Gesundheit
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Von  Christoph Niekamp

Europameister der Herzen

Belgien ist Spitzenreiter bei Organspenden

Fast 26 Organspender pro eine Million Einwohner. Ein Rekord. Nirgendwo sonst in Europa werden prozentual gesehen so viel Organe gespendet wie in Belgien. In Deutschland sind es nur 14 Spender pro eine Million Einwohner. Am ersten Samstag im Juni macht der Tag der Organspende wieder auf das viel diskutierte Thema aufmerksam. Das Vorbild Belgien zeigt, was sich noch verbessern kann.

Acht Transplantationszentren gibt es in Belgien. Eines davon ist die Universitätsklinik in Löwen. Bruno Desschans ist Spezialist für die Transplantation von zwei Organen (z. B. Herz und Lunge) innerhalb einer Operation und koordiniert die Transplantationen in der Universitätsklinik Löwen. Jeden Monat gehen die Ärzte in andere Krankenhäuser, um mit Kollegen über das sensible Thema zu sprechen. Und vor allem darüber, wie man es richtig vermittelt. „Es ist wichtig die Familien und Angehörigen für das Thema zu sensiblisieren“, sagt Desschans.

Anders als in Deutschland, wo die Zustimmungslösung gilt (der Betroffene muss also ausdrücklich einer Organspende zugestimmt haben), ist es in Belgien die Widerspruchsregelung. Das heißt: Jeder Belgier ist nach seinem Tod automatisch Organspender. Gleiches gilt für Ausländer, die länger als sechs Monate in Belgien wohnen. „Das ist eines der besten Gesetze, die wir haben. Wer nichts tut und nicht widerspricht ist automatisch Organspender“, meint Bruno Desschans, „und die meisten widersprechen nicht.“ So kommt es zur Rekordzahl von allein 93 Spendern im April 2012.

Dr. Guy Alexandre – Ein Pionier der Organtransplantation

Löwen blickt auf eine lange Tradition der Organtranplantation zurück. Im Juni 1963 übertrug der Chirug Dr. Guy Alexandre erfolgreich die Niere eines hirntoten Spenders. Eine Weltneuheit. Und Zündstoff für eine Diskussion, die bis heute andauert: Ist ein hirntoter Patient wirklich tot, auch wenn sein Herz noch schlägt? Trotzdem ebnete der belgische Arzt Guy Alexandre damit den Weg für die moderne Organtransplantation.

Der heutige Operationsalltag ist nicht mehr mit den 60er Jahren zu vergleichen. Bruno Desschans lacht. „Da hat sich eine Menge verändert, aber ich arbeite erst seit sieben Jahren hier.“ Besonders die Medikamente gegen die Abstoßung der Fremdorgane haben sich enorm verbessert. 30 Prozent aller belgischen Transplantationen und etwa eben so viele Organentnahmen finden in der Uniklinik Löwen statt.

Eurotransplant – Netzwerk für Organspenden

Vor genau 45 Jahren, im Jahre 1967 gründete sich das Netzwerk Eurotransplant im Niederländischen Leiden. Seitdem bekamen in den sieben beteiligten Ländern (Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien) mehr als 120.000 Menschen das passende Spendeorgan.

Im Zentralen Computer in Leiden wird berechnet, welcher Patient am besten zum Spenderorgan passt. „Sobald wir von Eurotransplant benachrichtigt werden, wo das Organ hin soll, muss es schnell gehen“, erklärt Transplantationenkoordinator Bruno Desschans. Im Durchschnitt kann das Organ nur 10 bis 12 Stunden konserviert werden. Forscher arbeiten daran, einen möglichst langen Transport zu ermöglichen. Bruno Desschans ist zuversichtlich: „Wir können noch viel verbessern.“

Fotos: UZ Leuven; Archiv


Erstellt oder aktualisiert am 02. Juni 2012.
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