Die Deutschsprachige Gemeinschaft erhält in Eupen ein neues Parlamentsgebäude. Nach ersten Vorbereitungen im Frühjahr werden seit Ende Oktober Erd- und Rohbauarbeiten am alten "Sanatorium" ausgeführt. Der Plenarsaal wird ein Neubau. Die Bauplanung sieht einen Umzug im Frühsommer 2013 vor.
Im jetzigen Parlamentsgebäude am Kaperberg 8 in Eupen herrscht akute Raumnot. Weder der Plenarsaal noch die Büros der Mitarbeiter werden den Anforderungen an eine moderne Parlamentsarbeit gerecht. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort fiel die Wahl auf das Gebäude am Kehrweg 11. Direkter Nachbar ist der Belgische Rundfunk. Das Gebäude, das 1915 als Erholungsheim für Lungenkranke errichtet wurde, ist Eigentum der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Seit 1965 diente es als Schul- und Internatsgebäude, stand aber in den letzten Jahren leer. Im Stadtbild Eupens ist das „Sanatorium“, wie es im Volksmund noch immer heißt, nicht wegzudenken. Mit dem Einzug des Parlaments erhält es nach Jahren der Verwahrlosung wieder einen besonderen Stellenwert.
Freier Blick
Bereits Ende Oktober hat die mit dem Rohbau beauftragte Unternehmensgruppe die Baustelle am Kehrweg eingerichtet. Eine eigene Zufahrt musste für die Baufahrzeuge geschaffen werden, dazu wurden Sträucher und Gestrüpp entfernt, so dass der Betrachter jetzt einen freien Blick auf die imposante Fassade des Gebäudes erhält.
Auch im Innern wird gearbeitet. Die erhaltenswerten Terrazzo-Böden werden geschützt, die Innenmauern gesäubert, entfeuchtet und abgestützt. Überflüssige Anbauten und Schächte wurden bereits abgerissen. Bereits im Frühjahr 2011 wurde das Gebäude von Schadstoffen wie Asbest, Schwermetallen und künstlichen Mineralfasern befreit. Die maroden technischen Anlagen wie Heizung, Strom- und Wasserleitungen sowie verschiedene architektonische Elemente im Inneren des Sanatoriums wurden entfernt.
Umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten
Die Rohbauphase wird schätzungsweise insgesamt etwa 260 Tage in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit werden die Abwasser- und Versorgungsleitungen neu verlegt, das Fundament und die Außenmauern des Sanatoriums erneuert und isoliert. Die Mauern und Decken werden instandgesetzt und einige nicht mehr benötigte Anbauten abgerissen. Darüber hinaus müssen alle Fenster und Türen ausgetauscht und das Dach vollständig erneuert werden.
Parallel dazu wird der vorgelagerte Neubau des Plenarsaals hochgezogen. Eine Grünfassade ist vorgesehen.
Eine Webcam
Bald werden sich neugierige Menschen nicht nur aus den Ostkantonen über den Fortgang der Bauarbeiten jederzeit „live“ informieren können. Eine Webcam wird das Gelände im Sekundentakt ablichten und diese einzelnen Fotos ohne Zeitverlust ins Netz stellen. Die Öffentlichkeit soll verfolgen können, was auf der Baustelle geschieht. Regelmäßige Berichterstattung auf der Website des Parlaments und viele Fotos von den Arbeiten werden den Werdegang dokumentieren. Später sind auch Baustellenbegehungen geplant. Politik und Verwaltung wollen so weit wie möglich über den Fortschritt der Arbeiten berichten.
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