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Von  Margaretha Mazura

Ein Jubiläum: 15 Jahre Dorotheum in Brüssel

Vom "Pfandl" zum internationalen Auktionshaus

Man nennt sie “Hôtel de Ventes” oder “Auctioneers”, und es gibt viele davon in Belgien. Diese Auktionshäuser versteigern meistens Nachlässe sehr unterschiedlicher Qualität. Wer nicht unbedingt billig “ein Schnäppchen machen” will, kann sich im Brüsseler Dorotheum umschauen. Fachberatung, erstklassige Objekte und eine große Auswahl machen dieses Haus seit 15 Jahren zu einer Spitzenadresse des Kunsthandels.

1707 von Joseph I. als "Versatz- und Fragamt zu Wien" gegründet, übersiedelte das Dorotheum 1787 in das ehemalige Dorotheerkloster, von dem es seinen bis heute beibehaltenen Namen erhielt. Einer Anekdote zufolge habe Kaiser Joseph II. versucht, unerkannt seinen Hut zu verpfänden, um sicherzugehen, dass das Dorotheum auch wirklich armen Leuten helfe (und nicht nur aristokratischen Spielschuldnern). So gab er 1787 die Order: fürderhin stehe das Haus allen Bevölkerungsschichten offen.

"Tante Dorothee"

Wer immer in Geldnöten war, ging zur "Tante Dorothee", die goldene Ringe oder Armbanduhren unbürokratisch "versilberte" und so über Cashflow-Probleme hinweghalf. (Das tut sie übrigens bis heute in ihrer Abteilung Pfandleihe.)

1901 nahm Kaiser Franz Joseph die feierliche Eröffnung des neuen Hauses im neobarocken Stil des Ringstrassenarchitekten Emil Ritter von Förster vor. Die prunkvollen Räumlichkeiten entsprachen mehr den Anforderungen eines traditionellen Auktionshauses, mit großzügigen Schauräumen, wo sich "tout Vienne" traf. Die Nazizeit hinterließ dunkle Flecken und Fragen: Wurde im Dorotheum nicht auch unrechtmäßig beschlagnahmtes oder zurückgelassenes jüdisches Eigentum versteigert? Aber als öffentliche Institution war die Aktionsfreiheit eingeschränkt und kann nicht an heutigen Maßstäben gemessen werden. Heutzutage hat das Dorotheum eine Abteilung für Provenienzforschung eingesetzt, um eventuellen illegalen Verkäufen vorzbeugen.

Seit 2001 privatisiert, ist das Dorotheum nicht nur das weltweit älteste Auktionshaus, sondern mit seinen 600 Auktionen in 40 Sparten auch das wichtigste im deutschsprachigen Raum. Mit seiner Expansion in bisher 8 europäische Länder und Israel setzt es ein Zeichen zur Internationalisierung. Im Vergleich zu seiner 304 Jahre alten Geschichte ist der Brüsseler Standort mit seinem 15-Jahr-Jubiläum geradezu ein "Teenager". Allerdings einer mit Bedeutung:

Jugendstil, ein traditionelles Bindeglied

"Brüssel ist im Herzen der europäischen Idee. Und Belgien hat Tradition, sowohl im Bereich Alte Meister wie auch im modernen Design", sagt Gräfin Honorine d'Ursel, Geschäftsführerin des Dorotheums Brüssel. "Nicht zu vergessen den Jugendstil, ein traditionelles Bindeglied zwischen Brüssel und Wien".

Sechs Mal im Jahr werden Auktionen durchgeführt, die Kunstliebhaber vor allem aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden anlocken. Für den österreichischen Markt hingegen sind die flämischen Maler des 17. Jahrhunders ein "Renner". "Eines meiner Lieblingsbilder war 'Gräfin Manchester und ihre Schwester' von Van Dyck, das für 85.000 Euro den Besitzer wechselte", erzählt d'Ursel, "und das teuerste und vermutlich originellste war dieses Jahr im Mai Enrico Castellanis ’Weiße Oberfläche No. 22', die 400.000 Euro einbrachte". Und was sind die Zukunftspläne? "Den Brüsseler Standort zu einer Benelux-Repräsentanz zu erweitern", wenn es nach Honorine d'Ursel geht.

Weiße Oberfläche No. 22

Wer mehr über das Öffnet externen Link in neuem FensterDorotheum und seine Angebote erfahren möchte, kann die mehrsprachige Website besuchen oder direkt die Öffnet externen Link in neuem FensterBrüsseler Dependance aufrufen. Dort kann man auch die Termine erfahren, an denen man seine Kunstwerke schätzen lassen und zum Verkauf anbieten kann.

P.S. Und wer sich wie ich fragt, was denn ein "Fragamt" sei, dem antwortet das Deutsche Rechtswörterbuch: "Einem Versatzamte in früherer Zeit beigegebenes Amt zur Vermittlung von Verkäufen".


Erstellt oder aktualisiert am 22. September 2011.
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