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Von  Alain Kniebs

Elio Di Rupos belgischer Traum

Vom Einwanderer-Sohn zum Regierungschef

Elio Di Rupo ist Belgiens neuer Premierminister. Seit Jahren gehört der sozialistische Spitzenpolitiker zu den festen Größen der belgischen Politik. Seine Lebensgeschichte ist bemerkenswert: Als Sohn eines italienischen Einwanderers lebt er in ärmlichen Verhältnissen in der Wallonie der 1950-ger Jahre auf, wird Doktor der Chemie und später Politiker. Als erster Minister weltweit bekennt er sich mit 40 Jahren – notgedrungen – zu seiner Homosexualität. Heute ist er 60. Ein Porträt.

 

Im Juli 1951 wird Elio Di Rupo geboren. In ärmlichen Verhältnissen. Er wächst in einer Holzbaracke auf in Morlanwelz in der Provinz Hennegau. Er ist das jüngste von insgesamt sieben Kindern einer Einwandererfamilie aus den italienischen Abruzzen. Als Elio Di Rupo ein Jahr alt ist, stirbt sein Vater. Die Mutter muss ihre Kinder weggeben, nur den kleinen Elio behält sie.

 

Di Rupo wird Doktor der Chemie, doch er startet keine wissenschaftliche Laufbahn, sondern entscheidet sich für die Politik. Mitte der 80er Jahre wird er Schöffe in seiner Heimatstadt Mons. Schon damals trägt der sozialistische Politiker sein persönliches Kennzeichen: die rote Fliege.


Die rote Fliege

 

Anfang der 90er wird Elio Di Rupo zum ersten Mal Minister. In der Französischen Gemeinschaft, zuständig für das Bildungswesen. 1994 wird er ins föderale Kabinett berufen. Er ersetzt Guy Coëme, der im Zuge der Agusta-Schmiergeldaffäre zurücktreten muss.

 

Zwei Jahre später dann der bisher schwerste Rückschlag für Di Rupo. Im Zuge der Dutroux-Affäre wird ihm Kindesmissbrauch vorgeworfen. Völlig zu Unrecht wie sich später herausstellt. Die Anschuldigungen waren einzig und allein das Werk eines Fabulierers. Als einer der ersten Politiker weltweit wagt Elio Di Rupo dann sein Coming-out und bekennt sich zu seiner Homosexualität.

 

Auf und ab

 

1999 wird Di Rupo wallonischer Ministerpräsident und bringt den Zukunftsvertrag für die Wallonie auf den Weg. Nur ein Jahr später wird er Parteichef der sozialistischen PS. 2004 dann der große Erfolg der Parti Socialiste bei den Regionalwahlen. Nur ein Jahr später stürzt die PS in die größte Krise der Parteigeschichte. Grund sind die Affären rund um die Wohnungsbaugesellschaft von Charleroi – die „Carolorégienne“. Mittendrin der damalige wallonische MP und PS-Spitzenpolitiker Jean-Claude Van Cauwenberghe. Elio Di Rupo muss aufräumen in seiner Partei.

 

2007 muss die PS eine herbe Wahlniederlage einfahren, schafft es aber trotzdem in die Regierung Leterme. Bei der vorgezogenen Neuwahl im Juni 2010 ist Elio Di Rupos PS der große Wahlsieger im Süden des Landes. Weil Bart de Wever, der Wahl-Gewinner aus dem Norden aber keine Ansprüche auf den Posten des Premierministers erhebt, richten sich schon am Wahlabend des 13. Juni 2010 alle Blicke auf Elio Di Rupo.

 

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Erst 540 Tage später hat Elio Di Rupo sein Ziel erreicht. Er musste dafür unter anderem die längste politische Krise des Landes in Kauf nehmen.

 

Alain Kniebs ist Redakteur des deutschsprachigen belgischen Rundfunks BRF. Hier finden Sie seine vollständige Öffnet externen Link in neuem FensterHörfunk-Reportage mit Originaltönen.


Erstellt oder aktualisiert am 11. Dezember 2011.
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