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Von  Sibylle Schavoir

Franzosen strömen über die Grenze

Tabakwaren in Belgien billiger

Seit in Frankreich die Preise für Tabakwaren um 6 Prozent erhöht wurden, steigt die Nachfrage nach Zigaretten und Tabak an der belgischen Grenze erheblich. Denn in Belgien sind Tabakwaren billiger. In Städten wie Bouillon fühlen sich die Franzosen wie im Schlaraffenland. Und die belgischen Tabakverkäufer erleben einen wahren Verkaufs-Boom.

Ein französischer Kunde, Bruno aus Rethel (F) freut sich: «Bei uns kosten 200 Gramm Tabak 26 Euro. Hier in Belgien kosten 800 Gramm Tabak nur 48 Euro. Machen Sie mal die Rechnung! Da lohnt sich die Fahrt nach Belgien schon.»

Es stellt sich die Frage, ob die belgische Zigaretten weniger gesundheitsschädlich sind als die französische?

«Wir sind nicht allein auf der Welt»

Da können Bruno und René aus Rethel nur lachen und machen eine abwehrende Handbewegung. «Natürlich nicht. Aber was soll's. Wir sind nicht die Einzigen auf der Welt, die von der Zigarette oder Pfeife nicht loskommen. Und da das Rauchen bei uns zu Hause in Frankreich immer teurer wird, kommen wir eben nach Belgien. Überlegen Sie mal: In Frankreich kostet ein Päckchen mit 20 Zigaretten zwischen 5 und 6 Euro. In Belgien kostet ein Päckchen 3,90 Euro», sagt Bruno und freut sich.

«Ich rolle meine Zigaretten selbst und kaufe in Belgien losen Tabak, das ist noch billiger als ein Päckchen Zigaretten», sagt René. «Bruno kauft sich seine Zigaretten und ich meinen Tabak. Der Vorrat reicht für einen Monat, die Fahrkosten nach Belgien teilen wir uns. Wir sind froh, so eine gute Lösung gefunden zu haben. Das Leben ist schon teuer genug.»

Regale anbauen

Madame Valérie Petit ist Besitzerin des Cafés Vauban in Bouillon. «Ich habe vor drei Jahren mein kleines Café eröffnet und habe immer nebenbei auch Tabakwaren verkauft. Ich begann mit einem kleinen Vorrat, der in ein Regal passte. Inzwischen muss ich Regale anbauen, so sehr steigt die Nachfrage an Tabakwaren. Und ich möchte doch alle Kunden sofort bedienen können. Es ist geradezu verrückt. Innerhalb von zwei Tagen verkaufe ich 40 Stangen Marlboro light. Früher verkaufte ich gerade einmal 10 Stangen. 90 Prozent meiner Kunden sind Franzosen. Manche von ihnen kommen sogar aus Paris oder der Bretagne. Denn ich verkaufe nicht nur Tabakwaren, sondern auch Zubehör wie Feuerzeuge, Zigarettenetuis und Zigaretten-Roller.

Madame Valerie Petit ist im siebten Himmel. « Den allergrößten Preisunterschied findet man beim Camel-Tabak. Bei uns kosten 200 Gramm gerade einmal 15 Euro, in Frankreich 39 Euro. Wenn das kein Unterschied ist.»

Was dem einen Freude, ist des anderen Leid. Denn wie eine Apothekerin richtig sagt: «Ich kenne die Risiken, die das Rauchen mit sich bringt. Für mich gibt es nur eine Lösung, damit die Menschen endlich mit dem Rauchen aufhören. Es darf kein Tabak mehr verkauft werden».

Aber wer hört schon auf die Warnungen, wenn die Sucht schon zu groß ist. Seit dem Jahr 2005 hat sich die Zahl der Raucher in Frankreich von 31,8 auf 33,5 Prozent erhöht. In Frankreich sterben jährlich 66 000 Menschen am Nikotinmissbrauch. Ob ein Kaufverbot den Tabakkonsum wirklich stoppen kann? Schwarzmarkt und verbotenen Handel gab und wird es immer geben. Wohl dem, der da sagen kann: «Ich pfeife auf's Rauchen».


Erstellt oder aktualisiert am 12. Januar 2011.
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