Jedes Jahr aufs Neue ist es eine kleine Sensation für die Bürger Brüssels und für die Ornitologen, wenn das bekannte Wanderfalkenpärchen zu ihrem Brutort, der Kathedrale Saints Michel et Gudule zurückkehrt. Alle haben auf sie gewartet, alle haben sich gefragt: Werden sie auch dieses Jahr wiederkehren? Sind sie gesund geblieben? Oder haben sie vielleicht einen anderen Brutplatz gefunden?
Nein, das haben sie nicht. Sie sind zurückgekehrt an ihren alten Platz, einem 50 Meter hohen Turm der berühmten Kathedrale Saints Michel et Gudule. Hier brüten sie nun schon seit sieben Jahren.
Der Empfang für die beiden Falken wurde sorgfältig vorbereitet, denn 2010 kamen 25 000 Besucher, um an diesem Naturereignis teilnehmen zu können. «Wir rechnen auch in diesem Jahr mit einer ebenso hohen Besucherzahl, wenn nicht gar mehr», meint der Ornithologe Didier Vangeluwe. «Es ist schön zu beobachten, wie sehr die Menschen von der Wiederkehr der Vögel berührt sind.»
Von einem Beobachtungsposten aus können die Besucher dank der Einrichtung spezieller Kameras in das Nest der Falken hineinsehen. Fünf Eier, rot wie Ziegelsteine, hat das Falkenweibchen inzwischen gelegt. Die Besucher können nun die Brutzeit beobachten und zuschauen, bis die Jungen aus dem Ei schlüpfen.
Grenzgänger
Seit den 70er Jahren wurden von den Ornithologen in Belgien keine Falken mehr gesichtet. Erst 1994 kamen sie zurück. Das war ein gutes Zeichen. Bewies dies doch, dass unsere Umwelt sauberer geworden ist. Das Benutzen gefährlicher Pestizide wurde verboten, europäische Direktiven zum Schutze der Natur respektiert und begeisterte Tierschützer arbeiteten an Programmen, die die Rückkehr dieser Vogelart nach Belgien ermöglichen sollten.
Das Falkenmännchen trägt einen Ring, von dem die Ornithologen mittels der Kamera feststellen konnten, dass dieser Falke schon seit dem Jahre 2004 zur Kathedrale kommt. Aus dem Ring des Falkenweibchens geht hervor, dass es aus Herdecke in Deutschland stammt und 223 km bis zum Brutplatz der Saints Michel et Gudule zurückgelegt hat. Eine stramme Leistung, bewundern die Besucher und reihen sich geduldig in die Schlange vor dem Beobachtungsposten an der Kathedrale ein, um einen Blick in das Falkennest werfen zu können.
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