Recht
Drucken|Kommentieren|

Von  Stefan Schittko

Ein Herz für Europa

Organspenden und Widerspruchsrecht in Belgien

Habe ich meinen Reisepass eingesteckt? Ein D-Schild am Auto? Genug Landeswährung für die ersten Tage im Ausland? Solche Überlegungen sind heutzutage für viel Reisen innerhalb Europas überflüssig geworden. Eine äußerst wichtige und nach wie vor aktuelle Frage stellt sich hingegen kaum jemand, der ins Ausland reist: Was passiert mit meinem Körper, falls ich bei einem Unfall getötet werden sollte?

Es kann jeden treffen und ist nicht planbar. Ein plötzlicher Unfall reißt einen aus dem Leben. Planbar ist lediglich, was danach geschehen soll, denn als Unfallopfer wird man zum potentiellen Organspender. Hier gibt es in Europa zahlreiche unterschiedliche Regelungen, die auch auf Ausländer entsprechend angewandt werden.

In Deutschland wird nur derjenige zum Organspender, der zu Lebzeiten seine Bereitschaft zur Organspende erklärt hat. Hierfür ist ein Organspendeausweis, wie man ihn beispielsweise bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bekommt, geeignet. Trägt ein Unfallopfer keinen solchen Ausweis bei sich, werden Angehörige befragt, die Zustimmung oder Ablehnung der Organspende nicht nach der eigenen Meinung geben sollen, sondern nach dem Willen des Verstorbenen. Die deutsche Herangehensweise wird als „erweiterte Zustimmungsregelung“ bezeichnet.

In Belgien hingegen gilt die „Widerspruchsregelung mit Einspruchsrecht der Angehörigen“. Das bedeutet, dass jeder, der nicht zu Lebzeiten einer Organentnahme widersprochen hat, ein Organspender ist. Der Organspende widerspricht man, indem man sich in einem Widerspruchsregister einträgt oder ein Papier mit sich führt, das die Ablehnung der Organentnahme deutlich macht. Auch Angehörige können in Belgien eine Organentnahme ablehnen, was freilich nur dann geschehen kann, wenn Angehörige im Moment der Entscheidung überhaupt zugegen sind.

 

Todesfeststellung

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen belgischen und deutschen Bestimmungen besteht in der Todesfeststellung. Ab wann dürfen die Organe entnommen werden? In Deutschland ist hierzu die Feststellung des Hirntods notwendig. In Belgien wird neben der Hirntodfeststellung auch die Non-Heart-Beating-Donor Methode (NHBD) akzeptiert, bei der nach zehnminütigem Herzstillstand die Organe zur Spende freigegeben werden. Diese Methode ist allerdings unter Medizinern umstritten, Organe, die solchen Spendern entnommen wurden, dürfen deshalb nicht Deutschland verwendet werden.

 

Dennoch führt die belgische Regelung dazu, dass sich in diesem Land prozentual gesehen mehr Spender finden, deren Organe europaweit verwendet werden können, als in in vielen anderen EU-Mitgliedstaaten. Und obwohl in Belgien vergleichsweise viele Spender vorhanden sind, können hier weniger schwere Fälle nicht behandelt werden, weil die Organe im europäischen Dringlichkeitsverfahren anderweitig vergeben werden. Das hat in der Vergangenheit schon häufig zu Beschwerden geführt.

Wer als Deutscher, Österreicher oder Belgier für sich entscheidet, dass eine Organspende nicht in Frage kommt, der muss sich vor jedem Auslandsaufenthalt dringend über die örtlichen Bestimmungen informieren und bereits im Vorfeld die nötigen Schritte unternehmen, die eine Organentnahme verhindern.

Wer nach seinem Ableben mit seinen Organen anderen Menschen das Leben retten möchte, somit sein Herz für Europa spendet, der besorgt sich am besten einen Organspendeausweis und trägt ihn stets bei sich. So wird im Fall der Fälle nicht nur dringend benötigte Zeit gespart, man befreit seine Angehörigen zudem in einer emotionalen Extremsituation von einer äußerst schweren Entscheidung.


Erstellt oder aktualisiert am 25. September 2011.
zurück hoch
 

Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie den Zahlencode nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*
Kommentar schreiben
Eté Image Banner 180 x 150