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Von  Dieter W. Volkmar

Erinnerung an den Maler Felix Nussbaum

Zwei "Stolpersteine" in der Rue Archimède

Die Rue Archimède – Verbindung zwischen dem Rond Point Schuman und dem Square Ambiorix – ist wohl eine der wenigen Straßen in Brüssel, wo das Pflaster des Bürgersteigs so gleichmäßig glatt und gut verlegt ist, dass Stolpern quasi ausgeschlossen ist. Und ausgerechnet hier rückte letzte Woche ein Team des Brüsseler Straßenbauamtes an, um Pflastersteine herauszustemmen, damit der deutsche Künstler Gunter Demnig sie durch zwei seiner „Stolpersteine“ ersetzen konnte.


Demnig setzt seine „Stolpersteine“ so passgenau ein, dass auch weiterhin kein „normales’’ Stolpern zu befürchten ist. Vielmehr sollen die Passanten im übertragenen Sinne über die Steine „stolpern“: Sie sollen aufmerksam werden, die Inschrift auf dem Stein lesen, erinnert werden an die Greueltaten des Naziregimes und der Opfer der Shoah gedenken. So gesehen trifft der französische Ausdruck „Pavés de la mémoire“wohl eher den Sachverhalt. Aber zumindest in Deutschland ist der „Stolperstein“ inzwischen ein fester Begriff mit eben dieser Bedeutung geworden.

 

Am Anfang: ein Jugendwettbewerb


Die beiden neu gesetzten Pflastersteine in der Rue Archimède erinnern an den 1904 in Osnabrück geborenen Maler Felix Nussbaum und seine Frau Felka Platek, die von 1937 bis 1944 (mit Unterbrechungen) im Haus Nummer 22 wohnten. Trotz ihres Verstecks in der Mansarde wurden sie dort verhaftet und nach einem Monat im Lager Mechelen mit dem letzten Transport aus Belgien am 31. Juli 1944 nach Auschwitz deportiert und wenige Tage später umgebracht.


In Auftrag gegeben wurden diese beiden „Stolpersteine“ von der aus Bonn stammenden Ruth Breuer, die seit 1964 in unmittelbarer Nachbarschaft zu der letzten Wohnung von Felix Nussbaum lebt. Sie hatte von den „Stolpersteinen“ gehört und an der Wand des Hauses Nummer 22 in der Rue Archimède eine Gedenktafel für Felix Nussbaum entdeckt. Diese Gedenktafel war das Ergebnis eines Projektes der Internationalen Deutschen Schule Brüssel: „Felix Nussbaum im Exil in Brüssel – eine Spurensuche“, wofür sie den mit 1.000 Euro dotierten dritten Preis des Jugendwettbewerbs „DenkT@g 2008“ der Konrad-Adenauer-Stiftung entgegen nehmen konnte.

 


Weitere Informationen

 

Die ersten fünf „Stolpersteine“ kamen übrigens 2009 nach Brüssel. Bella Silovy-Swiatlowski hatte bei einem Berlinbesuch „Stolpersteine“ entdeckt, sich sofort für das Projekt interessiert und die ersten zwei Steine mit den Namen ihrer Eltern bestellt. Zusätzlich sprach sie mit Freunden von der „Association pour la Mémoire de la Shoah“, die drei weitere Steine in Auftrag gaben. Seitdem ist diese Vereinigung zuständig für Bestellung und Verlegung von „Stolpersteinen“ in Belgien. In 2010 waren es 22, in diesem Jahr sind 19 hinzugekommen.


Von 1996 bis heute sind über 30.000 dieser etwa 10x10 cm großen Betonquader verlegt worden sind, die überwiegende Mehrzahl in Deutschland – zur Zeit in 655 Orten – aber auch in vielen Städten Europas. Durch die Eingravierung von Name, Geburtstag, Geburtsort, Todestag und Todesort in die Messingabdeckung ist jeder „Stolperstein“ ein Unikat.




Mehr über Felix Nussbaum und einige seiner bekanntesten Gemälde finden Sie über folgenden link: http://denktag2008.denktag.de/Startseite_Teilnehmerbeitrag.1860.0.html


Mehr über S„Stolpersteine“ und Gunter Demnig finden Sie unter: http://www.stolpersteine.com


Wenn Sie selbst einen „Stolperstein“ in Belgien sponsern und bestellen wollen:

http://www.restitution.be/email-2.html


Erstellt oder aktualisiert am 27. Juli 2011.
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