geöffnet 14.00 bis 20.00 Uhr

Rue Sainte-Anne 32, 1000 Brüssel

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.m-e-m.be

 

Fotonachweis: MEM-Museum der Erotik und Mythologie


Erstellt oder aktualisiert am 20. Mai 2012.
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