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Von  Heide Newson

Neujahrsempfang bei Belgiens Außenminister

Didier Reynders und sein Publikum

Er zieht von Lüttich nach Uccle um und steckt mitten im Umzug, dennoch war er (fast) pünktlich. Die Rede ist von Belgiens neuem Außenminister Didier Reynders, der die nationalen sowie internationalen Pressevertreter zum Neujahrsempfang ins altehrwürdige Palais d´Egmont geladen hatte.

Wo im Vorjahr Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit „belgieninfo“ von belgischen Pralinen, Fritten, Land und Leute schwärmte, war eine gigantische Bar aufgebaut, die von Medienvertreter umlagert war. Dennoch brauchte keiner Schlange zu stehen, auch nicht am Eingang des schmucken Raumes. Auf das traditionelle Neujahrsdefilee, mit Händeschütteln und steifem Protokoll, hatte Reynders verzichtet. Stattdessen, stürzte er sich gutgelaunt ins Bad der (Journalisten) Menge, die mit Spannung darauf wartete, ihn in seiner neuen Funktion zu erleben. Sie sollte auf ihre Kosten kommen, denn in seinem neuen Job als Außenminister macht sich Reynders gut.

Staatsmann von Welt

Er präsentierte sich als Staatsmann von Welt, als einer, der seine Dossiers ebenso wie Sprachen kennt. In einer kurzen Festrede legte er in seiner französischen Muttersprache los, dazu grüßte er die Gäste in einem charmant gefärbten Niederländisch und einem astreinen Englisch. Nur an Belgiens dritte Landessprache, an die Sprache Goethes, wagte er sich nicht heran. Dabei war seine Message, alterniernd in drei Sprachen, klar und deutlich. Wortgewaltig vermochte er mit seiner politische Botschaft die (journalistischen) Zuhörer zu fesseln.

Mit einer Mischung von Ernst, Humor und großer Erleichterung, sprach er über Belgien, das nun endlich eine Regierung habe. Viel gebe es mit Blick auf die Staatsreform noch zu regeln und zu tun, allerdings sei man auf dem richtigen Weg. Klare Aussagen machte er auch zu Europa. Er sprach über den Rechtsbruch Ungarns, eventuelle Sanktionen, Probleme in der Eurozone, Rettungsschirme, über den deutsch-französischen EU-Motor, die Rolle Belgiens in einem vereinten Europa, über die EU-Erweiterung und Loyalität innerhalb der Mitgliedstaaten. 

Als kompetenter „Anwalt“ Europas und seiner Finanzen machte er, der ehemalige Finanzminister, sich für den Euro, aber für den Euro im „Sixpack“ stark. Kein Staat dürfe aus der Eurozone austreten, auch Griechenland gehöre dazu. Ferner unterstrich er, dass er sich in seinem neuen Amt sehr wohlfühle, und in seiner neuen Funktion ja auf alte Bekannte stieße. Auch für die Europa-skeptischen Briten hatte er ein großes (belgisches) Herz. Gerne tausche er sich mit ihnen aus, nützlich seien für ihn deren Sicht der Dinge.

Syrien und Kongo

Dann machte er einen Sprung in die USA und zu den transatlantischen Beziehungen, die für Europa sehr wichtig seien. Sorgen mache ihm die Entwicklung in Syrien und Kongo. Länder wie Libanon, Libyen, Jordanien werde er schon bald besuchen. Mit einem Drink in der Hand stieß er sodann auf die Gesundheit seiner Gäste sowie einer guten Zusammenarbeit an.  
 
Nachdem die Champagnerkorken geknallt und erste Höflichkeiten ausgetauscht waren, plauderte Reynders locker vom Hocker in entspannter Journalistenrunde über „Kind und Kegel“, auch Privates gab er preis. Ja, der Abschied von Lüttich, wo er am 6. August 1958 das Licht der Welt erblickt hatte, falle ihm schwer. Dort war er mit zwei weiteren Geschwistern aufgewachsen, in Lüttich hatte ihn sein Vater zum Schwimmen gefahren, dort hatte er eine Sportschule besucht, Fußball und Tennis gespielt, studiert, hier war er dem damaligen Justizminister Jean Gol begegnet, hier hatte seine Politkarriere begonnen: er hinge sehr an dieser Stadt. Aber Brüssel kenne er ja politisch gesprochen auch schon seit mehr als 30 Jahren, und zum Image der belgischen Hauptstadt wolle er ebenso wie zum Gesamtbild Belgiens beitragen. 

Grußworte auf Deutsch?

Reynders war auch für Anregungen von Journalisten ganz Ohr. Einige Kollegen ließen durchblicken, dass sie sich darüber freuen würden, wenn er beim nächsten Neujahrsempfang ein paar Grußworte auf Deutsch sprechen könnte. 


Erstellt oder aktualisiert am 19. Januar 2012.
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