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Von  Egon C. Heinrich

Ein Leben für Bayern und Belgien

Zum Tode von Prof. Dr. Georg Pröpstl

Vor wenigen Tagen ist der Gründer, der langjährige Präsident (von 1986 bis 1997) und Ehrenpräsident der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft (BBG), Prof. Dr. Georg H. Pröpstl im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Brüssel-Forest verstorben. Sein Name ist untrennbar verbunden mit der Vertiefung und der Erforschung der vielfältigern historischen Beziehungen zwischen Belgien und Bayern.

Beruflich war Prof. Dr. Pröpstl Naturwissenschaftler. In dieser Eigenschaft hatte er lange Jahre als Beamter der Europäischen Kommission im Forschungsbereich gearbeitet. Seine Lebensaufgabe sah der 1919 in dem Ort Beratzhausen in der Oberpfalz geborene Bayer und überzeugte Europäer jedoch in der Gründung und Leitung der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft. Wie gut er gemeinsam mit seiner Frau Dr. Ellen Pröpstl diesen Schritt vorbereitet hatte, zeigte sich auf der Gründungsversammlung der Gesellschaft im April 1986: 83 Belgier und Deutsche, die sich den gleichen Zielen verschrieben hatten, nahmen daran teil. Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf über 300 angewachsen.

Der damalige belgische Ministerpräsident Wilfried Martens und sein bayerischer Kollege Franz-Josef Strauß hatten die Initiative von Prof. Pröpstl sehr begrüßt. Selbst König Baudouin zeigte sich sehr interessiert an dieser Plattform für die Begegnung der Menschen aus beiden Ländern.

 

Hohe Auszeichnungen aus beiden Ländern

Die Anerkennung durch die staatlichen Institutionen blieb denn auch nicht aus. So wurde Prof. Pröpstl vom Freistaat Bayern mit der „Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem vereinten Europa“ und mit dem „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ausgezeichnet. Von belgischer Seite wurde ihm der Orden “Chevalier de l`Ordre Léopold“ verliehen.

Mit großer Leidenschaft war Pröpstl auf die Suche nach historischen Quellen und Zeugnissen gegangen, mit denen er die engen Beziehungen zwischen beiden Regionen nachweisen konnte. So hatten sich letzten Endes im Hause Pröpstl mehr als 1000 Bücher und Schriften angesammelt. Diese bilden seit 2007 den Grundstock für die Bibliothek der BBG im Turmzimmer der EU-Vertretung Bayerns im Park Leopold.

Den sehr intensiven Verflechtungen zwischen Belgien und Bayern ist die Gesellschaft auf mehreren wissenschaftlichen Kolloquien nachgegangen. So dürfte nur wenigen Belgiern und Deutschen bekannt sein, dass der weltbekannte Grand`Place in Brüssel unter dem Bayerischen Kurfürsten Max Emanuel am Ende des 17. Jahrhunderts in nur wenigen Jahren wieder aufgebaut wurde, nachdem das historische Zentrum Brüssels von der französischen Armee in Schutt und Asche gelegt worden war.

 

Ein Preis trägt seinen Namen

Nachdem Prof. Pröpstl nach 11 Jahren aus Gesundheitsgründen nicht mehr Präsident der BBG sein konnte, wurde diese Funktion 1997 von der damaligen CSU-Europa-Abgeordneten und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Ursula Schleicher, übernommen. Seit über einem Jahr ist nun der junge belgische Prinz Albert-Henri de Mérode Präsident der BBG. Vizepräsident ist mit Comte de Looz-Corswarem ebenfalls ein Belgier. Die Mehrheit der Vereinsmitglieder sind allerdings Deutsche.

Bereits vor einigen Jahren hat die BBG einen „Georg-Pröpstl-Preis“ gestiftet. Damit sollen Menschen oder Einrichtungen ausgezeichnet werden, die sich besonders für die belgisch-bayerischen Beziehungen engagiert haben. Bei der ersten Preisverleihung wurden die Partnerschaften zwischen mehreren Kommunen aus beiden Ländern prämiert.

Der Vorstandssprecher der Gesellschaft, Folkert Herlyn, beendete seine Würdigung von Prof. Dr. Pröpstl bei der Trauerfeier in der Kirche Saint-Denis in Brüssel-Forest mit folgendem Versprechen: „Der Geist des Ehepaares Pröpstl ist in uns. Als deren Jünger entwickeln wir uns weiter ohne dessen Ziele aus den Augen zu verlieren.“

Foto: Folkert Herlyn


Erstellt oder aktualisiert am 11. Juni 2012.
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