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Von  Silke Grammatikos

Ganzkörper-Arbeit im Museum

Technopolis in Mechelen macht Naturwissenschaft begreiflich

Seit zehn Jahren gibt es  das Museum „Technopolis“ in Mechelen inzwischen – und es bleibt ein Dauerbrenner. Ähnlich wie in der „Die Sendung mit der Maus“ seit über 40 Jahren und seit etwas mehr als 10 Jahren in der Serie „Wissen macht AH!“ werden im Technopolis komplizierte technische und naturwissenschaftliche Phänomene einfach erklärt. Das liegt voll im Trend, nicht nur bei Kindern. Und kinderleicht zu finden ist es auch.

Nur zwanzig Minuten braucht man von Brüssel bis ins Museum. Man fährt vom Autobahnring Richtung Antwerpen (E 19), Ausfahrt 10 (Mechelen Süd, Technopolis ist dort bereits ausgewiesen) rechts heraus und am ersten Kreisel gleich wieder rechts. Kinderleicht.

Der Mittwochnachmittag, den wir dieses Mal für unseren Besuch ausgewählt haben, stellt sich als ideal heraus. Es ist immer der ruhigste Tag der Woche, denn am kurzen belgischen Schultag machen die Schulklassen kaum Ausflüge ins Museum. An Schultagen dagegen, das erklärt uns einer der vielen hilfreichen Mitarbeiter des Technopolis-Teams, zählen sie etwa 800 bis 1000 Besucher, an den Wochenenden im Schnitt 2000, an richtig guten Tagen auch schon mal 3000 Wissenshungrige, die sich auf den verschiedenen offenen Ebenen des weitläufigen Gebäudes tummeln. Dann wird es eng, die Wartezeiten werden lang, das Gedränge ist groß.

Erfahrung mit allen Sinnen

Heute aber können wir uns frei bewegen, alle Stationen stehen uns offen, vieles probieren wir mehrfach. Zum Beispiel „Walking on the Moon“. Das ist eine der vielen Stationen, an denen man „Ganzkörper-Arbeit“ leistet, mit allen Sinnen erfahren und lernen darf. Das Motto des Museums überzeugt: Was ich nur höre, vergesse ich, was ich auch sehe, daran erinnere ich mich, was ich selbst ausprobiere, das verstehe ich. So steht das Ausprobieren und Experimentieren hier immer im Vordergrund – was nicht wenige Kinder zum reinen Spielen verleitet. Warum auch nicht? Spielend am eigenen Leibe erfahren ist kein schlechtes Konzept.

Es lohnt sich aber auch, hin und wieder einen Blick auf die Infotafeln zu werfen: Vorbildlich dreisprachig und verständlich erfahren wir beim „Moonwalk“, dass die Anziehungskraft auf dem Mond sechsmal geringer ist als auf der Erde und wir uns daher dort sechsmal leichter fühlen. Genau dieses wunderbare Gefühl wird hervorgerufen, wenn wir in einer Art Fallschirmverschnallung durch den Raum hüpfen oder schweben. Ein bisschen ist es wie Trampolinspringen, bei dem man versucht, vorwärts zu kommen.

Sprint gegen Hund

Gleich daneben gibt es noch eine Bewegtes-Lernen-Station. Hier kann man in einem Sprint gegen Hund, Fliege oder Schaf antreten: Schaf ist zu schlagen, Hund unerwartet flott, Fliege schnell wie der Blitz. Was ist das Beste am Museum? befragten wir ein paar etwa zehnjährige Jungs. Moonwalk und Sprint waren die klaren Favoriten, nicht etwa die vielen technischen Geräte oder Simulationscomputer.

Ein paar Meter entfernt von uns steht ein cooler roter Sportwagen, der ständig von einem Haufen Halbwüchsiger belagert ist. Ein zweites Auto daneben hat eckige Räder. Wenn man sich in diesem Gefährt vorwärts bewegt hat, weiß man die Erfindung des Rades wieder sehr zu schätzen.

Ein Teil des Raumes ist stets einer Sonderausstellung gewidmet, zur Zeit beschäftigt sie sich mit dem Van-de-Graaff-Generator, der einem die Haare zu Berge stehen läßt. Unsere Aufnahmefähigkeit lässt jedoch nach zwei Stunden bereits langsam nach und es liegt noch viele Interessantes vor uns. Um die rund 280 Stationen alle durchzuprobieren, braucht man gut vier Stunden, weiß unser freundlicher Technopolis-Mitarbeiter.

Mitmachausstellung zum Thema Sex

Also lassen wir die Sonderausstellung links liegen und üben uns in Balanceakten. Was passiert, wenn links plötzlich rechts und rechts links ist? Setzt man eine „Verkehrt-herum-Brille“ auf, läuft man wie schwer betrunken durch die Gegend und kann sicherlich keiner Linie folgen. Trägt man solche Gläser allerdings jahrelang, würde sich das Gehirn daran gewöhnen und umschalten. Erstaunlich.
 
Wie fühlt sich ein Fakir auf seinen Nägeln? (Gar nicht so unangenehm für ein paar Sekunden.) Wer traut sich, auf einem Drahtseil mit einem Fahrrad über die Köpfe der Besucher hinweg zu radeln? (Ich nicht.) Wie schnell muss man radeln, damit man genug Energie produziert, um eine Lampe (geschafft!), einen Mixer (na ja) oder einen Fernseher (keine Chance) zum Laufen zu bringen?

Die vier Stunden sind längst vorbei und wir immer noch nicht durch. Vielleicht ist das aber auch gar nicht sinnvoll? Weniger ist mehr – und man kann ja noch einmal, zweimal, dreimal wieder kommen und weiter experimentieren. Zumal es eine neue Attraktion gibt: Eine Mitmachausstellung für die 10- bis 14-jährigen zum Thema Sex – na dann, nichts wie hin!

 

Infos:

Emplacement
O  4° 28' 12"
N 51° 00' 09"

Tél.: +32 (0) 15 - 34 20 00
Fax: + 32 (0) 15 - 34 20 01

Technopolis
Technologielaan
B-2800 Mechelen

Link:
www.technopolis.be/eng/index.php


Erstellt oder aktualisiert am 08. Januar 2012.
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