Stadt & Land
Drucken|Kommentieren|

Von  Sibylle Schavoir

Monsieur Unesco und sein Grand'Place

Wachsamer Hüter des Patrimoniums

Seit 1998 zählt der Grand'Place von Brüssel und das ihn umgebende Stadtviertel zum Weltkulturerbe der Unesco. Dieses touristische Zentrum Brüssels ist nicht nur Anziehungspunkt für Tausende von Besuchern, sondern ist auch Kern regen Geschäftslebens. Die Stadt Brüssel will nun Kommerz und, was neu ist, diesen mit dem Einrichten von Wohnvierteln in diesem beliebten Viertel in Einklang bringen. Ist dies möglich?

Brüssel erwartet von den Bewohnern des Unesco-Viertels, dass sie gewisse Regeln, die die Stadt aufstellt, achten und respektieren. Dazu gehört, dass die dort ansässigen Geschäftsleute ihre Schaufenster so gestalten, dass sie dem vorübergehenden Touristen schnell ins Auge fallen und dieser sich durch attraktive Artikel in den Vitrinen zu einem Besuch im Geschäft angezogen fühlt. Vor allem aber darf die Architektur der Häuser nicht verändert werden. Um diese Aspekte in Eintracht zu bringen, trat Monsieur Unesco, alias Didier Bourdouxhe, im Jahre 2009 in Szene.

«Die Hauptaufgabe meines Jobs besteht aus der Koordination. Ich vertrete sozusagen drei Dienststellen: Städtebau, Handel und Tourismus», erklärt Didier Bourdouxhe, wie Monsieur Unesco mit richtigem Namen heißt. Je nach Art seiner Mission muss er versuchen, die drei Aufgaben unter einen Hut zu bringen. «Ich kenne die verschiedenen Dossiers und fungiere sozusagen als Bezugsperson. Mein Job wurde geschaffen, weil die Nachfrage nach so einer Bezugsperson groß war. Die Menschen brauchten einen Ansprechpartner, der schnell und ohne viel amtliche Hürden und Wirrwarr überwinden zu müssen, für sie erreichbar ist.

«Ich nehme die mir anvertraute Aufgabe sehr ernst. Ich treffe die Hausbesitzer zu einem persönlichen Gespräch, sie können mit mir über ihre Probleme sprechen und wir versuchen dann gemeinsam eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden. Ich erfahre immer wieder, dass die Menschen bei einem persönlichen Kontakt schnell Vertrauen finden und helfende Ratschläge dankbar annehmen. Denn wenn sie erleben, dass ein Nachbar abgemahnt oder bestraft wird, weil er eigenmächtig oder durch falsche Beratung einer nicht kompetenten Dienststelle Änderungen an seinem Haus vorgenommen hat, dann überlegen sie es sich zweimal, bevor sie mit Umbauten anfangen ».

Didier Bourdouxhe geht seiner Arbeit aktiv und natürlich auch mit der hierfür nötigen, sprich pingeligen Sorgfalt nach. Es kommt daher auch vor, dass er nicht überall mit offenenen Armen empfangen wird. Treten dann Unstimmigkeiten auf und kommt es sogar zu drastischen Handlungen seitens der Hausbesitzer, die sich absolut nicht belehren lassen wollen,  muss Monsieur Unesco die «Cellule Contrôle» herbeirufen und dann kann das Haus unter Umständen sogar versiegelt werden.

Aber diese Fälle werden immer seltener, dank des persönlichen Kontakts mit Didier Bourdouxhe und der freundlichen Beratung und sogar finanziellen Hilfe, die die Stadt Brüssel gewähren will.  

«Wir versuchen immer, eine postive Lösung zu finden. Um die attraktive Gegend um den Grand Place auch für Wohnzwecke benutzen zu können, raten wir den Hausbesitzern, doch die oberen Etagen ihrer Häuser, die sich über den Geschäften befinden, zur Vermietung freizugeben. Das wollen die meisten Eigentümer nicht, was auch verständlich ist. Denn um einen Zugang zu den oberen Wohnungen zu bekommen, muss vieles im Haus verändert werden, wie z.B. ein eigener, vom Geschäft unabhängiger Treppenaufgang geschaffen nwerden. Das alleine kann schon sehr teuer werden. Dann springt die Stadt ein und gewährt finanzielle Erleichterungen und Hilfe».

Monsieur Unesco wird manchmal als ein «Unerbittlicher», ein «Intransigeant» beschrieben, weil er für einige Bewohner, die in der Unesco Zone leben und arbeiten, allzu gegenwärtig ist. Was er lächelnd bestätigt..

«Ja, ich bin täglich eine Stunde hier und mache meine, nach Meinung der Anwohner, unerbittlichen Runden. «Intransigeant», ja, aber mit Diplomatie und mit einer bewussten Strategie, die ich vor Augen habe. Nämlich unser reiches und einmaliges Patrimonium zu schützen, um sie an kommende Generationen weitergeben zu können.»


Erstellt oder aktualisiert am 27. Februar 2011.
zurück hoch
 

Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie den Zahlencode nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*
Kommentar schreiben
Eté Image Banner 180 x 150